Wie Corona auf den Handel wirkt

Wenn Online-Shops zweistellig wachsen, macht es da überhaupt noch Sinn, Offline-Geschäfte nach dem Shutdown wieder aufzusperren? Ja, durchaus, wie sich zeigt.

 

Foto: Mastercard

Einer Studie von Mastercard zufolge haben mehr als die Hälfte der euro­päischen Käufer aufgrund der geschlossenen Geschäfte im März und April das Online-Shopping für sich entdeckt. In Österreich gaben 43 Prozent der Befragten an, sie hätten mehr denn je online eingekauft. Die beliebtesten Produkte waren Bücher mit 30 Prozent, gefolgt von Küchenutensilien, Haarfärbemitteln und Fitnessausrüstung.
Aber nicht nur die Kunden haben während des Shutdowns das Online-Shopping entdeckt, auch die Händler. Ende Mai haben der Handelsverband und die Prüfungs- und Beratungsorganisation EY eine repräsentative Branchenumfrage veröffentlicht. Der zufolge gaben 46 Prozent der Befragten an, im Zuge von Covid-19 ihren eigenen Online-Shop ausgebaut zu haben oder aufbauen zu wollen, wobei dieser für 62 Prozent bereits länger als wichtigster Online-Sales-Kanal dient.

Und, drei Viertel der Händler gehen auch künftig von zunehmenden OnlineBestellungen aus. Auf Platz zwei der erwarteten Veränderungen für den Handel liegt der stärkere Fokus auf Regionalität (64 Prozent), gefolgt vom Thema Nachhaltigkeit (40 Prozent).

Rewe und Spar verstärken online

Ein Fokus, den Österreichs Lebensmittelriesen schon lange haben. Obwohl ­Supermärkte zwar offenhalten durften, hat Corona bei Billa die Nachfrage im ­E-Commerce vervielfältigt, so Rewe-Pressesprecher Paul Pöttschacher: „Wir haben innerhalb kürzester Zeit die Kapazitäten des Online-Shops österreichweit um 30 Prozent, im Großraum Wien sogar um 80 Prozent ausgebaut.“ Die verstärkte Nachfrage hat auch der zukünftigen Online-Strategie „einen zusätzlichen Drive gegeben“, so Pöttschacher: „Somit werden wir noch stärker in den Ausbau des Vertriebsportfolios und in die Erweiterung der digitalen Services investieren. Und wir sind aktuell dabei, das Click & Collect-Angebot auszuweiten.“

Entsprechend bleiben die Filialen weiter bestehen. Billa verfolgt eine „Omni-Channel-Strategie“, so Pöttschacher: „Die Mehrheit unserer Kunden verwendet beide Kanäle und bestellt online etwa für den Großeinkauf und für den täglichen Bedarf wird der Einkauf in der Filiale getätigt. Zu bemerken ist jedoch, dass auch der Frischeanteil bei den Online-Bestellungen nach oben geht und mittlerweile über 50 Prozent des Warenkorbs ausmacht.“

Auch beim Konkurrenten Spar ist online schon länger Teil des Geschäfts. Seit 20 Jahren betreibt man mit der weinwelt.at einen Wein-online-Shop, seit 2010 unter interspar.at einen Shop für Haushalt und Freizeit. Und seit 2016 gibt es für Wien und Umgebung sowie Salzburg und Umgebung unter derselben Adresse den Lebensmittel-Online-Shop. Dazu Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann: „Der Online-Umsatz im Bereich Lebensmittel liegt bei etwa einem Prozent.“ Bestätigt wird zudem, dass die Corona-Krise auch bei Spar den E-Commerce befeuert hat. Berkmann: „Ja, die Nachfrage ist stark gestiegen. Das war eine Herausforderung, weil das ganze System auf den Ansturm nicht ausgelegt war und die Kapazitäten nicht so schnell erweitert werden konnten.“ Mittlerweile wurden die Kapazitäten ausgebaut.

Amazon: absolute Nummer eins

Trotzdem sind Rewe und Spar im heimischen Online-Handel kleine Fische. Auf mehr als drei Milliarden Euro belief sich laut einer im November 2019 präsentierten Studie von EHI und Statista in Kooperation mit dem Handelsverband der Umsatz, den die 250 wichtigsten Online-Shops in Österreich 2018 erzielten. Davon verbuchten die Top-10-Online-Shops mit gut 1,6 Milliarden Euro höhere Umsätze als die Plätze elf bis 250 zusammen, so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will: „Der Branchenprimus Amazon konzentriert allein ein Viertel aller Umsätze auf sich, noch ohne Berücksichtigung des Marktplatzgeschäftes. Für die meisten der 12.000 restlichen heimischen Austro-Online-Shops bleibt wenig vom E-Commerce-Kuchen übrig.“
Im Frühjahr 1998 hat Amazon in Österreich gestartet, seit Februar letzten Jahres gibt es im niederösterreichischen Großebersdorf zudem ein Verteilerzent­rum.
Typisch Amazon, werden auch Presseanfragen auf das Online-Angebot verwiesen. Unter blog.aboutamazon.de/at sind die Maßnahmen nachzulesen, die aufgrund der Corona-Krise gesetzt wurden. So wurden lebenswichtige Produkte priorisiert, der Schutz von Kunden gegen Preistreiberei verstärkt und Unternehmen wurde Unterstützung angeboten, um „über die Amazon-Infrastruktur kurzfristig mit dem Online-Verkauf zu starten“.

e-tec: Österreichs Nummer eins

Bei e-tec electronic wird man dieses Angebot dankend ablehnen. 1997 wurde das Unternehmen in einer Garage in Attnang-Puchheim in Oberösterreich gegründet. Von dort wurden zuerst gebrauchte PC-Systeme verkauft, 2000 startete ein Online-Shop für IT-Produkte. Seit 2011 handelt man auch Heimelektronik und seit der Übernahme von Ditech ist e-tec das größte rein österreichische E-Commerce-Unternehmen im Bereich Computer- und Unterhaltungselektronik.
2019/2020 erwirtschaftete e-tec mit 100 Mitarbeitern einen Umsatz von 75 Millionen Euro: in 18 Filialen und online mit über 45.000 gelisteten Artikeln. Diesen Multi-Channel-Ansatz verfolgt e-tec seit 2005, so Geschäftsführer Marco Krankl: „Der Vorteil ist die persönliche Betreuung vor Ort sowie die Möglichkeit, in den Filialen Produkte lagern und sofort zugänglich machen zu können.“
Obwohl infolge der Corona-Krise alle 18 Filialen geschlossen waren, will man diesen Weg beibehalten. Krankl: „Unsere Strategie hat sich zu 100 Prozent bewährt. Diverse Nachjustierungen werden aber dennoch getroffen, um unsere Performance weiter steigern zu können.“
Generell sieht Krankl, dass Corona vielen die Scheu vor dem Online-Kauf genommen hat. Er geht daher davon aus, „dass die Transformation vom stationären Handel hin zum Online-Handel viel schneller voranschreiten wird als von Experten prognostiziert“. Krankl: „Wichtig wird es sein, bei den Konsumenten in den Köpfen zu verankern, bei österreichischen Online-Shops zu kaufen. Der Kaufkraftabfluss ins Ausland ist enorm und wird uns früher oder später volkswirtschaftlich vor große Probleme stellen.“

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