Magnet statt Klick

Das Tiroler Unternehmen „Magped“ spickt eine alte Idee mit neuer Technologie. Flexibel gelagerte Magnete verbinden Schuh mit Pedal und trennen sie in kritischen Situationen.

Fotos: magped ltd.

„Wir erhalten laufend Mails mit Geschichten über vermiedene Stürze. Wir haben allein letztes Jahr 1.000 Unfälle verhindert“, sagt Harald Himmler, Geschäftsführer des Tiroler Unternehmens Magped und damit Erfinder der magnetischen Alternative zu herkömmlichen Klickpedalen.

Auf seinen „Magnetic Safety Bike Pedals“ sitzt pro Seite je ein Hochleis­tungs-Neodym-Magnet, der auf einem Kunststoff flexibel gelagert ist. Statt Klickmechanismus ist der Biker über eine Metallplatte am Schuh damit verbunden. „Sobald der Fahrer eine Bewegung macht, die über die normale Tretbewegung hinausgeht, löst der Mechanismus im richtigen Moment den Schuh vom Pedal“, erklärt Himmler.

Flexibel gelagerte Magnete

Die Idee, Schuh mit Pedal via Magnet zu verbinden, ist ja nicht neu. Aber bisherige Systeme seien immer daran gescheitert, dass der Magnet nicht flexibel gelagert war und somit zu wenig Halt geboten hat. Himmler gründete nach  zehn Jahren Tüfteln mit seinem Kompagnon Paul Wessiack 2018 die „Magped GmbH“ mit Sitz in Aldrans bei Innsbruck, größtenteils aus privaten Mitteln und mithilfe einer Crowd-Funding-Kampagne von rund 200.000 Euro.

Die Zielgruppe ist der typische „Almen-Biker“, der Angst vor den Klickpedalen hat und in kritischen Momenten nicht am Pedal hängen bleiben möchte, etwa beim Überholvorgang von Autos, beim Bergauffahren oder auf Wegen mit Wurzeln. „Das hat im vergangenen Jahr 80 Prozent unserer Kundschaft ausgemacht“, so Himmler. Was immer stärker werde, sind Freizeitsportler mit Verletzungen am Knie, Meniskusschäden, künstlichen Gelenken und Beinamputationen. „Wir haben allein 70 Kunden, die fußamputiert sind und mit unserem Pedal gut zurechtkommen.“

2018 ist zum Standardprodukt ein Pedal für Enduro-Fahrer und Downhiller dazugekommen.

Kunden haben Händler gedrängt

Doch wie krempelt man ein weltweit etabliertes Klicksystem mit dem Mag­neten aus Tirol um? Ein eigener Online-Shop, gepaart mit Pressearbeit über Bike-Fachmagazine plus Präsenz auf Bike-Festivals und Bike-Bewerben hat Konsumenten neugierig gemacht. „Im Handel gelistet zu werden war keine große Hürde. Die Kunden haben Druck bei den Händlern gemacht und das Produkt nachgefragt“, berichtet Himmler. Üblicherweise lasse sich der Handel darauf nicht ein. Doch allein in Tirol sind mit Bikepalast, Giga Sport, Sport Neuner sowie europaweit mit ­Intersport bereits über 500 Händler an Bord. Das Standardpedal für 99 Euro, das Enduro-Pedal für 149 Euro. Damit hat man erreicht, schon im ersten Jahr schwarze Zahlen zu schreiben.

Bisher 13.000 Pedale verkauft

2018 wurden rund 13.000 Pedalpaare im D-A-CH-Raum verkauft. Das soll sich 2019 verdoppeln. In Österreich werden mehr als 300.000 Fahrräder pro Jahr verkauft. Davon ein Großteil Mountainbikes. „Wenn jeder Zehnte auf unser Pedal umsteigen würde, reden wir von 30.000 Pedalen in Österreich, in Deutschland wären es zehnmal so viel. Wir kratzen derzeit im Promillebereich vom Marktpotenzial“, rechnet Harald Himmler.
Die Magped-Produktfamilie soll Anfang Herbst noch um ein Mountainbike-Pedal aus Titan unter 300 Gramm für etwa 180 Euro ergänzt werden. „Wer sich ein E-Bike für 6.000 Euro leistet, holt sich bei uns das teuerste Pedal. Dieses Segment möchten wir zusätzlich bedienen“, meint Himmler.

Wer von Klickpedalen auf Magped umrüstet, muss bei seinen Schuhen lediglich die Metallplatte am Fußballen tauschen. Diese ist im Lieferumfang enthalten.

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.