„Wir sprechen von 180 Milliarden US­-Dollar und 20 Prozent Wachstum jährlich“

Zwei junge Österreicher wollen mit ihrem Frankfurter Unternehmen Cloud-Dienstleistungen standardisieren und an Börsen handelbar ­machen. TOP-GEWINN hat sie und zwei Mitglieder ihres Advisory ­Boards zum Interview getroffen.

(Foto: Pepo Schuster, austrofocus.at)

Der Wiener Karl-Michael Molzer und der Mühlviertler Johannes Watzl haben sich bei einem Österreicher-Stammtisch in Frankfurt kennengelernt, heute sind sie gemeinsam mit dem Amerikaner Shawn Findlan Co-Founder von CCEX (Cloud Commodities Exchange, 2017 gegründet, derzeit sechs Mitarbeiter). CCEX kann schon auf ein beachtliches Netzwerk zurückgreifen, nicht zuletzt, weil es neben dem sechsköpfigen Team auch ein internationales Advisory Board hat. Auch Österreich ist mit dem ehemaligen Asset Manager und jetzigem Lehrer Alfred Reisenberger sowie Hans Zavesky (Aufsichtsratsvorsitzender Schrack) im Advisory Board vertreten.

GEWINN: Was macht Cloud Commodities Exchange?
Molzer: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, einen neuen Rohstoff an die globale Börse zu bringen. Dieser Rohstoff heißt „Cloud-Commodity“. Ähnlich wie man heute an Börsen Öl, Kupfer oder Stahl kaufen kann, kann man in Zukunft auch gewisse Ressourcen im Cloud-Bereich kaufen. Das wären zum Beispiel Object Storage, High Performance Computing und diverse andere Produkte.

GEWINN: Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?
Molzer: Wir haben schon ein großes Stakeholder-Netzwerk aufgebaut, das wir brauchen, um globale Standards zu definieren. Diese Benchmarks gehören dann uns und werden an Börsen auslizenziert, wie zum Beispiel an die Börse in Singapur oder an die deutsche Börse. Dann gibt es ein Revenue-Share-Modell, bei dem pro abgeschlossenem Handel sowohl die Börse als auch wir ein paar Prozentpunkte bekommen. Das ist sehr lukrativ. Darüber hinaus können wir Indizes kreieren, die dann an Partner im Bereich Financial Services auslizenziert werden.

GEWINN: Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Cloud-Services. Wie kann man die standardisieren?
Watzl: Alles kann man ganz sicher nicht standardisieren, das ist auch gar nicht unsere Absicht. Es gibt Services, die eignen sich besser dazu und andere auch gar nicht. Jetzt am Anfang konzentrieren wir uns auf jene Services, die leicht zu standardisieren sind, und gehen dann immer weiter in Richtung komplexere Services. Generell geht es ja nicht nur rein um Cloud-Leis­tungen, wie man sie von den großen Anbietern kennt, sondern es geht um IT-Ressourcen. Wenn man sich die Definition von Cloud ansieht, ist ja jede IT-Ressource als Cloud bezeichenbar.

GEWINN: Noch verdienen Sie kein Geld, sind im Aufbau. Was sind die nächsten ­Schritte?
Molzer: Wir standardisieren die Services und schließen OTC-Trades (außerbörslicher Handel, Anm. d. Red.) ab, bei denen wir als Intermediäre agieren. Das dient dazu, Liquidität zu schaffen. Wenn etwa ein deutsches Unternehmen eine gewisse Menge an Object Storage braucht, listen wir auf unserer Plattform nationale und internationale Anbieter auf. Wenn die Liquidität dann hoch genug ist, werden diese Benchmarks, also die Standards, an die Börsen auslizenziert.

GEWINN: Wer bietet dann die Ressourcen an? Sind das Partner von CCEX?
Molzer: Es steht jedem frei nachzufragen und jedem frei anzubieten. Dadurch, dass viele verschiedene Anbieter mit unterschiedlichen Kapazitäten auf dem Markt sind, entwickelt sich eine dynamische Preisentwicklung.

Watzl: Der Kunde profitiert aber nicht nur vom Produkt, das standardisiert ist. Wenn man jetzt Cloud-Leistungen einkauft, gibt es eine Ausschreibung und es dauert sechs bis 18 Monate, bis man zu einem Abschluss kommt. Wir wollen auch einen großen Teil von diesem Vertragswerk standardisieren, damit die Konditionen nachvollziehbar und nicht nur im Einzelfall gültig sind. Das spart den Kunden natürlich auch Zeit und Geld.

