Harvard im Wohnzimmer

(Elite-)Unis ­bieten frei zugängliche Online-Kurse ­an – auch zum Nulltarif. Für ein Abschlusszertifikat müssen Lernende aber häufig tief in die Tasche greifen.

Mit dem Abschluss an einer Elite-Uni hat man in der Regel beste Job­aussichten. Doch für die meis­ten sind diese Hochschulen unerschwinglich. Zumal die Bewerberzahl sehr hoch und die Auswahl selektiv ist. Um der wachsenden Zahl an Bildungshungrigen Rechnung zu tragen, bieten viele elitäre Unis wie Harvard oder Caltech offene Online-Kurse für Millionen Menschen an. Auch in Österreich ist man schon auf den Zug aufgesprungen.

„I mog’s“

Die österreichische Plattform iMooX wurde 2013 im Rahmen eines Förderprojekts des Landes Steiermark von der TU Graz und der Universität Graz ins Leben gerufen. Mittlerweile findet man dort über 30 MOOCs. Wie zum Beispiel den Kurs „Medienkompetenzen in der Lehre“, der von der Universität Innsbruck gemeinsam mit Partnerinstitutionen gestaltet wurde. Das Kürzel MOOC steht für Massive Open Online Course. Dass die Plattform iMooX „i mog’s“ ausgesprochen wird, signalisiert, dass Bildung und Spaß einhergehen.

Doch was genau ist der Unterschied zwischen MOOC, Online-Kurs und Fernstudium? „Ein Online-Kurs läuft wie ein MOOC primär online ab, ist aber in der Regel weder frei zugänglich, noch addressiert er eine große Zielgruppe im Sinne von massiv. Wenn Sie so wollen, ist ein MOOC eine spezielle Form eines Online-Kurses“, erklärt Martin Ebner, Mitbegründer der Plattform iMooX, und ergänzt: „Fernstudium ist dann die Bezeichnung für die Ansammlung mehrerer (Online-)Kurse. Erst der Besuch mehrerer Kurse ergibt dann das Curriculum.“
Die MOOCs selbst werden von Lehrenden in Zusammenarbeit mit E-Learning-Experten entwickelt und via iMooX kostenfrei angeboten. Im Anschluss erhalten die Absolventen eine Teilnahmebestätigung. Um einen MOOC zu erstellen, sind etwa sechs bis zwölf Monate Vorbereitungszeit notwendig. Ziel dieses Lernangebotes ist es, „Bildung für alle“ zu ermöglichen. „Eine Besonderheit ist, dass die Plattform iMooX im Gegensatz zu den amerikanischen Plattformen ausschließlich auf freie Bildungsressourcen setzt. Dies bedeutet, dass unsere Inhalte auch in anderen Kontexten zum Beispiel Schulen, Weiterbildungsseminaren verwendet werden können. Dafür haben wir auch die Patenschaft der Unesco bekommen, da wir mit ihren Bildungszielen übereinstimmen“, so Ebner stolz.

Dass MOOCs im englischsprachigen Raum weitaus geläufiger sind als hierzulande, beweisen die zahlreichen internationalen Angebote. Dazu Ebner: „Das ist durchaus traditionell bedingt. Distance Education ist in Mitteleuropa etwas, das nie wirklich notwendig war, weil die Hochschulen in erreichbarer Nähe sind, während das zum Beispiel in den USA oftmals nicht der Fall ist.“

Online-Kurse ohne akademischen Abschluss

Online-Kurse müssen aber nicht immer ein Online-Studium sein. Ein Beispiel dafür ist die Lernplattform Udemy. Sie wurde 2010 gegründet und ist auf Kurse spezialisiert, die den Teilnehmern vor allem Vorteile im Berufsleben bringen sollen. So kann man etwa Photoshop, Programmieren, Office-Programme oder Sprachen erlernen. Unterrichtet wird hauptsächlich mit Videos, danach gibt es Übungen und am Schluss eine Bestätigung für die Teilnahme. Die Kosten beginnen bei kostenlos bis rund zehn Euro und gehen bis zu mehreren hundert Euro. Für die Teilnahme ist eine einfache Registrierung notwendig, danach kann schon aus den mehr als 65.000 Kursen gewählt werden. Laut eigenen Angaben haben bis heute 20 Millionen Menschen an einem Udemy-Kurs teilgenommen, kein Wunder, dass Udemy in mehr als 50 Sprachen verfügbar ist.

