Weingut Prager, Weißenkirchen

Verkostung am 19. Juni 2015

Foto: Toni & Ilse Bodenstein

Josef Dienst, Geschäftsführer der ÖWI Handels-GmbH in Korneuburg und privater Weinsammler, hat sich schon 1984 in die Prager-Weine „verliebt“. Er lud zu einer Vertikale von Weinen der Top-Lage Achleiten, eine tolle Serie, bei der von allen Verkostern der Jahrgang 2010 die meisten Lorbeeren erhielt. Knapp danach waren die Jahrgänge 2001 und 2007 angesiedelt, die sich ebenfalls perfekt präsentierten. Der 2013er zeigte wunderschöne Frucht und hat noch einiges an Ressourcen für eine vielversprechende weitere Entwicklung. Leider waren zwei Flaschen (2006 und 2000) nicht in bester Verfassung, die mit Oxidation und Schwefelmangel nicht in die Wertung kamen.

Großes Lob für diese hochwertige Vertikalverkostung – und herzlichen Dank für die Möglichkeit zur Teilnahme!

Und Gratulation an Toni Bodenstein, der als „Terroirist“ die Typizität von Sorte, Lage und Jahrgang so beeindruckend vermitteln konnte.

 

Zur Lage, der Ried Achleiten

(die von der Domäne Wachau folgendermaßen beschrieben wird):

 

Die Achleiten liegt am Ost-Rand von Weißenkirchen und ist mit 18 Hektar Rebfläche eingetragen. Östlich und süd-östlich schließt die Lage Klaus an, im Westen ist sie von den Rieden Hinterkirchen und Weitenberg begrenzt. Sie fällt steil nach Süden ab und dreht sich am Westende etwas in süd-westliche Richtung.

Direkt über der Donau auf rund 220 Meter Seehöhe starten die untersten Terrassen, die höchsten Parzellen liegen bei knapp unter 400 Meter. Die Achleiten befindet sich in der Mitte der Wachau und unterliegt dort dem Einfluss eines kühlen, aber ausbalancierten Klimas. Der Donauknick kurz nach Dürnstein reduziert dabei bereits spürbar den pannonischen Klimaeinfluss. Zudem wirken die von der Donau aufsteigenden kräftigen Winde. Urkundlich erwähnt wurde die Lage erstmals im 9. Jahrhundert, 1314 findet sie sich in Aufzeichnungen als „Echleiten”, als Abhang mit

Eichen wieder.

 

Die Achleiten ist von kristallinem Gestein dominiert, im oberen Teil herrscht insbesondere der helle schiefrige Gföhler Gneis in Verbindung mit Glimmerschiefer vor (oft als Katzensilber bezeichnet). Gföhler Gneis gehört zur Orthogneis-Gruppe, einer metamorphen Gesteinsgruppe, die aus magmatischem Gestein wie Granit entstanden ist. Stattgefunden hat dieser Umwandlungsprozess vor mehreren Hundert Millionen Jahren, als sich unter enormem Druck und extrem hohen Temperaturen die variszischen Gebirge formten. Gföhler Gneis ist streifig, hellgrau und wird dunkler, wenn er lange offen liegt, ist jedoch in seinem Inneren hell. Er ist im Allgemeinen porös und zerbröselt schnell. Das führt dazu, dass sich im Boden zusätzlich Mineralien ansammeln, die der Rebstock in – durch Wasser – aufgelöster Form über seine Faserwurzeln aufnimmt. Im unteren Hangbereich (übergehend in die Riede Klaus) verändert sich das Muttergestein deutlich. Paragneis, ebenfalls ein Umwandlungsgestein, dominiert hier, wobei Paragneis unter geringerem Druck und niedrigeren Temperaturen aus Sedimenten (Tonmergel und Sandstein) entstanden ist. Besonders markant sind zudem die dunklen, oft geschieferten Amphibolitgesteine, die sich als Einsprenksel wiederfinden. Der basenreiche Migmatit-Amphibolit ist ein beständiges Nebengestein des Gföhler Gneises der oberen Achleiten. Migmatit-Amphibolite sind Umwandlungsgesteine mit einer hohen Konzentration an Mineralen der Amphibolgruppe. Ihr häufigster Vertreter ist die Hornblende. Diese sind zahlreich in Form kleinerer Linsen und Lagen ziemlich regelmäßig verteilt, vorwiegend im Paragneis.

Zu guter Letzt und als Beispiel ihrer beispiellosen Heterogenität finden sich im Osten der Achleiten auch Lössauflagen. Generell ist der Oberboden sehr dünn, lediglich 20-30 cm verwitterte Feinerde liegen über dem Stein, was speziell in trockenen Jahren Tröpfchenbewässerung notwendig macht, um eine reibungslose Mineralstoffaufnahme zu gewährleisten.

 

Die Trauben der Achleiten sorgen für sehr mineralische Weine - eine oft als rauchig

wahrgenommene Note, die um Nuancen von Feuerstein erweitert wird. Markant sind die Weine der Achleiten zudem durch ihre in individuelle, elegante, straff-rassige Struktur, die definitiv die Basis für ihre enorme Lagerfähigkeit bildet. Die Achleiten ist vielleicht die charaktervollste Lage der Wachau. Die Ausprägung der Lage zeigt sich deshalb manchmal stärker als die der Rebsorte.


