Geldtöpfe fürs Studium

Viele Förderungen und Stipendien finanzieren das Studium. Manche sind bekannt, andere weniger. Fündig wird der geduldige Sucher – ein GEWINN-Streifzug durch die Stipendienlandschaft.

(Foto: calvste - GettyImages.com)

Ein Posting in der internen Facebook-Gruppe weckte ihre Neugier. „Ich wusste gar nicht, dass es das gibt“, erzählt Pauline Kinzel: „Erst als ein Studienkollege via Facebook fragte, wie man ein Leistungsstipendium beantragen kann, habe ich davon erfahren. Daraufhin habe ich gleich zum Recherchieren begonnen.“ Die 23-jährige Wienerin studiert Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Universität Wien. Für die Antragstellung brauchte es nur wenige Klicks im hochschulinternen Portal. „Vorher habe ich mir noch meinen Notendurchschnitt ausgerechnet, um herauszufinden, wie meine Chancen stehen“, so Kinzel. Vier Wochen später erhielt sie den positiven Bescheid. Der Notendurchschnitt von 1,39 hat sich wortwörtlich bezahlt gemacht. „Ich habe einmalig 750 Euro erhalten. Das war sehr angenehm, da ich zu dem Zeitpunkt weniger gearbeitet habe. Obendrein hat es mich persönlich bestätigt“, erzählt Kinzel, die das Stipendium als Ansporn sah, um auch weiterhin zügig und mit guten Noten zu studieren.

„Viele wissen leider gar nicht, dass es das Stipendium gibt. Schließlich muss man selbst herausfinden, in welchem Zeitraum man beantragen kann, und die Frist ist sehr kurz. Einige ­denken auch, das Stipendium hängt mit großem Verwaltungsaufwand zusammen, dabei ist es so einfach“, sagt Kinzel.

Wie finanziere ich mein Studium?

Über diese Frage wird jeder Student früher oder später stolpern. Trotzdem schwimmen viele im Unwissen, wenn es darum geht, Stipendien und Förderungen zu beantragen. Die Ergebnisse der Studierenden-Sozialerhebung 2015 (einer Umfrage unter Studierenden in Österreich) zeigen, dass die Mehrheit der Studierenden die konventionelle Studienbeihilfe und das Selbsterhalterstipendium kennen. Über Stipendien der Hochschule wie Leistungs- und Förderstipendien ist immerhin noch die Hälfte der Studierenden informiert. Auslandsstudienbeihilfe, Kinderbetreuungskostenzuschuss und das Studienabschlussstipendium sind hingegen den meisten Studierenden unbekannt.

„Grundsätzlich ist es so, dass je älter die Studierenden sind, desto weniger vermuten sie, staatliche Studienförderungen zu erhalten. Es herrscht das Vorurteil, 18 Jahre alt sein und direkt aus der Schule kommen zu müssen. Aber das stimmt gar nicht“, weiß Martin Unger, Forscher am Institut für Höhere Studien (IHS). Laut Studierenden-Sozialerhebung 2015 haben 46 Prozent aller Bildungsinländer nie eine Studienförderung beantragt. „Manche kommen gar nicht auf die Idee, nach Stipendien zu suchen, andere glauben aufgrund von Stipendienrechnern im Internet, dass sie nicht förderwürdig sind. Es ist schwierig, in diese Rechner die korrekten Werte einzufüttern, da viele nicht exakt wissen, was die Eltern verdienen“, sagt Unger und rät, im Zweifelsfall immer einen Antrag zu stellen: „Selbst wenn man nicht förderwürdig ist, sehen Studierende, wie viel Unterhaltszahlungen sie von ihren Eltern bekommen sollten, und alleine das kann eine gute Argumentationshilfe am Küchentisch sein.“

Blühende Stipendien-Landschaft

Österreich hat eine blühende Stipendien-Landschaft. Neben Förderungen von einzelnen Hochschulen gibt es etwa Geld von Bundesländern, privaten Fördergebern und vom Staat. Der Bund stellte 2018 in Summe über 265 Millionen Euro für Studienförderung zur Verfügung. Darin enthalten sind Mittel für

 

  • Studienbeihilfen,
  • Auslandsbeihilfen
  • Mobilitätsstipendien,
  • Leistungsförderung,
  • Studienabschlussstipendien,
  • Fahrtkostenzuschüsse sowie
  • Studienunterstützungen.

