Weingut Ecker/Grafenberg – klein, aber fein!

Schon vor einiger Zeit plante Josef Ecker, im Ruhestand (er war lange Zeit Kellermeister in der Weinbauschule Klosterneuburg) eine Serie seiner besten Grünen Veltliner zu präsentieren. Seit 1991 durfte er sich als Betriebsleiter selbst im kleinen Weingut in Grafenberg betätigen. Seine Liebe gilt vor allem dem Grünen Veltliner, der mit 55 % auf seinen zwei Hektar Weingärten dominiert, darüber hinaus sind Sauvignon Blanc (15 %), Riesling (10 %) und 20 % Bordeauxsorten vertreten.

Foto: Weingut Ecker

Wir konnten mit einer Ausnahme – 1997 fehlte leider – alle Weine durchprobieren, und das Resümee fiel großteils sehr positiv aus. Vor allem die reiferen Jahrgänge bewiesen, dass trotz Naturkork die Weine einiges an Kondition bewahrt hatten und sich in zeitloser Form präsentierten. Einmal machte der Naturkork bei beiden Flaschen etwas Schwierigkeiten, doch das kann schon passieren. Sehr bedauerlich war, dass doch fünf Jahrgänge dem Kunststoffpropfen zum Opfer fielen. Wir dachten früher, das sei eine tolle Alternative zum Naturkork, doch der Weichmacher entpuppte sich als Schwefelfresser. Mehr oder weniger waren diese Weine nur ein „schlechter Sherry-Scherz“ und deutlich von Oxidation geprägt, wahrlich schade.

Einige Highlights seien hervorgehoben. Der Jahrgang 1996 – wer ihn erlebt hat, weiß, welche Probleme die Fäulnis mit sich brachte – konnte sich ordentlich, ja sogar in voller Kraft präsentieren. Wer Holzausbau liebt und das in einer ästhetischen Form, der konnte kaum glauben, dass ein eher schwieriger Jahrgang wie 2013 solch ein Produkt ermöglichte. Ein großartiger Wein, der sicher noch weitere zehn Jahre Freude bereiten wird. Beim 2014er waren die Probleme vielleicht noch größer, dieser Wein ließ die Problematik des Jahrgangs spüren. Bei den jüngeren Jahrgängen zeigten sich noch reduktive Reste, manchmal manifestiert durch Töne von Bananen und Bazooka – sie warten auf weitere Jahre Flaschenreife. Natürlich ist auch der Schraubverschluss ein Garant dafür, dass diese Weine noch eine längere Lebenszeit vor sich haben.

 

Anschließend konnten wir noch die aktuelle Weinserie probieren und auch drei Jahrgänge vom Rotwein Kogelstein. Diese Marke ließ sich Josef Ecker schon frühzeitig schützen. Ausgestattet mit einem extra Etikett ist sie ein sehr vorzeigbares Exempel eines langlebigen Rotweins, der in dieser Gegend gar nicht zu erwarten war.

Vertikalverkostung Grüner Veltliner 1991 bis 2019

Grüner Veltliner QW 1991

12,5% Alk/7 Sre/Naturkork

Jugendliches Farbbild;

angenehme Patina, edles Tertiärbukett, dahinter jugendlich anmutende Erdbeertönung mit weiterer Fruchtpräsenz;

am Gaumen zarte Herbe mit Fruchtbegleitung, saftiger Säurebogen, überraschend frisch, zeitlose Verfassung.

89-90

Grüner Veltliner Spätlese trocken 1992

13,5% Alk/6 Sre/Naturkork

Starke Beeinträchtigung, muffige Korkanklänge;

dahinter kraftvolle Struktur, wohliger Körper und Extraktfülle, schade!

W

Grüner Veltliner QW 1993

12,5% Alk/7 Sre/Naturkork

In der Nase von Würze geprägt, fast mineralische Aspekte, Feuerstein mit Fruchtresten;

am Gaumen jugendlich, saftig, angenehme Säurestruktur, wohlige, noch sehr agile Art.

89

Grüner Veltliner QW 1994

13% Alk/Naturkork

Im Bukett Würze mit zart mineralischen Anklängen;

am Gaumen kernige, saftige Art, trockene Eleganz, gut strukturiert, lässt beim Abgang nochmals Terroir spüren, toller Nachhall.

