Weingut Migsich – frischer Wind im Rosalia DAC

Bis vor fünf Jahren wurden im Weingut Migsich eher „brave“ Weine für die Gastronomie produziert. Diese verkauften sich zwar gut, konnten jedoch den Intentionen der jungen Generation nicht genügen. Man wollte mehr in Richtung Internationalität gehen, ohne auf den regionalen Charakter zu verzichten.

Erich und Mario Migsich

www.migsich.at

Man wollte auch etwas mehr Power in die Weine bringen und entsprechend mehr Haltbarkeit und Konditionsstärke für längere Lagerung beweisen.

Vor allem am Rotweinsektor liegt hier der Schwerpunkt, und natürlich ist es die Sorte Blaufränkisch, der die Brüder Mario und Erich Migsich besonderes Augenmerk schenken. Sie selbst definieren als Aushängeschild ihren reinsortigen „Fat Boy“, der allerdings gar nicht schwergewichtig daherkommt, sondern sich vor allem mit Tanninpower und Struktur sehr wohl auch intensive bis fordernde Agilität in Szene setzen kann.

Die Rotweinserie insgesamt ist beachtlich, hier ist wahrlich Großes entstanden. Am Weißweinsektor liegt der Schwerpunkt ebenfalls auf kräftigen Weinen, wobei die Grande Reserve und noch mehr der Chardonnay Kondition für einige Jahre aufweisen. Im Gegenteil: Sie müssen noch warten, bis sie ihren Höhepunkt erreicht haben. Und der Chardonnay Primadonna sowie der Blaufränkisch Fat Boy konnte nicht umsonst Landessiegertitel und mehr einfahren.
Erfreulich das beachtliche Preis-Leistungs-Verhältnis bei den Sortenweinen Cabernet Sauvignon und Merlot. Beides tolle Weine zu nahezu Rotwein-Schnäppchenpreisen.

Man darf also von den engagierten Brüdern erwarten, dass im Rosaliagebiet nicht nur ein frischer Wind weht, sondern auch eine zusätzliche Adresse gefunden werden konnte, die mit Sicherheit höchste Qualität garantiert.


Sauvignon Blanc 2020 Burgenland
12,5 Alk/Schraubverschluss
Jugendlich-reduktives Weißgelb, zarte Kohlensäurereste; in der Nase feine Frucht, ebenfalls reduktive Momente, ein Hauch von Zitrusfrüchten, dazu grünwürzige und vegetabile Elemente, dann auch Klarapfel und Stachelbeere; am Gaumen süßsaurer Einstieg mit spürbarer Fruchtsüße und Restsüße, umschlossen von einem anregendes Säurekorsett, wird eine spannende Balance inszeniert, durch die Säure wird die Frucht intensiviert und vorangetrieben, saftig und kokett, mit dezent sortentypischem Abgang.
88-89

Ried Herrschaftsfelder Grande Reserve 2019
Grüner Veltliner – Sauvignon Blanc
14 Alk/Diamkork
Strohgelbes Farbbild, mittlere Dichte; in der Nase Heublumenwürze, mit Kräutern vermengt, dazu Trockenfruchtaromen, mit Luft immer mehr auch toastige Eindrücke; am Gaumen kommt es zu einem Wettstreit zwischen Frucht und Holz, wobei zunächst die Frucht die Oberhand zu haben scheint, doch mit jeder Minute und Luft kommen die röstigen Töne ebenso zur Geltung, ein noch jugendlich gestalteter Dialog dieser beiden Antipoden, die sicherlich noch im Laufe des Jahres näher zueinanderfinden werden und zusammenwachsen, derzeit noch von jugendlichen Attributen behaftet, doch dieser „Fehler“ wird von Monat zu Monat geringer.
89-?

