Münzwäscherei im Nebenjob

Der SB-Waschsalon Bloomest ist nun auch in Österreich angekommen. Ohne laufende Gebühren und Personalkosten fungiert das System als Low-Budget-Franchising im Nebenjob.

Bloomest-Franchise-Nehmer Hugo Leypold in seinem Waschsalon in Villach (Foto: FERDINAND NEUMUELLER)

Sein Wirtshaus „Egidiwirt“ in Murau hat Hugo Leypold dem Sohn übergeben, dann konnte er endlich umsetzen, was er in Italien entdeckt hatte: Einen SB-Waschsalon, wie er im Süden üblich ist, in Villach eröffnen. „Zwar haben bei uns die meisten Menschen Waschmaschinen zu Hause, doch die Zahl der Singlewohnungen steigt“, so Leypold über seine Überlegungen. Hinzu kommen die Camper rund um den Wörther- und Ossiacher See, die den nächsten Stadtbummel mit einer Fuhre Schmutzwäsche kombinieren.

Geprägt von den Entdeckungen in Italien, entschied sich Leypold, seinen Plan als Franchise-Nehmer des italienischen Systems „Lavapiù“ (auf Deutsch frei übersetzt: „Mehr als Waschen“), später in Bloomest umbenannt, umzusetzen. 2017 eröffnete er seine ers­te Filiale im Zentrum von Villach. „Zuerst waren die Leute skeptisch, dann sind sie schauen gekommen, haben es probiert und bald war am Wochenende sogar eine Schlange vor meiner Wäscherei“, so Leypold, der mit den Argumenten wirbt: „Hausfrauen bekommen in rund einer Stunde die Wäsche der ganzen Familie gewaschen und getrocknet. Dazwischen können sie einkaufen gehen.“ In Geschäften aufgelegte Prospekte halfen ihm beim Kundengewinnen. Ebenso Werbung auf Google, denn Camper und Urlauber suchen online nach Waschsalons.

70.000 Euro Investitionskosten

60 Quadratmeter misst Leypolds „Münzwäscherei“ in Villach und umfasst vier Waschmaschinen sowie vier Trockner. Sie ist von sechs bis 23 Uhr geöffnet. Investiert hat er rund 50.000 Euro für die Gerätschaften und ein wenig Inneneinrichtung mit Sitzmöglichkeit sowie ein Bezahlsystem. Hinzu kamen etwa 20.000 Euro für den Umbau.

Bloomest-Franchise-Nehmer können die Preise für Waschen und Trocknen selbst gestalten, es wird aber zwischen drei (kleine Wäsche) und neun Euro (große Wäsche samt Trocknen) empfohlen. Im Schnitt gibt ein Kunde acht Euro aus. Leypold ist mit seinem Laden mit rund 400 Kunden pro Monat über der Rentabilitätsschwelle. Die Hälfte seiner Kunden sind mittlerweile Stammkunden aus der Umgebung, die andere Hälfte entfällt auf Touristen.

Nach dem Sommer eröffnet Leypold einen zweiten Standort in Klagenfurt, wo er auch einen Teilzeitmitarbeiter einstellen wird. Während der Öffnungszeiten muss man telefonisch erreichbar sein und nur notfalls persönlich vor Ort sein können.

Keine Franchise-Gebühr

Außergewöhnlich an Bloomest ist die Tatsache, dass Franchise-Nehmer keine laufenden Gebühren an den Franchise-Geber abführen müssen. Es besteht lediglich die Verpflichtung, Maschinen, Trockner und Waschmittel von Miele zu beziehen. „In Italien hat man die Erfahrung gemacht, dass bei einer Gebühr die Franchise-Nehmer nach ein paar Jahren abspringen und ihr eigenes Ding machen. Denn so kompliziert ist das Business ja nicht“, sagt Gerhard Mahr, Miele-Regionalmanager für Zentral-, Süd- und Osteuropa. Miele sieht Bloomest als Mittel zum Zweck, mehr Maschinen zu verkaufen.

Von Italien nach Spanien nach Österreich

Gegründet 2009 in Perugia zog die Waschsalonkette Lavapiù mit rund
800 Dependancen bald den Haushaltsgerätehersteller Miele als Investor an. Dieser setzte zur Internationalisierung an und beschloss nach der ersten Expansionswelle nach Spanien, die Marke in eine international verständliche „Bloomest“ umzufärbeln.

In Österreich gibt es mit Hugo Leypold zwei Franchise-Nehmer und bald drei Filialen. Da ist natürlich noch Platz für mehr. „Aber nicht unbedingt in Wien, sondern in 20.000-Einwohner-Städten“, so Mahr und er verweist auf Erfahrungen in Spanien und Italien. 

GEWINN-Fazit

Waschsalons fristen in Österreich ein Nischendasein. Für den Erfolg ist – wie Franchise-Nehmer Leypold berichtet – die Nutzung durch Touristen ausschlaggebend. Zu bedenken gilt es auch, dass viele Wohnbauten  in Städten mit  Waschküchen ausgestattet sind.

Gleichzeitig gibt es mit dem Franchise-System Green Clean mit 15 Standorten einen weiteren Player auf diesem Markt (siehe GEWINN Oktober 2018 ab Seite 108).

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