Spuren im Schnee abseits vom Trubel

Skitouren wie hier am Wilden Kaiser liegen im Trend, gerade jetzt gibt es mehr Anfänger denn je. So gelingt der Einstieg.

Weg von der planierten Skipiste – hinein in die Stille der unberührten Natur: Skitourengehen boomt. Laut heimischem Skibergsteigerverband Skimo Austria (www.skimo.at) schnallen sich rund 600.000 Landsleute regelmäßig die Tourenski an. Wegen der ungewissen Lage auf Österreichs Skipisten rechnet der Österreichische Alpenverein heuer mit bis zu 20 Prozent mehr Tourengehern – und auch Intersport Austria erwartet ein hohes zweistelliges Plus.
So wunderbar der Einstieg in die Skitourenkarriere sein kann, größtmögliche Sicherheit ist das oberste Gebot. Neulinge sollten ausschließlich mit fachmännischer Begleitung – also geprüften Berg- und Skiführern – ins Gelände. Diese Profi-Guides gehen allerdings ins Geld, ihr Tagessatz liegt bei rund 380 Euro (Quartier, Verpflegung usw. natürlich extra). Günstiger wird der Profi, wenn sich mehrere Personen einen Guide teilen (Bergführer findet man auf www.bergfuehrer.at sowie in den örtlichen Skischulen).  
Für Skitourenanfänger gibt es aber auch ein professionelles Kursangebot zum günstigen Pauschalpreis: Neben der Ausbildung in Lawinen- und Wetterkunde, Umgang mit LVS-Gerät, Routenwahl, Ski- und Aufstiegstechnik (z. B. Erlernen von Spitzkehren), Tourenplanung usw. sind hier auch der Guide und zumeist das Quartier im Preis inkludiert (siehe Tabelle). Einsteigerangebote sind auf dem Bildungsportal des Österreichischen Alpenvereins (www.alpenverein-akademie.at–„Basis & Training“, „Ausbildungskurse der Sektionen“) zu finden, sie sind meist auch für Nicht-Mitglieder offen, allerdings dann etwas teurer. Der DAV Summit Club des Deutschen Alpenvereins (die Gäste kommen hier zu rund zehn bis 15 Prozent aus Österreich) bietet zusätzlich zu Skitourenaufbaukursen auch Trainings- und Tiefschneekurse an, denn nur wer sicher „offpiste“ unterwegs ist, sollte sich zu einer Tour ins Gelände wagen.
Österreichs Wanderreisenveranstalter setzen neuerdings verstärkt auf Skitoureneinsteiger – allen voran ASI-Reisen und WeltWeitWandern. Unter dem Titel „Skitourenwinter“ macht das Salzburger Land Einsteiger schnell zu Aufsteigern (www.skitourenwinter.at): Bei den dreieinhalbtägigen Camps an mehreren Standorten (Trattenbachalm im Pinzgau und verschiedene Hotels) stehen die Freude am Naturerlebnis und das Vermitteln von Technik und alpiner Sicherheit im Vordergrund (auch gemeinsam mit Yoga). Wer nicht gleich einen mehrtägigen Kurs belegen möchte, kann bei halbtägigen Schnuppertouren inklusive Guide und Leih­ausrüstung den Spaß ausprobieren – zu finden bei so manchem Hotel und Tourismusverband (teils im Rahmen des Wochenprogramms) sowie bei Alpinschulen vor Ort (siehe Tabelle).