90+

Grüner Veltliner QW 1995

12,5% Alk/Naturkork

Wohlige Patina, dazu ein spürbarer Hauch Botrytis;

all dies setzt sich auch am Gaumen fort, herber Nachhall mit Struktur.

88

Grüner Veltliner QW 1996

12% Alk/Naturkork

Ganztraubenpressung

Nicht unattraktives Bukett mit Botrytisnoten;

am Gaumen kernig und knackig in der Säure, zeigt Frische und Pikanz, jahrgangstypisch, Chapeau für diesen problem-Jahrgang!

89+

Die Grünen Veltliner von den Jahrgängen 1998, 1999, 2002, 2003 und 2004 waren alle mit Kunststoffpfropfen verschlossen und infolgedessen mehr oder weniger oxidativ.

Speziell die Jahrgänge 1999, 2002 und 2003 zeigten von der Struktur her, dass hier durch diesen schlechten Verschluss wirklich großer Schaden entstand.

Grüner Veltliner QW 1998

Kunststoffpfropfen

Oxidativ.

o.B.

Grüner Veltliner QW 1999

Kunststoffpfropfen

Oxidativ, schade, wäre ein tolles Produkt gewesen..

o.B.

Grüner Veltliner QW 20008

13 Alk/6 Sre/Naturkork

Im Bukett Würze und Frucht in zeitloser Formation, noble Art der Sortentypizität mit Pfefferl;

am Gaumen knackig und saftig, kernig und pikant, je weiter nach hinten, desto frischer und animierender.

91

Grüner Veltliner Reserve 2001

13 Alk/Naturkork

Teilbarrique

In der Nase Würze mit Nuss und zart pfeffriger Begleitung;

wohliger Einstieg am Gaumen, vom „Kuss des Holzes“ und etwas Botrytis geprägt, mit Frucht verwoben.

91

Grüner Veltliner QW 2002

Kunststoffpfropfen

Oxidativ, schade, wäre ein tolles Produkt gewesen.

o.B. 

Grüner Veltliner QW 2003

Kunststoffpfropfen

Oxidativ, schade, wäre ein tolles Produkt gewesen.

o.B.

Grüner Veltliner QW 2004

Kunststoffpfropfen

Sherry!

o.B.

Grüner Veltliner 2005

Weinviertel DAC

12,5% Alk/Schraubverschluss

Intensive Würze, Nuss und Feuerstein sowie Toastbrot, von elegnater Patina eingeleitet;

am Gaumen reife Säurepikanz, lässt auch gereifte Momente verspüren, sortentypisch in zeitloser Art.

90

Grüner Veltliner 2006

Weinviertel DAC

12,5% Alk/Schraubverschluss

In der Nase Nuss, Würze und nasser Stein;

am Gaumen zart anklingende Oxidation, Apfelschalen, schon weiter entwickelt.

88

Grüner Veltliner 2007

Weinviertel DAC

12,5% Alk/Schraubverschluss

Im Bukett Feigen und etwas Brotrinde, täuscht Holz vor;

am Gaumen Restsäure und Trockenfrucht, individuell, doch durchaus attraktiv.

89

Grüner Veltliner 2008 Private Reserve

13,5% Alk/Schraubverschluss

Röstig-toastig im Geruch, etwas Nuss;

ganz anders am Gaumen, Restfrucht lugt zwischen Dörrobst und Holzresten hervor, burgundischer Stil.

89-90

Grüner Veltliner 2009 Alte Reben

Weinviertel DAC

12,5% Alk/Schraubverschluss

Ausbau im Stahltank

Im Bukett, saubere, klare Frucht, mit zarter Vegetabilität und Würze vereint;

am Gaumen saftig und kokett, fast noch animierend, sauberes Finish.

89-90

Grüner Veltliner 2010

Weinviertel DAC Klassik

12% Alk/Schraubverschluss

In der Nase etwas Würze, zarte Unreife spürbar; am Gaumen mittlere Maschen, jahrgangsbedingt schlanke, kernige, puristische Art, zarte Herbe im Nachhall.