Um sich über Stipendien zu informieren, empfiehlt sich ein Blick auf die Website der Studienbeihilfenbehörde www.stipendium.at. Dort finden Studierende eine Übersicht über staatliche Förderungen. Zu den Kernleistungen zählen Studienbeihilfe, Studienabschlussstipendium, Auslandsbeihilfe sowie Mobilitätsstipendium. Darüber hinaus unterstützt der Staat Studierende mit diversen Zuschüssen, die vom Reisekostenzuschuss bis zum Kinderbetreuungskostenzuschuss reichen. Die Förderungen können online, postalisch oder persönlich in einer der sechs Stipendiendienststellen beantragt werden.

Mit Ausnahme von Mobilitätsstipendium und Beihilfen für Auslandsstudien muss das Studium für eine Förderung nach dem Studienförderungsgesetz an einer öffentlichen oder staatlich anerkannten privaten Bildungseinrichtung in Österreich betrieben werden. Der Bewerbungsaufwand hält sich dabei in Maßen: „Da die meisten Daten direkt von der Studienbeihilfenbehörde ermittelt werden, ist der Aufwand für den Antrag bei einem üblichen Fall nicht sehr hoch – durchschnittlich etwa rund 20 bis 30 Minuten für das Ausfüllen. Das gilt für den Erstantrag, die jedes Jahr zu stellenden Folgenanträge werden bei einem kontinuierlichen Studienverlauf direkt vom EDV-System der Studienbeihilfenbehörde übernommen“, heißt es seitens des Wissenschaftsminis­teriums.

Geld von Universitäten und Fachhochschulen

Zur Anerkennung hervorragender Studienleistungen werden von Universitäten und Fachhochschulen einmal jährlich (im Wintersemester) Leistungsstipendien ausgeschrieben und vergeben. Der Gesetzgeber gibt einen Notendurchschnitt nicht schlechter als 2,0 vor; in den jeweiligen Ausschreibungen können die Anforderungen auch anspruchsvoller gestaltet werden. 750 bis 1.500 Euro werden pro Leistungsstipendium vergeben. Die Vergabe erfolgt nach den vorhandenen vom Ministerium zugewiesenen Budgetmitteln. 2018 standen den Universitäten und Fachhochschulen in Summe 13 Millionen Euro zur Verfügung.

Universitäten und Fachhochschulen vergeben darüber hinaus auch Förderungsstipendien (werden einmal jährlich ausgeschrieben) für das Erstellen von wissenschaftlichen Arbeiten wie etwa Master- und Dip­lomarbeiten oder Dissertationen. Unterstützt werden Stipendiaten mit 750 bis 3.600 Euro. Gedeckt werden Reisekosten, Teilnahmegebühren an wissenschaftlichen Veranstaltungen oder Kosten für aufwendige wissenschaftliche Untersuchungen.

Unterstützung im Inland

Am bekanntesten unter Studierenden ist die staatliche Studienbeihilfe. „Diese hängt von Bedürftigkeit ab und wird hauptsächlich am Einkommen der Eltern gemessen“, weiß IHS-Forscher Martin Unger. Es gilt: Je höher das Einkommen, desto geringer die Studienbeihilfe. Fällt der errechnete Betrag unter 60 Euro jährlich, wird er nicht mehr ausbezahlt. 2018 betrug die durchschnittliche Studienbeihilfe 6.300 Euro jährlich.

„Eine Sonderform der Studienbeihilfe ist das Selbsterhalterstipendium. Studierende müssen nachweisen, dass sie sich schon vier Jahre selbst erhalten haben. Daher fällt die Bedürftigkeitsüberprüfung über das elterliche Einkommen weg. Allerdings gibt es eine Zuverdienstgrenze“, so Unger. Selbsterhalter-Stipendiaten werden mit maximal 10.092 Euro jährlich unterstützt.

