Weingut Esterházy - Pannonische Gastfreundschaft in Reinkultur!

Trausdorf an der Wulka, 12. Juni 2015

Der Wiener Sommelierverein (WSOV) unternimmt jährlich im Juni eine Exkursion mit Riedenwanderung, diesmal ging es ins Weingut Esterházy nach Trausdorf, wo seit 2006 in einer optimalen Betriebsstätte „auf der grünen Wiese“ gearbeitet wird.

An den ebenerdigen Verkaufs- und Vinotheksbereich schließt gleich der Barriquekeller an, im ersten Stock befinden sich Veranstaltungsräumlichkeiten. Einen echten Keller gibt es nicht, weil bei 80 cm Tiefe schon das Grundwasser erreicht ist.

Der Weißweinkeller blitzt in Stahl, vergoren wird hier bei 18 bis 20 Grad. Der Rotweinkeller ist mit weit über 20 Maischebehältern (5 davon mit Stockinger-Holz) ausgestattet, längere Maischestandzeit bei 28 bis 30 Grad Betriebstemperatur ist hier die Regel.

 

Ein neues Projekt ist der alte Meierhof hinter der Halle, der für Veranstaltungszwecke mit Räumlichkeiten für bis zu 200 Personen umgebaut wird. Die Eröffnung ist für Oktober 2015 geplant, des Weiteren sollen ein Heuriger und ein Hotel in den nächsten Jahren dazukommen.

 

General Manager Stefan Tscheppe ist voller Pläne, im Keller ist nach dem Wechsel von Josef Pusch ins Weingut Paul Kerschbaum die junge Generation am Werk, wobei die Kontinuität gewahrt bleibt.

 

Empfangen wurden wir mit einem prickelnden Gruß:

 

Quinquin Sparkling Rosé

Pinot Noir und Chardonnay

12 Alk/10 Euro

Fruchtbetont, mit Eleganz und Esprit.

89

Der Name „Quin-Quin“ (bedeutet so viel wie „liebenswürdiger Schelm“) ist eine Hommage an einen Vorfahren aus der Esterházy-Dynastie, Graf Franz Esterházy (1717-1785), er war Hoftheater-Direktor in Wien. Bekannt wurde der Träger des Goldenen Vlieses vor allem für seinen Charme, seine Eleganz und seine fröhliche Leichtigkeit. Der Dramatiker Hugo von Hoffmannsthal sah in ihm die historische Vorlage für seinen „Quin-Quin“ in Richard Strauss’ Oper „Der Rosenkavalier“.

 

Die Geschichte des Weingutes reicht bis 1758 zurück, und bis vor wenigen Jahren war die Produktion im Schloss Eisenstadt untergebracht – unter teilweise schwierigen Bedingungen. Seit dem Jahrgang 2006 wird im neuen Betrieb in Trausdorf auf modernstem Standard vinifiziert. Insgesamt stehen rund 80 Hektar Rebfläche zur Verfügung (65 Hektar Eigenbesitz, Traubenzukauf sowie Flächen in Ungarn: 17 Hektar in Sopron sowie etwas in Etyek-Buda, wo in einem Partnerbetrieb vinifiziert wird).

 

Zwei Drittel der Eigenfläche sind dem Rotwein gewidmet, wobei mit Abstand der Blaufränkisch dominiert, aber auch Pinot Noir sowie Merlot und Zweigelt sind ausgepflanzt. Beim Weißwein wird eine große Sortenvielfalt gepflegt, an der Spitze stehen Chardonnay und Pinot Blanc, dazu Sauvignon Blanc, Grüner Veltliner, Welschriesling sowie Muskat Ottonel, Gelber Muskateller und mehr.

Die Weingärten sind breit verstreut (über eine Wegstrecke von 120 Kilometern) und zwischen 3 und 16 Hektar groß. Angelegt von Eisenstadt über St. Georgen, St. Margarethen und Oslip bis Rust und Großhöflein, sind auch die Böden und die kleinklimatischen Bedingungen der vielen Parzellen sehr unterschiedlich.