GEWINN: Kauft man die Cloud-Ressourcen dann auf Zeit?
Watzl: Die meisten Produkte sind in irgendeiner Form zeitabhängig. Es wird aber in Zukunft auch andere Modelle geben. Man kann dann zum Beispiel eine gewisse Anzahl an Transaktionen für etwas kaufen. Wir denken da auch über Künstliche Intelligenz und ­Blockchain nach, bei denen solche Modelle zielführend sind. Damit beschäftigen wir uns zwar, das wird aber erst in der Zukunft kommen.

GEWINN: Sie haben auch ein Advisory ­Board mit internationalen Experten. Was genau macht das Advisory Board?
Reisenberger: Ich sehe mich als Türöffner, CCEX greift auf meine Kontakte zu. Viele meiner Bekannten und ehemaligen Kunden sind immer auf der Suche nach neuen Ideen. Eine Tür öffnet dann auch meistens viele weitere.
Zavesky:
Bei mir ist es ähnlich. Ich finde die Idee spannend und kann mich inhaltlich einbringen, da ich durch meine diversen Tätigkeiten im Technologiebereich viele verschiedene Lösungen kenne und eine gewisse thematische Affinität habe.

GEWINN: Momentan ist der Cloud-Markt vor allem in den Händen von ein paar großen Playern. Die haben wahrscheinlich nicht viel Interesse an standardisierten Services, weil sie dadurch Marktanteile einbüßen könnten.
Molzer: Wir hatten schon Gespräche mit den ganz Großen, also den Top drei, das sind Amazon, Microsoft und Google. Die haben uns auch offen gesagt, dass unser Thema längst überfällig ist. Sie leben aber momentan noch gut von der vorhandenen Intransparenz. Deshalb fördern sie unser Projekt noch nicht, haben aber bereits zugesagt, dass sie an Bord sind, sobald wir an der Börse sind. Die kleineren Anbieter freuen sich logischerweise alle über CCEX, weil sie so wieder ein größeres Stück vom Kuchen bekommen.

GEWINN: Wie ist eigentlich die Idee entstanden, Cloud-Services zu standardisieren und daraus ein Geschäftsmodell zu machen?
Watzl: Ich habe mich schon während meines Studiums der technischen Mathematik in Linz sehr viel auf Computerwissenschaft konzent­riert. Für meine Doktorarbeit in München habe ich dann ein Thema gebraucht und bin dann auf das damals ganz neue Thema Cloud-Computing gestoßen. Manche haben gesagt, dass das ein kurzfristiger Hype sei, aber ich habe Cloud schon damals als Rohstoff gesehen. In meiner Doktorarbeit habe ich dann also eine Cloud-Börse entwickelt, die Basis von CCEX.

GEWINN: Es gab ein ähnliches Projekt der Deutschen Börse, bei dem Sie auch an Bord waren.
Watzl: Genau, die Deutsche Börse Cloud Exchange. Das hat 2012 begonnen, ist aber gescheitert. Es gab verschiedene Probleme, die mit der Konstellation dieses Projektes nicht lösbar waren, daher bin ich dann ausgeschieden. Ich habe in dieser Zeit aber viel gelernt und konnte meine Erfahrungen bei der Gründung von CCEX einbringen.

GEWINN: Wie groß ist denn der weltweite Cloud-Markt?
Molzer: Da sprechen wir von ungefähr 180 Milliarden US-Dollar mit einem jährlichen Wachstum von 20 Prozent. Cloud umfasst quasi alle Themen der Zukunft: Künstliche Intelligenz, Autonomes Fahren, Blockchain, Big Data und vieles mehr. Wir sprechen hier also potenziell von der größten Asset-Klasse der Welt.

GEWINN: Wie sieht es mit Mitbewerbern aus?
Molzer: Wir sprechen natürlich mit allen relevanten Playern auf dem globalen Markt. Dadurch wissen wir, dass es momentan kein vergleichbares Projekt gibt. Wir wissen aber auch, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Unternehmen Cloud nicht verstanden haben. Lange werden wir nicht mehr die Einzigen sein. Deshalb beginnen wir mit unseren Partnern jetzt, relevante Standards zu etablieren. Wenn die dann von den IT-Unternehmen angenommen werden, haben wir gewonnen. Momentan sieht es gut für uns aus.

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