Chardonnay 2017 Primadonna
14,5 Alk/1,9 Rz/6,2 Sre/Diamkork/35 Euro
Weininfo: 20 Jahre alte Reben, Boden mit Muschelkalk und Löss, selektive Handlese, 3000 kg/ha, 6 Monate Ausbau im französischen und amerikanischen Eichenfass
Strahlendes Gelb mit strohgoldenem Schimmer; im Bukett feine, helle Würze mit röstigem Feeling, Biskuit und Brioche, Haselnuss (gerieben und/oder hell geröstet), Trockenfruchtaromen und Brotrinde komplettieren und intensivieren den Holzeinsatz; am Gaumen cremig und geschmeidig beim Einstieg, wohlige Wärme mit nobler Kraft, Kokossplitter und etwas Inländerrum („Rum-Kokos von Casali“-Assoziationen), sauber, röstig und intensiv wird der weitere Verlauf gestaltet, noble Wärme im Nachhall, der Holzeinsatz dominiert, doch das Toasting ist betörend, allerdings noch viel zu jung, auf Wiedersehen in ein bis zwei Jahren.
91-93

Rosé
Rosalia DAC
12,5 Alk/Schraubverschluss
Schüchternes Farbbild, helleres Lachsrosa mit einem Touch Orange; in der Nase feine Frucht, Kirsche mit dezenten Kernanteilen, Beeren mit Himbeerpräsenz, nur zart würzig wird der Fruchtcharme ergänzt; am Gaumen saftiger Einstieg mit Fruchtsüße und dezenter Restsüße, „konsumentenfreundlich“ in positiver Weise angelegt, animierend und mit „harmonischer Pikanz“ ausgestattet, abermals mit fruchtig-charmantem Ton versehen und mit einem eleganten Finish ausklingend.
88-89

Cabernet Sauvignon 2018
13 Alk/2 Rz/5,7 Sre/Schraubverschluss/8,90 Euro
Weininfo: 19 bis 27 Jahre alte Reben, Boden mit Lehm, Humus und Löss, selektive Lese, Ertrag 5000 kg/ha, Vergärung im Stahltank
Gut gedecktes, dunkles Rubin mit jugendlichem Glanz; perfekte Sortentypizität von Beginn an, süß-röstig, schotig-würzig, von reifer Vegetabilität getragen, mit Cassis und Paprika (Peperonata), lässt damit schon orthonasal zarte Bordeaux-Assoziationen anklingen; am Gaumen setzt sich das sortentypische Feeling kontinuierlich fort, von reifen Tanninen und Extraktsüße getragen, mit wohliger Struktur versehen, kann gleichzeitig Harmonie und Spannung vermitteln, legt am Gerbstoffsektor im Verlauf immer mehr zu.
91-?

Merlot 2018
14,4 Alk/1,7 Rz/5 Sre/Schraubverschluss/12 Euro
Weininfo: 19 Jahre alte Reben, Lehm-Löss-Boden, selektive Lese, Ertrag 6000 kg/ha, 6 Monate Ausbau im französischen und amerikanischen Eichenfass
Leuchtendes, gut gedecktes Rubin; in der Nase würzige Noten mit reifer Schote, etwas Cassis und erdigen Waldboden-Assoziationen, dazu Ziegel und Graphit, alles zusammen ergibt ein komplexes Sorten- und Terroir-Bild; wohlige Tannine und Extraktsüße samt druckvoller Noblesse leiten den Gaumenpart ein, wohlige Fruchttiefe, samtige Eleganz und kraftvolle Harmonie samt Wärme bis zum Abgang.
91-?

Merlot 2017 Nobody
14 Alk/1 Rz/5 Sre/Diamkork/28 Euro
Weininfo: 25 Jahre alte Reben, Boden mit Lehm, Humus und Löss, selektive Handlese, 4000 kg/ha, 18 Monate Ausbau im französischen und amerikanischen Eichenfass (300 Liter) Gut gedecktes, leuchtendes Rubin mit Granatschimmer; in der Nase reife Würze, „süßes“ Toasting, mit erdigen, schotigen und tief fruchtigen Momenten vereint; die Fruchtkonzentration findet sich am Gaumen nochmals intensiver wieder, die reifen, roten Schotentöne können auf wohlige Weise in ein Tannin-Furioso überleiten, dabei tauchen nie fordernde und kantige Elemente auf, sondern sanfter Gerbstoffdruck manifestiert sich auf kontinuierliche Weise, rund, doch auch mit Spannung versehen, herrliche Balance zwischen Gerbstoff, Holz und Fruchtkonzentrat, perfekte Länge.
92-?

