Die Zukunft studieren

Selbstfahrendes Auto, Sprachübersetzer oder industrielle Fertigung – überall steckt Künstliche Intelligenz drinnen. Wo man in Österreich „KI“ studieren kann.

KI-Pionier und JKU-Professor Sepp Hochreiter: „Fast jedes Unternehmen braucht in Zukunft KI, auch wenn es viele noch nicht wissen.“ (Foto: New Art Studio/Barbara Klaczak)

Die meisten von uns verwenden sie in irgendeiner Form täglich, doch viele wissen gar nicht, dass sie da ist. Egal, ob man sein Smartphone per Gesichtserkennung entsperrt oder etwas per Translator in eine andere Sprache übersetzt, dahinter liegt Künstliche Intelligenz (KI) bzw. Artificial Intelligence (AI). Per Definition beschäftigt sich KI mit Methoden, die Computern ermöglichen, Aufgaben zu lösen, für die eigentlich menschliche Intelligenz notwendig wäre.

Nicht nur die großen Internet-Giganten wie Facebook, Google, Amazon und Co. arbeiten mit künstlicher Intelligenz, auch im Automobilbereich, im Gesundheitswesen oder     in der Industrie kommt sie zur Anwendung. Seit Herbst 2019 gibt es sogar ein eigenes Studium „Artificial Intelligence“ an der Johannes Kepler Universität (JKU) in Linz. Sepp Hochreiter, ein Pionier im Bereich KI, leitet das Institut für Machine-Learning und hat den Studiengang initiiert. „Wir konnten den Studiengang sehr frei entwickeln und haben uns bewusst auf Themen konzentriert, die für die Wirtschaft interessant sind“, so Hochreiter. Man habe sich inhaltlich sehr auf die moderne KI, also Machine-Learning und Deep-Learning (siehe Kasten unten) fokussiert. Diese beschäftigen sich mit dem Lernen von Rechnern und Maschinen, während die klassische KI sich um Datenbanksysteme und Beweissys­teme dreht.

90 Prozent Distance-Learning

„Artificial Intelligence“ kann man am Campus der JKU oder am Fernstu­dienzentrum in Wien studieren. Bereits vor der Corona-Krise setzte man auf Distance-Learning, rund 90 Prozent der Vorlesungen konnten ohne physische Anwesenheit besucht werden. Aktuell könne man fast alles online absolvieren, erklärt Hochreiter.
Das Studium wird als Bachelor und Master angeboten und dauert sechs bzw. vier Semes­ter.
Das Bachelor-Studium liefert eine fundierte Grundausbildung in Programmieren und Mathematik, eine Mischung aus Theorie und Handwerkszeug. Im Master-Programm werden die modernsten Techniken vermittelt, die etwa aktuell von Google, Facebook oder Microsoft genutzt werden. So lernen Studierende beispielsweise, was hinter sogenannten „Deep Fakes“ steckt. Deep Fakes sind Videos, die oft vollkommen echt wirken, aber gefälscht sind. Aktuell kursieren solche Videos etwa vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump.
Neben den technischen Skills, beschäftigt man sich im Studium aber auch mit ethischen Fragen, sowie sozialen und psychologischen Folgen der Künstlichen Intelligenz.

Großes internationales Interesse

Sepp Hochreiter betont immer wieder, dass das AI-Studium ein sehr technisches ist. „Ohne Verständnis für mathematische und informatische Zusammenhänge wird man dieses Studium nicht absolvieren können“, so der Ins­titutsleiter. Das Interesse war dennoch höher als erwartet, im ersten Jahr starteten 250 Studierende im Bachelor und 150 im Master. „Einige davon werden aber wahrscheinlich aufhören, das müssen wir noch evaluieren“, ergänzt Hochreiter.
Die Einführung des Studiums hat international hohe Wellen geschlagen, viele Hochschulen wollen Kooperationen mit der JKU. „China wollte sogar gleich ein paar tausend Studierende zu uns schicken“, lacht Hochreiter. Das größte Problem im IT-Bereich an Unis sei, dass Talente oft zu früh von Konzernen „rausgekauft“ werden. Auch jene, die bis zum PhD an der Uni bleiben, könne man nur selten in der Forschung halten. „Manche Unternehmen winken mit 200.000 bis 300.000 Euro Jahresgehalt, da kann keine Uni mithalten“, so Hochreiter.

Unternehmen brauchen KI

Einer der wenigen, die trotz attraktiver Angebote aus der Privatwirtschaft in der Forschung geblieben sind, ist Günter Klambauer. Er machte seinen Doktor bei Hochreiter und ist nun Assis­tenzprofessor für maschinelles Lernen an der JKU in Linz. Klambauer ist an der Uni geblieben, weil ihm Forschung Spaß macht und er die Abwechslung schätzt. Doch in welchen Bereichen werden seine Studenten zukünftig arbeiten? „Alles im IT-Sektor, bei indust­rieller Fertigung, im Gesundheitswesen und in der Logistikbranche“, so Klambauer. Und Hochreiter ergänzt: „Fast jedes Unternehmen braucht in Zukunft KI, auch wenn es viele noch nicht wissen.“
Doch wie hält man ein sich so schnell entwickelndes Thema stets aktuell? „Wir haben die Vorlesungsthemen bewusst generell gehalten“, erklärt Klambauer: „Somit können wir inhaltlich immer aktuell sein und die Vorlesungen anpassen.“ Erst dieses Semester wurde etwa eine Publikation besprochen, die vor zwei Monaten erschienen ist.

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