Sonnenstrom als Plug-and-play

Mit Simon und Solmate können auch jene Solarstrom erzeugen und ­direkt nutzen, die kein eigenes Dach über dem Kopf haben. Einen Balkon oder eine nach Süden gerichtete Freifläche reicht.

Plug-and-play bei Solmate: Solarpanel aufstellen, an die Steckdose stecken und schon wandert Strom in den hauseigenen Stromkreis. Der Zwischenspeicher schaltet sich zu, wenn die Sonne gerade nicht scheint (Foto: EET)

Es hat schon was – seinen eigenen Strom erzeugen, dabei Geld sparen und was für die Umwelt tun. Für die, die kein Haus ihr Eigen nennen, nur ein Traum? Nein. Zwei in Österreich entwickelte Plug-and-play-Lösungen ermöglichen es, dass auch Besitzer einer Wohnung – wenn auch mit Balkon, Terrasse oder Garten – ihre eigenes, kleines Sonnenkraftwerk betreiben können. Und das macht nicht nur ökologisch gedacht durchaus Sinn. Die Mini-Solarkraftwerke werden einfach über eine herkömmliche Steckdose angeschlossen.

Simon macht meinen Strom

Fangen wir an mit Simon: „Auspacken. Aufstellen. Einstecken. So einfach kann ein Kraftwerk sein“, lautet das Versprechen des Herstellers. Und, das Versprechen hält: Simon ist gerade einmal 1,39x0,69 Meter groß, fünf Zentimeter dick und wiegt 14 Kilogramm. Das Mini-Kraftwerk ist also fast so handlich wie ein nasses Badetuch, das man über den Balkon hängt.

Und genau dort gehört Simon am besten hin. Alternativ kann man ihn an die Wand schrauben oder auch aufstellen. Ohne Montage-Kit kostet Simon 600 Euro, mit (einem) Montagesystem sind es 668 Euro.
Unter Idealbedingungen – also bei voller und direkter Sonneneinstrahlung – liefert Simon 150 Watt Strom. Das ist so viel Energie, wie man laut Hersteller braucht, um ein Mittagessen für zwei Personen zu kochen oder drei Tablets zu laden. 

Zähler rückwärts, geht nicht

Weil Strom sich stets den kürzesten Weg sucht, wird die von Simon produzierte Energie unmittelbar verbraucht. Oder wie es Nicole Schmucker von Energetica Industries formuliert: „Der Strom geht automatisch in den Wohnungsstromkreis und alles, was gerade läuft, während Simon einspeist, verwendet zuerst diesen Strom.“

Der Kärntner Solarpionier hat Simon zwar nicht erfunden, ist aber Hersteller der ersten Stunde und hat im April 2018 auch den Vertrieb von Simon übernommen. Die Väter von Simon sind Simon Niederkircher und Michael Galhaup (damals Mitarbeiter der ­Oekostrom AG), die ihre Idee von einem sauberen Mini-Kraftwerk für Stadtbewohner 2015 mithilfe eines Crowdfunding-Projekts umgesetzt hatten.

Einziger Haken an Simon: Der produzierte Strom, der nicht verbraucht wird, fließt ins öffentliche Netz und ist „verloren“. Gemeint ist damit, man bekommt keine Vergütung für die Einspeisung in das Stromnetz. Schmucker: „Den Strom, den Simon produziert, kann ich nur in Jetztzeit verwenden. Denn vom Gesetz her darf ein Stromzähler nicht rückwärts laufen.“ Und das ist kein Scherz. Tatsächlich würden ältere Zähler ohne Rücklaufsperre rückwärts laufen, sobald Simon Strom produziert, der nicht verbraucht wird. Daher muss man den Betrieb eines Simon auch beim zuständigen Netzbetreiber melden (Infos und Formulare dazu gibt es bei Energetica online), damit dieser gegebenenfalls den Zähler austauscht. Außerdem darf man höchstens vier Simons betreiben. Schmucker: „Per Gesetz sind Mini-Kraftwerke derzeit auf maximal 600 Watt begrenzt.“