Studienabschluss mit Begleitung

Eine der ältesten Einrichtungen, an der man ein Online-Fernstudium absolvieren kann, ist die englische Open University. Sie wurde bereits 1969 gegründet und gilt heute als eine der führenden Online-Universitäten. Die Open University hat sich dem Prinzip des „Supported Distance Learning“ verschrieben, bei dem die Studenten von einem Tutor begleitet werden. Der Kontakt mit diesen Tutoren ist der Open University extrem wichtig, sie stehen in ständigem Austausch mit den Studierenden. Alle Studien werden ausschließlich auf Englisch angeboten, allerdings müssen keine Sprachzertifikate (TOEFL, Cambridge Certificate etc.) nachgewiesen werden. Im Studium selbst werden sowohl klassische Skripten als auch audiovisuelle Lehrveranstaltungen und andere Multimedia-Dienste angeboten. Zum Angebot der Open University zählen Bachelor-, Master-, PhD-Studien und MBA-Programme aus so gut wie allen Bereichen. Die Kosten liegen bei den meisten Studiengängen zwischen 10.000 und 20.000 Euro.

Online-Studium made in Austria

Ein Online-Studium ist allerdings auch bei einem österreichischen Anbieter möglich, nämlich bei ASAS, der Aus­trian School of Applied Studies. ASAS arbeitet mit dem AIM (Austrian Institute of Management), einer Tochter der FH Burgenland, und der Allensbach Hochschule Konstanz in Deutschland zusammen. Das Studium bei ASAS funktioniert komplett zeit- und ortsunabhängig, erklärt Geschäftsführer Gernot Unterfurtner. Die ECTS und die akademischen Grade werden von den Partnerhochschulen vergeben, man ist im ständigen Austausch miteinander. „Es gibt einen modernen Online-Campus mit abgefilmten Vorträgen und Textpassagen“, so Unterfurtner. Das gesamte Programm kann also von zu Hause absolviert werden.
Wenn keinerlei Präsenz notwendig ist, öffnet das Betrug nicht Tür und Tor? „Nein, das ist nicht möglich“, erklärt Martin Stieger, wissenschaftlicher Leiter von ASAS. „Man muss die Prüfungen entweder im Prüfungszentrum des AIM in Eisenstadt, im Prüfungszentrum von ASAS in Wels oder zu Hause machen. Bei Prüfungen von zuHause aus, wird während der Prüfung ein Video- und Audiomitschnitt angefertigt, man muss die Aufgaben also alleine lösen.“ Außerdem sei die Prüfungssoftware so konzipiert, dass man sie während der Prüfung nicht verlassen kann, um im Internet nach Antworten zu suchen.

ASAS bietet Zertifikatskurse, Zertifikats-, Diplom- und Expertenlehrgänge, Kontaktstudien und MBA-Programme an. „Zertifikats- und Diplomlehrgänge eignen sich hervorragend für Bildungskarenz und Bildungsteilzeit“, erzählt Stieger. Preislich beginnen die Angebote von ASAS bei 400 Euro für einen Zertifikatskurs und enden bei 8.900 Euro für einen MBA. In der Regel dauert ein MBA bei ASAS vier Semester. Als kostenlosen Service bietet ASAS Kurzfilme auf YouTube an, die sich zum Beispiel mit Betriebswirtschaft oder wissenschaftlichem Arbeiten beschäftigen.

FutureLearn

Der Name steht für die größte Online-Lernplattform in Europa mit fast acht Millionen Nutzern weltweit. Die Zusammenarbeit mit Top-universitäten und Organisationen wie dem British Council ermöglicht eine breite Palette an Kursen. Dabei können Lernangebote kostenlos getestet werden, um ein individuell passendes Thema und Lernniveau zu eruieren. Nach einem kostenpflichtigen Upgrade ist es möglich, ein Leis­tungszertifikat zu erhalten. Dazu müssen mindestens 90 Prozent des Kurses absolviert und bei einem Test mehr als 70 Prozent erreicht werden.

FutureLearn bietet darüber hinaus spezielle Programme an, bei denen nach Abschluss von mehreren Kursen eine Auszeichnung verliehen wird. Sogar ein Mas­ter-Abschluss kann auf der Plattform erreicht werden. Möglich macht das die Coventry University, die via FutureLearn einen vollständigen Online-MBA anbietet – freilich nicht zum Nulltarif!

HarvardX

Der MOOC-Anbieter edX wurde von der Harvard University und dem Massachusetts Institute of Technology gegründet. Auf dieser Plattform werden mehr als 2.000 Kurse von führenden Universitäten und Institutionen angeboten. Neben Lernangeboten von Harvard und dem Massachusetts Institute of Technology stehen Online-Kurse der Sorbonne Université, Caltech oder Columbia University zur Verfügung.
Der Großteil der User kommt aus Ländern außerhalb der United States. Dabei stehen den Lernenden Hunderte edX-Kurse kostenlos zur Verfügung. Das Zertifikat gibt es aber auch hier wieder nur gegen Bezahlung.
Personaler legen auf lebenslange Weiterbildung Wert, daher sollten die Kurse im Lebenslauf angegeben werden. Von Elite-Uni-Abschlüssen unterscheiden sich die Online-Zertifikate jedenfalls durch folgendes Detail: dem Zusatz X.

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