Mister Zweigelt 2017
14 Alk/1 Rz/5,3 Sre/Diamkork/28 Euro
„Zweigelt einmal anders“
Weininfo: 33 Jahre alte Reben, Boden mit Lehm, Humus und Löss, selektive Handlese, Ertrag 3500 kg/ha, 12 Monate Ausbau im französischen und amerikanischen Eichenfass (300 Liter)
Dunkles Rubin mit jugendlichem Randbereich; in der Nase schöne, dunkle Frucht mit Kirschen und Beeren in hoher Konzentration und Reife, auf schwülstige Weise offeriert; am Gaumen macht sich die Konzentration der Fruchtexzesse noch intensiver bemerkbar, kraftvoll und nobel, einerseits charmant, andererseits mit wohliger Struktur und elegantem Tanningerüst ausgestattet.
89/90-?

Blaufränkisch Grande Reserve 2017
14,5 2,2 Rz/5,5 Sre/Alk/Diamkork/18 Euro
Weininfo: 15 Jahre alte Reben, Boden mit Lehm, Humus und Löss, selektive Lese, Ertrag 5000 kg/ha,12 Monate Ausbau im französischen und amerikanischen Eichenfass (300 Liter)
Leuchtendes, gut gedecktes Rubin mit zarter Randaufhellung; im Bukett erdig-würzig, mit Zimt und Waldboden, hinter der archaischen Hülle lauert dunkle Frucht; am Gaumen kräftiger Tannineinsatz bei drahtigem Körper, vom Holz geprägt, vom Gerbstoff geadelt und vorangetrieben, kernig und knackig, aber auch tiefschürfend, Brombeeren, etwas Rumtopffrucht und Beerenpunsch, feinherber und zugleich auch extraktsüßer Nachhall.
91

Blaufränkisch 2017 Franco Blue
Rosalia DAC Reserve
14,2 Alk/1 Rz/4,7 Sre/Diamkork/26 Euro
Weininfo: Alter der Reben 26 Jahre, Boden mit Lehm, Humus und Löss, selektive Handlese, Ertrag 4000 kg/ha, 12 Monate Ausbau im französischen und amerikanischen Eichenfass
Tiefe Farbe, dunkles Rubin mit schwarzem Kern; in der Nase würzig, tief fruchtig und auch toastig, „schwülstiges“ Versprechen; am Gaumen wird dieses auf extraktsüße Weise eingelöst, kann aber auch Spannung mit einer gewissen Restsäure hervorrufen, beachtliche Balance, mit Reife, Frucht und Fülle ausgestattet, je weiter dem Abgang zu, desto strukturierter und auch mit süß ummantelten Tanninen versehen, beachtliche Ressourcen.
91-92

Blaufränkisch 2017 Fat Boy Rosalia
14,5 Alk/1,1 Rz/5,5 Sre/Diamkork/55 Euro
Weininfo: 30 Jahre alte Reben, selektive Handlese, Ertrag 3000 kg/ha, Boden mit Lehm, Humus und Löss, 18 Monate Ausbau im französischen und amerikanischen Eichenfass
Tiefes Rubin mit dunklem Kern; im Bukett süß-röstig-toastig und fruchtig, mit archaisch-erdigen sowie auch würzig-blättrigen und mineralischen Aspekten ausgestattet, kann Sortentypizität mit Zimt und Brombeeraromen einbringen, vom Holz perfekt ergänzt; am Gaumen gestalten feurige Tanne und Restsäure einen furiosen Beginn, wirkt fast noch fordernd, kann mit Extraktsüße und Fülle die Ecken und Kanten etwas ausgleichen, die erdige Würze und ein langer, stets gerbstoffbetonter Abgang runden ein beachtliches Gesamtkonzept ab.
93-?

Private Cuvée 2019
Blaufränkisch – Merlot
14,5 Alk/Diamkork
Gut gedecktes, dunkles Rubin, leuchtend, zarte Randaufhellung; in der Nase noch jugendlich, „Casali“-Assoziationen, Kokosraspel, etwas Rumtopf und Punsch, jugendliches Toasting in „weihnachtlichem“ Gewand; am Gaumen werden die jugendlichen Attribute voll bestätigt, von elegantem, reifem Tannindruck mit eingeleitet, auch fruchtig-würzige und zart reif-schotige Elemente greifen ineinander, gut strukturiert, wohlig wirkt die Wärme, samtiger, lang anhaltender Nachhall, derzeit noch eine Investition in die Zukunft.
90-?

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