Acht Jahre Amortisation

Die Ersparnis bei der Stromrechnung beträgt laut Energetica ungefähr 80 Euro pro Jahr. Ergo rechnet sich ein Simon nach plus minus acht Jahren. Wer es ganz genau wissen will, kann mit einem Energiekostenmessgerät (Preis: 16 Euro) überprüfen, wie viel Watt Simon gerade oder auch über die Lebensdauer erzeugt.
Dazu kommen aber auch noch rund 63 Kilogramm CO2, die man pro Jahr einspart. Außerdem wird Simon zu 100 Prozent aus recyclebaren Materialien und in Österreich hergestellt. Schmuckers Empfehlung: „Wenn man ein Haus hat, wird eine Photovoltaik-anlage mehr Sinn machen, aber für eine Wohnung mit Balkon oder Terrasse ist Simon ideal. Den Strom, den Simon einspeist, verbraucht man immer.“

Speicherkraftwerk mit Hirn

In die Lücke zwischen einem Simon und der eigenen Anlage am Dach passt Solmate, das „steckerfertige Plug-and-play-Photovoltaik- und Speichersystem für den Haushalt“, das 500 Watt Sonnenstrom liefert. Auch Solmate kann – in zwei Varianten mit fünf oder zwei Panelen und mit einem Flächenbedarf von zirka 2,5 Quad­ratmetern – auf den Balkon gehängt, an die Wand geschraubt oder frei stehend installiert werden und wird durch Anstecken an eine Steckdose hochgefahren.

Was Solmate darüber hinaus auszeichnet, sind ein Pufferspeicher und eine patentierte Messtechnologie, die diesen Speicher „intelligent“ macht. Damit erkennt Solmate, ob und wie viel Strom gerade verbraucht wird. Produzierte Energie, die nicht benötigt wird, wird gespeichert. „Damit ist gewährleistet, dass der selbst produzierte Sonnenstrom zu 100 Prozent selbst verbraucht wird“, erklärt Christoph Grimmer, der gemeinsam mit Stephan Weinberger und Florian Gebetsroither (alle drei sind Absolventen der TU Graz) Solmate entwickelt hat.

An der von ihnen 2017 gegründeten EET – Efficient Energy Technology GmbH in Graz (beim GEWINN Jungunternehmer 2018 landete EET auf Platz elf) sind zudem zwei nicht nur namhafte, sondern auch fachlich versierte Investoren beteiligt: Klaus Fronius ist Miteigentümer und Aufsichtsrat der Fronius International GmbH (Schweiß-, Photovoltaik- und Batterieladetechnik), Michael Koncar ist Gründer der VTU Gruppe (Industrie-laboranlagen). Beide halten je zehn Prozent an EET.

Vorsorge für den Black-out

Je nach Konfiguration kostet Solmate zwischen 2.400 und 2.800 Euro und kann dank seiner Intelligenz des Zwischenspeichers bis zu 25 Prozent des Strombedarfs eines durchschnittlichen Haushalts abdecken. Damit rechnet sich Solmate „bei einer eher konservativen Prognose von steigenden Strompreisen“, so Grimmer, nach zwölf Jahren. Für die tatsächliche Lebensdauer der Akkus und PV-Module geht er von 20 Jahren aus, die Gewährleistung ist jedoch auf zehn Jahre begrenzt.

Was Solmate für „Balkonier“, die gern autark sind, außerdem interessant macht, ist die Notfallvorsorge, die auch im Falle eines Stromausfalls zumindest so viel Energie liefert, dass alle wichtigen Geräte weiterlaufen und man gemütlich fernsehen kann, bis der Netzstrom wiederkommt.

Am Netz ab Frühjahr 2019

Für die Produktion der ersten Solmate-Serie wurde Ende Oktober bis November auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter Geld gesammelt. Das Funding-Ziel von 50.000 Euro für 200 Stück erreichte Solmate schon am ersten Tag. Insgesamt konnten bis zum Ende der Kampagne 205.143 Euro von 155 Unterstützern eingesammelt werden.

Bis zum Juni 2019 werden die ersten Solmates ausgeliefert, die von einem etablierten heimischen Lohnfertiger produziert werden. Künftig soll der Vertrieb direkt über einen eigenen Web-Shop sowie über Energieversorger und Installateure erfolgen, so Grimmer: „Unser Ziel ist, bis 2021 auf 12.000 verkaufte Stück pro Jahr zu kommen.“

Tipp: GEWINN-Abonnenten können exklusiv bis zum 31. 12. 2018 noch einen Solmate zu denselben Konditionen der Kickstarter-Kampagne ordern. Kontaktaufnahme per Mail an solmate@eet.energy.

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