Weingut Prager

Toni und Ilse Bodenstein

3610 Weißenkirchen/Wachau

Wachaustraße 48

Tel. 02715/2248

prager@weissenkirchen.at

weingut@weingutprager.at

www.weingutprager.at

 

Rebfläche: 16,5 ha

60 %  Riesling
40 %  Grüner Veltliner


Riesling Smaragd Achleiten 2014

13 Alk/Naturkork

Relativ helle Farbe; eher neutral im Bukett, fast verhalten; süßsaure Phalanx am Gaumen, neutrale Frucht auch hier, etwas „salzige“ Atmosphäre, nur dezent im Sortencharakter.

86-88

 

Riesling Smaragd Achleiten 2013

13,5 Alk/Naturkork

Intensives Goldgelb; im Bukett Mix aus Frucht (Kern- und Steinobst) und mineralischer Würze, elegantes Terroir-Feeling; am Gaumen saftig und strukturiert, ein charaktervoller Vertreter der Top-Lage.

90-?

Riesling Smaragd Achleiten 2012

13 Alk/Naturkork

Strohgelb mit Gold; eher neutrale Aromatik; am Gaumen reif und ruhig, milde Art, jahrgangstypisch.

87

 

Riesling Smaragd Achleiten 2011

14 Alk/Naturkork

Goldgelber Glanz; im Bukett Mix aus Frucht, Würze und Mineralität; am Gaumen saftig und süßsauer, reif und pikant, weich und cremig, fast üppig, zeigt alles, was perfekte Riesling-Atmosphäre ausmacht.

91-92

 

Riesling Smaragd Achleiten 2010

13,5 Alk/Naturkork

Goldgelber Glanz; verströmt das volle Sortenaroma, Marillenkuchen mit Staubzucker; am Gaumen tolle, süßsaure Pikanz, saftig und tiefgründig, fulminant und finessenreich, echt spannend und groß!

94+

 

Riesling Smaragd Achleiten 2009

13,5 Alk/Naturkork

Intensives Gold; individuelle Patina mit Reifecharakter, neben Thiolen auch milchig-cremige Noten; auch am Gaumen sehr eigenständig, gereift und nachhaltig, Milchkaramell im Nachhall.

88-89

 

Riesling Smaragd Achleiten 2008

13 Alk/Naturkork

Intensives Gold; im Bukett deutliche Zitrusnoten mit Grapefruit und Co; am Gaumen individuell, gereift, Patina und Gerbsäure, kernig und knackig.

87-88

 

Riesling Smaragd Achleiten 2007

13,5 Alk/Naturkork

Reduktive, helle, jugendliche Farbe; im Bukett feine Mineralität vor angenehmem Fruchthintergrund; am Gaumen elegant in der Stilistik, zeitlos in jeder Phase, tolle Kompetenz, ein großer Riesling.

93+

 

Riesling Smaragd Achleiten 2005

13,5 Alk/Naturkork

Intensives Gold; im Bukett Patina vor Mineralität, tolles Terroir-Feeling; am Gaumen süßsauer und stimmig, mit Esprit und Finesse, gereift, doch noch mit viel Leben ausgestattet.

91

 

Riesling Smaragd Achleiten 2004

13 Alk/Naturkork

Goldglanz, intensiver Zitruston mit einem Hauch von Grün; elegante Patina und feine Frucht im Bukett; sehr elegant auch im gesamten Gaumenverlauf.

90

 

Riesling Smaragd Achleiten 2003

13,5 Alk/Naturkork

Glänzendes Gold; deutlich gereift im Geruch; am Gaumen sofort jahrgangstypisch, weich und reif, wohliger Druck, eher wenig sortentypisch („heiß“), Gerbsäure im Nachhall, „Sonnenbrand“-Effekt.

88

 

Riesling Smaragd Achleiten 2002

14 Alk/Naturkork

Glänzendes Gold; zeitlos gereiftes Sortenbukett; spannend am Gaumen, süßsaure Effekte, Würze mit mineralischen Aspekten, elegant, warm und nobel im gesamten Verlauf.

90+

 

Riesling Smaragd Achleiten 2001

13,5 Alk/Naturkork

Gold und Gelb; im Bukett Frucht und Frische, zeitlose Ankündigung; am Gaumen bestätigt sich die Zeitlosigkeit, saftig und finessenreich, perfekt positioniert, mineralische Würze und sortentypische Frucht im Einklang.

93

 

Riesling Smaragd Achleiten 2000

13,5 Alk/Naturkork

Deutliche Patina; gereift und herb am Gaumen, Gerbsäure.

o. B.

 

Riesling Smaragd Achleiten 1999

13 Alk/Naturkork

Goldene Farbe; feine Patina im Bukett und am Gaumen, Würze und Mineralität in hocheleganter Art, etwas Zitrus, Tertiäranklänge, die sich im Verlauf intensivieren.

90

 

Tipp: www.kutscherskostnotizen.at 

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