87

Grüner Veltliner 2011

Weinviertel DAC Reserve

>13,5% Alk/Schraubverschluss

Im Bukett hell geröstete Haselnüsse, Würzeeffekte, Toasting und Trockenfrucht;

am Gaumen Dörrobst, Feigen, Karamell und Blockmalz, internationales Feeling bis zum Abgang, zeitlose Verfassung.

89

Grüner Veltliner 2012

Weinviertel DAC Klassik

12,5% Alk/Schraubverschluss

In der Nase feine Feuersteinnoten, dahinter Fruchtanteile;

am Gaumen nur ein Hauch von Patina, dahinter Restfrucht.

88-89

Grüner Veltliner 2013 Privat

13,5% Alk/Schraubverschluss

Es „weihnachtet“: Zimt, Nelken und Glühweingewürze, Inländerrum („Rum-Kokos von Casali“), rauchig-toastig;

am Gaumen überraschend cremig, Extraktsüße pur, BSA gekonnt eingesetzt, Länge, Charakter und Tiefgang, tolle Ressourcen, Chapeau!

94

Grüner Veltliner 2014 Privat

13% Alk/Schraubverschluss

Wirkt schon etwas gereift (zarte Oxidation) Apfelschalen mit leichter Holzbegleitung, Jahrgangsproblematik spürbar.

86

Grüner Veltliner 2015 Ried Sätzen

>14% Alk/Schraubverschluss

Jugendliche Farbe; frisch und jugendlich im Bukett, reduktive Reste und Frucht-Würze-Dialog;

am Gaumen voll und reif, dazu auch mit Säurepikanz ausgestattet, wärmt im Abgang, perfekte Balance, noch immer deutliche Ressourcen.

90

Grüner Veltliner 2016 Ried Sätzen

14% Alk/Schraubverschluss

Im Bukett betont „terroirverdächtig“, Feuerstein mit Frucht vereint;

am Gaumen noble Reife, deutliche Kernobstpräsenz, Apfel, wohlige Extraktsüße und Fülle, trotzdem balanciert.

92

Grüner Veltliner 2017 Alte Reben

Weinviertel DAC

13,5% Alk/Schraubverschluss

Reduktive Farbe; reduktive Reste auch im Geruch, Banane und Bazooka;

am Gaumen noch jugendliche Effekte, saftige Art, reife Frucht und Extraktfülle, zeigt beachtliche Kondition, deutliche Ressourcen.

91-?

Grüner Veltliner 2018 Ried Sätzen

>14% Alk/5 Sre/Schraubverschluss

Im Bukett Würze, Frucht und Vegetabilität mit zarter Holzbeteiligung, Haselnuss und Walnuss, Toasting mit Trockenfrucht vereint;

am Gaumen kraftvoll und konditionsstark, beachtliche Länge.

90-?

Grüner Veltliner 2019 Ried Sätzen

>14% Alk/5 Sre/Schraubverschluss

Fassprobe

Reduktives Farbbild; in der Nase noch jugendlich-verspielt, fast dropsig-fruchtig;

am Gaumen noch mehr von jugendlichen Attributen geprägt, abermals verspielt und fruchtig, ein jugendlicher Held, auch hier reifte Großes heran!

91-?

5 aktuelle Weißweine 2019, 2 Rotweine Kogelstein

Weinviertel DAC Klassik 2019

12,6% Alk/1,4 Rz/6 Sre/Schraubverschluss

Weininfo: Ausbau im Stahltank

Schafft es schon in der Farbe, Jugend zu vermitteln;

dieses helle, jugendliche Flair lässt sich auch geruchlich nachvollziehen, reduktiv gehalten, mit grünem Apfel und Klarapfel, Zitrus und etwas Grapefruit;

am Gaumen elegante, zarte Herbe beim Einstieg, zeigt sich verspielt und anregend, mit saftiger Säure ausgestattet, aber auch mit genügend Struktur versehen, um einen perfekten „Mittelgewichts-DAC“ zu manifestieren, Kernobst- und Zitruseffekte mit animierender Säure bis zum Nachhall.