 

Wir besuchten die 10 Hektar in St. Georgen, wo Lehm und verwitterter Kalk ideale Bedingungen für Blaufränkisch und auch Merlot bieten. Während Lagen wie Föllig (Blaufränkisch) oder Schneiderteil (Merlot) separat in den Verkauf kommen, finden im Leithaberg DAC viele Bodenarten zusammen.

 

In einer Vertikalverkostung mit dem Schwerpunkt Blaufränkisch – auf der Basis von Leithaberg DAC und Blaufränkisch Föllig – zeigte sich der Jahrgang 2011 perfekt, aber auch der schwierige Jahrgang 2013, der erst in den Verkauf kommt, verspricht einiges. Und dass Esterházy-Weine auch sehr gute Speisentauglichkeit aufweisen, was für Sommeliers natürlich sehr wichtig ist, bewies die Weinvielfalt zum Spanferkel, das bei bestem Wetter und strahlendem Sonnenschein auf der Wiese vor dem Weingut serviert wurde. Vor allem der Sauvignon Blanc und der „einfache“ Chardonnay ragten aus der Palette heraus. Ein besonderes Lob gilt nach wie vor dem „Flaggschiff“ am Rotweinsektor, dem Tesoro.

 


Welschriesling 2014 Classic

11,5 Alk/Schraubverschluss

Weininfo: Alter der Reben 29 Jahre, Lagen in St. Georgen, sandig-lehmiger Boden mit höherem Kalkanteil, selektive Handlese, Ertrag 60 hl/ha, gekühlte Gärung bei konstanten 16 °C, 3 Monate Hefekontakt

Eleganter, dezenter Mix aus Würze und fruchtigem Hintergrund; am Gaumen saftig und leicht, kernig und knackig, Sommer- und Terrassenwein.

85

 

Welschriesling 2013 Barrique

Im Bukett Würze in hellröstigem Umfeld, dezentes Trockenfruchtaroma; am Gaumen nobel und gehaltvoll, feine Röstnoten, interessantes Experiment.

89

 

Chardonnay 2013 Classic

13,5 Alk/Schraubverschluss/8 Euro

Weininfo: 23 und 25 Jahre alte Reben, Lagen in St. Margarethen, sandiger, wasserdurchlässiger Boden mit höherem Kalkanteil, selektive Handlese, Ertrag 45 hl/ha, vergoren in Stahltanks bei 18 °C, 2 Monate Bâtonnage, bis Weihnachten auf der Feinhefe

Helle, reduktive Farbe; im Bukett feine Würze und elegante Frucht; am Gaumen noble Struktur, zarter Hefetouch in Kombination mit viel Nussaromen, perfektes Mittelgewicht mit Charakter.

89+

 

Chardonnay 2011 Lama

13,5 Alk/Naturkork/18 Euro

Lage: exzeptioneller Weinberg auf der höchsten Stelle im Ruster Hügelland in St. Margarethen, sandiger, sehr kalkhaltiger Lehmboden, Gneis und Schiefer im Untergrund, 25 Jahre alte Reben, selektive Handlese, Ertrag 40 hl/ha, Ganztraubenpressung, Vergärung in 500-l-Fässern, bis Ende Dezember Bâtonnage, kein BSA, Ausbau im Holz für 8 Monate

Im Bukett viel Haselnuss und prägnantes Toasting, Kokos und Casali; am Gaumen immer noch genügend Holz, braucht noch Zeit zum Einbinden.

88+

 

Sauvignon Blanc 2014 Estoras

12,5 Alk/Schraubverschluss/12 Euro

Weininfo: Lage in St. Georgen, Reben 23 Jahre alt, kühler, gut wasserspeichernder, eher tiefgründiger Lehmboden, selektive Handlese, Ertrag 50 hl/ha, ausschließliche Verwendung von Seihmost, gekühlte Gärung bei 19 °C, 4 Monate auf der Feinhefe, 1/3 im 500-l-Fass ausgebaut

Helles, reduktives Farbbild; klassisches Sortenbukett mit reduktivem Touch, Stachelbeeren und Tomatenrispen; am Gaumen saftig, fast süßsauer, dezente Restsüße und genügend Fruchtsäure, animierender Mix aus Frucht, Vegetabilität, floralen Inhalten und Würze.

