Fladern erlaubt

Mit Fladen und Bier setzt das kleine Wiener System Fladerei auf eine unkomplizierte Gastro mit geringem Wareneinsatz.

Çaǧatay Soytürk in der Schauküche seiner Fladerei im Vierten Wiener Bezirk. Vom Chef bis zum Kellner backen alle Fladen. (Foto: Michael Hetzmannseder)

Im Jahr 2011 ist der Maschinenbauingenieur Çagatay Soytürk nach Österreich gekommen und wollte an der Technischen Uni Wien sein Studium beenden. Doch der Student benötigte Geld und jobbte nebenbei in einem Fladenlokal. Damals noch im „Kolar“, aus dem sich 2015 die Fladerei abspaltete und als Franchise-System aufstellte.

Soytürk, der vom Fladenbacken fasziniert war und sein Studium auf Eis legte, bekam zu dieser Zeit das Angebot, eine bestehende Filiale in Wien-Wieden in Franchise zu übernehmen. Somit blieben ihm teure Investitionen in Einrichtung mehr oder weniger „erspart“. Er konnte sich also gleich ins Wirt-Sein stürzen. „Mein eigener Chef zu sein ist gut“, formuliert es der 33-Jährige knapp und mit einem Lächeln. Dass er gemeinsam mit seinem zehnköpfigen Teilzeitteam selbst von früh bis spät in der Filiale steht, zusätzlich noch den Einkauf erledigt, stört ihn gar nicht. „Ein chilliger Job“, entgegnet er beim GEWINN-Interview am Nachmittag, nachdem das Mittagsgeschäft abgeflaut ist. Chillig ist auch das Konzept: Fladen und Bier in holzvertäfelter Atmosphäre. Im Lokal steht ein Pizzaofen, vor dem in einer Schauküche die Fladenbrote zubereitet werden.

Sieben Minuten für eine Flade

„Mein Lokal zieht vorwiegend junge Leute an“, erklärt Soytürk. Das liegt nicht nur am speziell für die Fladerei gebrauten Bier aus Deutschland (Pils, Zwickl und Dunkles), sondern am Preis. Um rund fünf Euro bekommt man schon eine große Flade mit mehreren Zutaten. Und die macht definitiv satt. Zu Mittag kommen auch Kunden aus den umliegenden Büros. „Eine Flade ist in sieben Minuten fertig“, sagt Soytürk. Ideal für Takeaway.

Für die Tagesfladen greift Soytürk schon mal zu Pulled-Beef & Co. Ansonsten bleibt ihm kein Spielraum, das ist Vorgabe des Franchise-Gebers. Nicht einmal ein Salat findet sich auf der Fladerei-Speisekarte. Genau dieses enge Korsett ist aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht von Vorteil.

Niedriger Wareneinsatz

„Die Fladerei ist wohl eines der wenigen Restaurants, wo man am Essen mehr verdient als an Getränken“, bringt es Erol Karabece, Geschäftsführer der Fladerei GmbH und damit Franchise-Geber, auf den Punkt. Zwischen 20 und 24 Prozent liegt der Wareneinsatz bei den Fladen, natürlich abhängig von den Zutaten. Bei Prosciutto-Specials ist das freilich nicht zu halten. Dazu kommt, dass die Fladen einfach in der Zubereitung sind. Zwar gibt es einen Koch, aber notfalls kann jeder Angestellte selbst Hand anlegen. Und anders als typische Wirtshäuser kommt die Fladerei ohne separate Küche aus. Das drückt die Startinvestitionen.

Mit gut 200.000 veranschlagt Karabece die Kosten für den Fladenofen und das Interieur. Vorgegeben ist der Einrichtungsstil mit Holz und Ziegeln an der Wand sowie einem Holzboden.

Seit 1993 ist Karabece im „Fladengeschäft“ und hat seit der Verfranchisung drei Filialen als solche vergeben. Eine führt er selbst. Und er sucht weiter nach neuen Franchise-Partnern. „Wir geben keine fixen Standorte vor. Auch Lokale außerhalb von Wien sind möglich“, erzählt er. Potenzielle Partner können mit einem Personalbedarf von drei Vollzeitkräften rechnen. In der Praxis sind das meist Studenten in Teilzeit. So wie Soytürk begonnen hat.

GEWINN-Fazit

Mit geringem Wareneinsatz und leicht zuzubereitenden Fladen eignet sich das System auch für Gastro-Neulinge. Sie kommen ebenso in den Genuss eines fast konkurrenzlosen Marktes. Allerdings sind Kebap- und Pizzastandln im Rennen um den studentischen Mittagssnack dabei. Mit Franchise-Geber Erol Karabece hat man einen Mann mit 30 Jahren Gastro-Erfahrung in Wien (unter anderem Dino’s American Bar) als Ansprechpartner.

Fakten Fladerei

Franchise-Geber: Fladerei GmbH, Erol Karabece, Börsegasse 10/3, 1010 Wien, franchise@fladerei.com, +43 699 140713015, www.fladerei.com

Gesucht: Franchise-Partner in ganz Österreich und Deutschland (Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen)

Einstiegsgebühr: 12.000 Euro

Monatliche Franchise-Gebühr: ­sieben Prozent vom Netto-Umsatz

Vertragsdauer: fünf Jahre

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