Neben Studienbeihilfe und Selbsterhalterstipendium zählt noch das Studienabschlussstipendium zu den „großen Drei“. Dieses richtet sich an Studierende, die planen, ihr Studium binnen 18 Monaten abzuschließen. Die Höhe des Studienabschlussstipendiums beträgt 700 bis 1.040 Euro monatlich, abhängig vom bisherigen Einkommen.

Unterstützung im Ausland

Von Fernweh geplagten Studenten greift der Staat mit Auslandsbeihilfe und Mobilitätsstipendium unter die Arme. Erstere dient dazu, einen Aufenthalt bis zu vier Semestern zu unterstützen, je nach Studienland mit 146 bis 582 Euro monatlich. Zweiteres förderte 2018 ein ganzes Studium in der Ferne mit durchschnittlich 5.590 Euro pro Jahr.

Auch der Österreichische Austauschdienst, kurz OeAD, fördert Auslandsaufenthalte von Studierenden. „Die größte Anzahl an Studierenden geht mit dem EU-Bildungsprogramm Erasmus+ ins Ausland“, weiß OeAD-Geschäftsführer Jakob Calice. Das Programm fördert Studienaufenthalte von drei bis zwölf Monaten pro Studienzyklus, sprich: Bachelor, Master und PhD. Stipendiaten sind an der Gasthochschule von Studiengebühren befreit. „Das ist vor allem für Länder wie Großbritannien oder Niederlande interessant, weil dort die Studienbeiträge sehr hoch sind“, weiß Calice. Erasmus+ kann übrigens zusätzlich zur Auslandsbeihilfe bezogen werden. Beliebte Zielländer sind Deutschland vor Spanien und Großbritannien.

Private Stipendien

Wirft man einen Blick auf www.grants.at, Österreichs größte Datenbank für Stipendien und Forschungsförderung, findet man über 1.000 Förderungen für Personen aus Österreich und mehr als 800 Förderungen für Personen aus dem Ausland. Die vom OeAD betriebene Datenbank richtet sich an Studierende, Graduierende und Forscher. Eine Filtermöglichkeit nach Zielland oder Fachdisziplin erleichtert die Suche. Besonders Stipendien von privaten Fördergebern sind zahlreich gelistet. „Die Datenbank ist sehr umfangreich. Zum Beispiel findet man spezielle internationale Förderstipendien à la Fulbright (www.fulbright.at). Oft ist bei den vielen privaten Stipendien aber nicht viel Geld zu holen und die Anforderungen sind sehr spezifisch wie zum Beispiel: man muss in einem bestimmten Kärntner Bezirk wohnen“, weiß Unger vom IHS. Nur 0,5 Prozent der Studierenden bezogen 2015 eine Förderung durch ein privates Unternehmen.

Angesichts des florierenden Angebots drängt sich die Frage auf, ob es überhaupt ein Profil gibt, auf das kein Stipendium passt. „Ja“, meint Unger: „Ist man älter als 35, ist nicht mehr wirklich was zu holen. Und bedauerlicherweise haben Drittstaatenangehörige so gut wie gar keinen Zugang zu Stipendien. Schwer haben es auch Kinder, bei denen sich ein Elternteil weigert, Unterhalt zu zahlen. Schließlich überprüft die Beihilfenbehörde das Einkommen der Eltern und benötigt hierfür ihre Zustimmung. Willigen Eltern der Einkommensüberprüfung nicht zu, bleibt nur ein Weg – sie verklagen, und davor schrecken viele zurück“, fasst Unger die Schwierigkeiten zusammen.

Tauchen an Universität oder Fachhochschule Prob­leme auf, kann man sich an den Hochschulombudsmann (www.hochschulombudsmann.at) wenden. Dieser steht mit Rat und Tat zur Seite – das betrifft übrigens nicht nur Stipendiaten, sondern Studierende allgemein.

Links:

www.stipendium.at
www.grants.at
www.fulbright.at
www.hochschulombudsmann.at
www.oead.at
www.erasmusplus.at

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