88

 

Tesoro 2011

70 % Blaufränkisch, 30 % Merlot

14,5 Alk/45 Euro

Weininfo: 17 bis 22 Jahre alte Reben, selektive Handlese, Ertrag 30 hl/ha, kein Quetschen der Beeren, Vergärung im Holzgärständer über 24 Tage bei Temperaturen von 28 bis 30 °C, Ausbau über 19 Monate in neuen Barriquefässern

Lagen: Krakauer und Schneiderteil nordöstlich von St. Georgen an den Hängen des

Leithagebirges (Merlot), 20 bis 40 Zentimeter tiefe Muschelkalkschicht, auf die mächtige Schieferfelsplatten folgen, mit Hilfe von Sprengungen aufgebrochen, damit die Wurzeln der Reben tiefer in das Erdreich eindringen können; Föllig im Gemeindegebiet von Großhöflein (Blaufränkisch), nach Südosten ausgerichteter Kegel aus unterschiedlich dicken, kalk- und tonhaltigen Schichten

Gut gedeckte, tiefe Farbe; im Bukett süße Frucht, vor allem Beeren und Rumtopffrüchte; am Gaumen großer Stoff, Graphitwürze und genügend Tannin, Eleganz in Verbindung mit wohldosierter Kraft, feurig und fulminant bis zum langen Abgang, bereits wunderbar anzutrinken, wird aber erst in einigen Jahren seine volle Größe erlangen.

91-?

 

Schilfwein

Muskat Ottonel – Welschriesling

10,5 Alk/Naturkork

Weininfo: Alter der Reben 26 Jahre, sandiger, leichter Boden, selektive Handlese Ende Oktober 2012, 300 hl/ha Ertrag, Trauben bis März 2013 auf Schilfmatten aufgelegt, in dieser Zeit verdunstet der Großteil des Wassers, was den Zuckergehalt stark konzentriert, mit Korbpresse abgepresst und anschließend langsam vergoren, nach über 40 Tagen stellten die Hefen bei 10,5 % Alkohol die Gärung ein

Wunderschöner Goldglanz; hocharomatisches Bukett mit Honig und Trockenfrucht in vielfältiger Pracht; am Gaumen üppige, cremige Süße, weiche Substanz, charaktervoller Tiefgang, langer, süß-aromatischer Nachhall.

91

 

Rotwein-Vertikale

 

Weinguts-Beschreibung der Lage Föllig

In Esterházy-Besitz ist der oberste Teil dieser größeren Lage auf einer Seehöhe von 200 bis 210 Metern. Der 30 cm dicke Oberboden besteht aus schwarzem, sehr humusreichem Lehm, darunter befindet sich der wahre Schatz, ein gelb-brauner Unterboden mit mäßigem Lehmanteil und verwittertem, feinem Kalkstein.

Der Fölligberg ist ein mächtiger Schwemmkegel, den Flüsse aus dem Erosionsmaterial des Leithagebirges im Urmeer angelagert haben. Die sanfte Hangneigung begünstigt eine intensive Sonneneinstrahlung, wobei der beste Teil der Lage, das Filetstück gewissermaßen, der nach Süden und Südosten ausgerichtete Bereich ist. Genau hier befinden sich auch die Weingärten des Weinguts Esterházy.

Klimatisch stellt der Föllig den westlichsten Punkt dar, der noch vollständig in den Genuss des warmen, pannonischen Klimas kommt. Die Böden sind schwer und tiefgründig mit hohem Tongehalt und einem geringeren Kalkanteil als die Lagen am Leithagebirge – ein Boden, auf dem sich der Blaufränkisch ausgesprochen wohl fühlt.

