3D-Navi statt Schmierzettel

Mit den weltweit ersten digitalen 3D-Unterwasser­karten revolutioniert das Salzburger Start-up Ocean Maps die Navi­gation für Taucher. Und dockt mit der Technologie auch bei der Energiewirtschaft an.

Das ist kein Foto, sondern das Ergebnis der Unterwasservermessung mittels Sonar. Angereichert wird das 3D-Modell mit Geländedaten (Foto: Ocean Maps GmbH)

Obwohl Thomas Nemetz bereits von Kind auf begeisterter Wassersportler ist, entdeckte er seine Leidenschaft für das Tauchen erst als Maschinenbaustudent in den USA, wo er sich für den Universitätskurs „Scuba Diving“ einschrieb. Über die vor den Tauchgängen stattfindenden Briefings konnte sich Nemetz aber nur wundern. Diese wurden ganz salopp auf eine Papierserviette gekritzelt. „Wenn das Briefing im Tauchsport so wichtig ist, muss das besser gehen. Letztendlich geht es um Leben und Tod“, dachte er sich. Wieder in Österreich war Nemetz als Software-Entwickler tätig, bevor er im August 2015 mit seinem Salzburger Start-up Ocean Maps den Schritt in die Selbständigkeit wagte.

„Unterwasserkarten sind schwierig zu erstellen, weil heutzutage alles über GPS funktioniert. Und das endet einen Zentimeter unter der Wasseroberfläche“, so der Gründer. Daher setzt ­Ocean Maps ein Multibeam-Sonargerät zur Vermessung ein. Damit werden nicht nur Tiefe und die gesamte Geländestruktur der Unterwasserlandschaft erfasst, sondern auch Daten über die Bodenbeschaffenheit aufgezeichnet, etwa ob es sich dabei um Fels oder Sand handelt. Zum Einsatzort fährt Nemetz mit dem Boot, an dem das Sonargerät montiert ist. Der Vermessungsvorgang beträgt lediglich eine Stunde pro Tauchplatz von bis zu 1.000 mal 500 Meter. Die maximale Vermessungstiefe für das Sonar beträgt 200 Meter. Anschließend überprüfen Nemetz und sein achtköpfiges Team die gewonnenen Informationen nach Objekten wie Wracks, um sie händisch als saubere 3D-Modelle aufzubereiten. 

Bis dato ist eine Million Euro in die Entwicklung dieses Verfahrens geflossen. Davon 100.000 Euro für das Sonar sowie 900.000 Euro für die Software. Finanziert wurde über private Investoren und Förderungen.

Von der Südsee bis zum Attersee

Ocean Maps hat mit seiner Technologie bereits über 500 Tauchplätze, unter anderem in Indonesien, Palau und im heimischen Attersee kartiert. Die leicht verständlichen 3D-Unterwasserkarten können als App oder im Browser verwendet werden, um sich vor dem Tauchgang über Bodenbeschaffenheit, Tiefe sowie Route zu informieren. Herkömmliche 2D-Tauchkarten, die zur Navigation unter Wasser dienen, bietet Ocean Maps als Ergänzung zu den 3D-Modellen an. Noch ist die Unter-Wasser-Nutzung der 3D-Karten, samt Routenberechnung à la Google Maps, Zukunftsmusik. Mittels Tauchcomputer, die unter Wasser Auskunft über Tiefe und Tauchzeit geben, könnte diese Vision künftig verwirklicht werden.

Ocean Maps lizenziert die Karten ausschließlich für Business-Kunden. Zu ihnen zählen namhafte Tauchschulen wie Stuart Cove’s und Palau Dive, aber auch Behörden wie die jordanische Regierung, die 3D-Unterwasserkarten für die Forcierung des Tauchtourismus verwendet. Pro Tauchspot kostet die Lizenz 200 Euro im Quartal. Großes Potenzial misst Nemetz einem weiteren Geschäftsfeld – der Energiewirtschaft – bei. Hier nutzt das Start-up seine Technologie, um die Volumina von Speicherseen zu visualisieren. „Wir haben bereits drei Aufträge von österreichischen Energieunternehmen erhalten“, so Nemetz, der für das heurige Jahr eine halbe Million Euro Umsatz pro­-gnostiziert.

Mit der entwickelten Technologie  sind noch weitaus mehr Use-Cases möglich, etwa die Einbindung in Virtual-Reality-Brillen.

Auch wenn sich Ocean Maps nicht direkt an den Endkunden wendet, so können Unterwasserfans mit der Preview der App einen virtuellen Tauchgang durch die atemberaubenden Blue Holes in Palau unternehmen und das korallenübersäte Vandenberg-Wrack in Florida erkunden. Oder die Schlierwand am Attersee „betauchen“.

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.