Alten­betreuung als Franchise

Es gibt immer mehr ältere Menschen, die ganz­tägige Betreuung benötigen. Das Kärntner Franchise-System AIS bearbeitet diesen Markt und sucht noch Partner.

Foto: lisafx - Thinkstock.com

Wenn die Bezeichnung „Quereinsteiger“ auf jemanden zutrifft, dann auf Dalibor Drinic, 40, aus Wilhelmsburg. „Ich komme eigentlich aus der Autobranche“, erzählt der Niederösterreicher. Seit zwei Jahren hat er aber statt mit Motor und Getriebe nun mit pflegebedürftigen älteren Menschen zu tun. Diese berufliche Radikalveränderung ergab sich zufällig, erzählt Drinic: „Eine damalige Kundin war plötzlich mit Pflegebedarf in ihrer Familie konfrontiert .“ Drinic half, entdeckte dabei das neue Franchise-Sys­tem AIS und fand es interessant. Es folgte ein halbes Jahr des gegenseitigen Kennenlernens zwischen Drinic und AIS. Im September 2015 wurde er Österreichs erster AIS-Franchise-Nehmer. Zunächst nur nebenberuflich, bald darauf gemeinsam mit seiner Frau Vesna hauptberuflich. Drinics Schulung dauerte in Summe 14 Tage und war sehr praxisorientiert: „Ich bin viel mit Kollegen zu Kunden mitgefahren, in der Zentrale wurde mir das Abrechnungsprogramm erklärt.“

Betreuerinnen aus Osteuropa

AIS vermittelt osteuropäische Betreuerinnen an Familien, in denen ein älterer Mensch rund um die Uhr Unterstützung benötigt. Die Auswahl und Ausbildung der Betreuerinnen übernimmt die Franchise-Zentrale, die Franchise-Nehmer sorgen für ihre Vermittlung und sind ihr permanenter Ansprechpartner. „Ich mache bei den Kunden eine Anamnese, diese schicke ich an AIS und dort wird eine geeignete Betreuerin ausgewählt“, erklärt Drinic die Vorgangsweise. Diese wohnt dann bei ihrem Klienten, um 24 Stunden verfügbar zu sein. Sie verrichtet haushaltsnahe Dienstleistungen wie ­Kochen, Putzen, Einkaufen und hilft beim Anziehen. Die Verabreichung von Medikamenten oder das Anlegen von Bandagen ist ihr nur auf schriftliche Anordnung eines Arztes gestattet. Im Zwei- oder Vier-Wochen-Rhythmus wechselt sie sich mit einer Kollegin ab.

Drinic oder seine Frau besuchen die Damen einmal pro Woche, meist unangekündigt. Dazwischen wird viel telefoniert. Dementsprechend ist das Auto das wichtigste Arbeitswerkzeug, „für den Rest reicht ein Home Office“. Das bearbeitete Gebiet umfasst die Bezirke St. Pölten, St. Pölten Land und Lilienfeld. Aktuell 17 Klienten hat Drinic unter seiner Führung. Zu neuen Klienten kommt er durch Mundpropaganda oder Empfehlungen von Ärzten. Überregionales Marketing wird von der AIS-Zentrale durchgeführt. Umsatz entsteht durch eine einmalige Vermittlungsgebühr von 400 Euro brutto sowie eine monatliche Betreuungs- und Beratungsgebühr von 100 Euro brutto pro Klient. Hinzu kommen durchschnittlich 300 Euro Provision, die der Franchise-Nehmer monatlich von der Betreuerin erhält. „2017 haben wir ungefähr 120.000 Euro Umsatz vor Gebühren und Steuern gemacht“, sagt Drinic.

Die Klienten kostet die AIS-24- Stunden-Betreuung je nach Aufwand zwischen 2.200 und 3.000 Euro monatlich. Vom Staat gibt es maximal 550 Euro Förderung bei 24-Stunden-Pflegebedarf, hinzu kommt noch Pflegegeld. In der Pflegestufe vier sind das beispielsweise monatlich 677 Euro. „Der Familie bleiben in vielen Fällen rund 1.000 Euro an Kosten, die idealerweise mit der Pension der zu betreuenden Person abgedeckt sind“, erklärt Drinic.
Was er an seinem Job schätzt, ist die menschliche Komponente: „Man bekommt viel Dank zurück.“ 

Im Gebiet wohnen

2008 in Wolfsberg, Kärnten, gegründet, ist AIS seit 2015 ein Franchise-System und zählt gegenwärtig neun Partner. Franchise-Nehmer sollen im von ihnen betreuten Gebiet wohnen und regional verbunden sein. Sie werden im AIS-Trainingscenter ausgebildet und bekommen jeweils Gebietsschutz für ein Gebiet mit 100.000 bis 150.000 Einwohnern. Die Franchise-Zentrale verfügt über einen Pool an Betreuerinnen aus osteuropäischen Ländern wie Rumänien, Ungarn, Kroatien, Bulgarien und der Slowakei. AIS hat in diesen Ländern Partnerfirmen, die die Vorrekrutierung durchführen. Drei Tage vor Beginn der Arbeit kommen die Betreuerinnen in das AIS-Trainingscenter, wo sie auf ihre Tätigkeit  intensiv vorbereitet werden.

GEWINN-Fazit

AIS bearbeitet sehr professionell einen Markt, der rasant wächst. Die Gebühren erscheinen hoch, aber vertretbar, die Unterstützung durch die Franchise-Zentrale umfassend. Für Quereinsteiger mit sozialen Ansprüchen und Lust am Umgang mit Menschen ist das eine interessante Berufsalternative.

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