Die besten Tipps für Neulinge

1. Tourenanfänger sollten niemals allein ins Gelände.
2. Vorab im warmen „Wohnzimmer“ den Umgang mit der Ausrüstung und dem Lawinen-Pieps üben!
3. Fürs erste Schnuppern allein eignen sich Pistentouren (auf und entlang der Piste). Achtung: nicht präparierte Pisten sind nicht gesichert.
4. Das eingeschaltete (!) LVS (Lawinenverschüttetensuchgerät) stets am Körper und niemals im Rucksack tragen; auch ein Handy (samt Powerbank) gehört zur Ausrüstung.
5. Die Hauptgefahr im alpinen Gelände sind Lawinen, die meisten Unfälle passieren bei Lawinenwarnstufe 3. Erst-Infos gibt’s auf www.lawinen.at, detaillierte in den Bergführerbüros vor Ort.
6. Hilfreich für Anfänger sind Skitourenlehrpfade sowie LVS-Übungsparks – zu finden etwa in Kärnten am Falkert (www.heidialm.at/home/skitouren-lehrpfad) und am Goldeck (www.sportberg-goldeck.com); in Tirol am Pitztaler Gletscher (www.pitztal.com) sowie in Schmirn und im Wipptal (www.wipptal.at); im Salzburger Land in Faistenau/Loibersbacher Höhe (www.fuschlseeregion.com) und am Hochkönig (www.hochkoenig.at); Orthovox-LVS-Trainingsparks gibt es an mehreren Standorten (West-)Österreichs (www.ortovox.com/at)
7. Safety first: Nicht der Gipfelsieg zählt, sondern die Sicherheit. Bei geringstem Zweifel an der Lawinensituation ist Umdrehen sportlicher als weiter aufsteigen!

>> Pauschalangebote und Schnupper- bzw. Tagestouren für Skitourenanfänger

Was beim Ausrüstungskauf zu beachten ist

Christian Hölzl gibt wertvolle Tipps für die richtige Ausrüstung (Foto: Sport 2000 Hölzl)

Was kostet eine Skitourenausrüs­tung, was braucht der Anfänger und was ist gut? Christian Hölzl, Berg- und Skiführer-Anwärter sowie Betreiber von Sport 2000 in der Zillertal Arena (www.skiverleih.cc, www.skiguides-zillertalarena.at), gibt wertvolle Tipps.

  • Tourenski: Das Angebot an Skimodellen in Leichtbauweise ist mittlerweile so vielfältig und auf unterschiedlichste Ansprüche ausgerichtet (Schneebeschaffenheit, Fahrweise, Anteil Aufstieg – Abfahrt etc.), dass man einen passenden Kompromiss finden muss. Daher: Tourenski nicht gleich kaufen, sondern zuvor im Sportgeschäft ausleihen und testen. Generell gilt: Je breiter der Tourenski, umso besser im Tiefschnee, aber ungeeigneter für den Aufstieg; je leichter, umso schlechter für die Abfahrt. Für Anfänger und viele Bedingungen gut geeignet sind: Breite rund 88 Millimeter, Gewicht zwei Kilogramm, Radius 13 bis 15 Meter, Länge Nasenspitze bis Körpergröße. Hölzl empfiehlt Ski der Marken Augment (aus Österreich), Scott und Völkl.
  • Bindung: „Pin-Bindung“ – dieses Leichtgewicht (inklusive Steighilfe) erleichtert dank Drehpunkt bei den Zehen den Aufstieg. Sehr einfach zu bedienen ist Marker Alpinist. Gut für Anfänger sind zusätzlich Harsch­eisen (ca. 50 Euro).
  • Tourenskischuhe: Neueste Modelle sind leicht (rund 1,5 Kilogramm) und hart genug für eine gute Abfahrts-Performance. Ideal: Neigungshärte Flex 80 bis 110, „Boa-Schnürsystem“ im Innenschuh; empfehlenswerte Marke: Scarpa.
  • Felle: Klebefelle ohne Folie sind Vakuumfellen und Fellen mit Folie vorzuziehen.
  • Stöcke: höhenverstellbare Teleskopstöcke mit extragroßen Tiefschneetellern und Klappfixierung.
  • Sicherheitsausrüstung: Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS, „Pieps“), Sonde sowie Schaufel sind ein Muss (im Set um rund 300 Euro). Wichtig auch Erste-Hilfe-Set und Aludecke bzw. Biwaksack.
  • Preisvergleich: Im Set kommt der Kauf wesentlich billiger: Gute Skier, Bindung, Schuhe, Felle und ev. Stöcke kosten gemeinsam rund 800 bis 1.600 Euro (Preise nach oben offen). Leihausrüstung im Set: rund 50 Euro pro Tag bzw. 240 Euro pro Woche.

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.