 

Blaufränkisch 2007 Föllig

Magnum

Rubin; im Bukett ziegelige Würze; am Gaumen noch feurig in zeitloser Art, angenehme Tannine, eleganter Druck mit Terroir-Feeling, voll am Höhepunkt.

88+

 

Blaufränkisch 2008 Föllig

Leuchtendes Rubin; jugendliches Bukett mit Frucht und Würze, dezent ledrig unterlegtes Holz, etwas deftig und animalisch bereichert; eleganter Einstieg am Gaumen, abermals Frucht und Würze mit dezentem Holztouch und Lederpräsenz.

88+

 

Blaufränkisch 2009 Föllig

Tiefe Farbe; im Bukett süß-gekochte, reife Frucht, elegante Rumtopfnoten mit Fruchtkonzentration; am Gaumen voll und reif mit angenehmem Druck, viel stoffiges Tannin, langer, charaktervoller Nachhall.

90+

 

Blaufränkisch 2010 Föllig

Tiefe Farbe; im Geruch aristokratisch mit animalischem Hintergrund, ledrige Würze, Selchspeck mit Wacholder, dunkelrote Frucht; am Gaumen mit genügend Tannin ausgestattet, viel Charakter.

89-90

 

Blaufränkisch 2011 Föllig

Schwarz mit hauchdünnem, purpur-violettem Rand; satte, reife Frucht im Bukett, Selchspeck und Sattelleder, etwas Kreide, Terroir-Feeling; am Gaumen druckvoll durch Tannin, charaktervolle Struktur.

91

 

Blaufränkisch 2012 Föllig

Dunkler Rubinglanz; viel jugendliches Fruchtspiel mit Beeren und reifen Kirschen; am Gaumen von noch mehr Reife und Frucht geprägt.

90

 

Blaufränkisch 2013 Föllig

Fassprobe

Leuchtendes, gut gedecktes Rubin; jugendliches, sauberes Gehaben mit viel Frucht im Bukett; am Gaumen angenehmer Tannindruck, dazu jugendliches Holz, noch etwas fordernd.

88-?

 

Leithaberg DAC 2014

Tiefes, jugendliches Farbbild; im Bukett schartig und fruchtig, noch unfertig; ebenso am Gaumen, noch unbändig im Tannin, durchaus mit Ressourcen ausgestattet.

88-?

 

Leithaberg DAC 2013

Jugendliches Farbbild, Rubin mit Purpur-Violett; jugendlich auch im Geruch, viel Fruchtcharme; am Gaumen ebenfalls jugendlich, guter Stoff mit Tannin und Druck, Ressourcen.

88-?

 

Leithaberg DAC 2012

Mittlere Farbe; im Geruch individuelle Kräuternoten, Fichtennadeln und Tannenzapfen; diese eigenständige Aromatik zieht sich auch am Gaumen durch.

88

 

Leithaberg DAC 2011

Rubin; im Bukett Schoko-Pralinen, noch etwas vom jugendlichen Toasting geprägt; am Gaumen reifer Druck, nobler Tanningehalt, strukturiert und elegant zugleich.

89-90

 

Leithaberg DAC 2010

Neutrale, dezente Frucht im Geruch; am Gaumen wohliger Druck, saftiger Charakter mit Tiefgang, angenehme Intensität, elegante Struktur.

89-90

 

Blaufränkisch 2012 Baumschule

Jugendliches Rubin; jugendliches Bukett mit angenehmen Fruchtinhalten; am Gaumen reif und rund, voll und kernig zugleich, tolle Ressourcen.

Anmerkung: Wird später zu „Schiltern“ umbenannt.

90-?

 

Blaufränkisch 2013 Baumschule

Fassprobe

Jugendliche Farbe in gut gedeckter Art; jugendlich auch in der Aromatik, angenehme Frucht mit Kirschen und Beeren; am Gaumen guter Druck, nobler Charakter, kräftige Tannine bis zum Abgang.

89-?

 

Tipp: www.kutscherskostnotizen.at 

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