88-89

Weinviertel DAC Alte Reben 2019

13,4% Alk/1,7 Rz/5,9 Sre/Schraubverschluss

Weininfo: 48 Jahre alte Reben, Ausbau im Stahltank

Jugendlich-reduktiv im Farbbild;

mit strahlend-jugendlichen und reduktiven Attributen auch im Geruch ausgestattet, beeindruckende Aromenbandbreite mit Banane, Zitrus und Grapefruit, ergänzt von Kräuterwürze;

am Gaumen bestens strukturiert, wohlige Wärme wird durch die Säurepikanz auf angenehme Weise ausbalanciert, von anregender Reife bis zum Abgang geprägt, braucht noch einiges an Zeit und Geduld, am Weg zu einem tollen Veltliner.

89-?

Grüner Veltliner 2019 Ried Sätzen

14% Alk/1,9 Rz/5,4 Sre

Fassprobe

Ausbau 40 % Barrique und 60 % Stahltank

Noch reduktives, helleres Farbspiel;

in der Nase jugendlich-verspielt mit fast dropsig-fruchtigen Elementen, ein Hauch von Banane und grünem Apfel, aber auch gelbe Momente tauchen immer mehr auf, der Holzanteil lässt sich kaum bemerken und ist perfekt integriert;

die jugendlich-verspielten Effekte steigern sich am Gaumen nochmals, von fruchtiger Vielfalt geprägt, ein noch etwas ungestümer Held, der sich im Lauf der kommenden Monate bis Jahre zu einem großen, reifen Reservewein entwickeln wird, beachtliche Ressourcen.

91-?

Sauvignon Blanc 2019 Ried Kogeln

12,5% Alk/2,3 Rz/6 Sre/Schraubverschluss

Weinfo: Ausbau im Stahltank

Jugendliches, helleres Farbbild;

im Bukett weiße Ribisel und Stachelbeeren, immer mehr deutlich vegetabile Tönung, dazu zart florale Ergänzung mit einem wohligen Blütenhauch;

feine Herbe und fruchtig-„süße“ Beteiligung am Gaumen, präsentiert sich mit balancierter Eleganz, die Sortencharakteristik setzt sich lückenlos fort, kann Frucht, Vegetabilität und blumige Aspekte samt zarter Würze perfekt vereinen, anregendes Sortenspiel bis zum Nachhall.

89-90 

Riesling 2019 Ried Kogeln

12,9% Alk/4,5 Rz/7 Sre/Schraubverschluss

Weininfo: Ausbau im Stahltank

Hellerer Farbtyp;

in der Nase mineralisch und würzig, mit Steinobstfrucht vereint, später immer mehr Kräuterdominanz zu vernehmen;

am Gaumen feine, zarte, doch spürbare Restsüße, vereint mit Fruchtsüße, wohlige Pikanz mit Balance-Effekt, abermals Mix aus Kräuterwürze und Pfirsichanteilen, strukturierter Nachhall.

88

Kogelstein 2017

60 % Merlot – 40 % Cabernet Sauvignon

14% Alk/1,4 Rz/5 Sre

Weininfo: Ausbau in Barriques (50 % neu, 50 % zweitbefüllt)

Tiefe Farbe, fast schwarzer Kern;

im Bukett mit „Rum-Kokos von Casali“ und Glühweineffekten eingeleitet, auch Punschnoten tauchen auf, dazu Fichten- und Tannenwipfel samt süß-röstigen Anteilen;

am Gaumen von Beginn an von Extraktsüße geprägt, abermals kommen „weihnachtliche“ Assoziationen auf, weichere, doch schon weitgehend eingebundene Tannine, wohlig und mollig, mit wohldosierter Kraft und Länge ausgestattet, trotzdem insgesamt noch unfertig, doch mit beachtlichen Ressourcen.

89-91

Kogelstein 2016

60 % Merlot – 40 % Cabernet Sauvignon

14% Alk/5 Sre/Schraubverschluss

Tiefe Farbe;

süß-röstiges Versprechen im Bukett, Toasting boomt, Rumtopf und Rotweinlikör;

zeigt am Gaumen wohligen Tannineinsatz, extraktsüße Fülle, großartig strukturiert, immer noch zu jung, beachtliche Ressourcen.

90-?

www.weingut-ecker.com

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