„Sehr Gut“ bis zum Doktor

Sub-auspiciis-Promovenden glänzen mit Bestnoten in Schule und Studium. Wie man die Auszeichnung erreicht und was sie beruflich bringt.

Alexander Degelsegger-Márquez studierte Politikwissenschaften und internationale Entwicklung an der Universität Wien, seine Sub-auspiciis-Promotion fand 2018 in Anwesenheit von Bundespräsident Alexander Van der Bellen statt. Dabei erhielt er neben seinem Doktortitel auch einen Ehrenring aus Weißgold überreicht (Foto: Carina KARLOVITS/HBF, APA/HERBERT NEUBAUER/picturedesk.com)

Einser, ab und zu ein Zweier. Martin Wrulich hatte stets Bestnoten – sowohl in der Schule als auch im Studium. „Mir macht Lernen nichts aus, ich tue das gern“, erklärt Wrulich seine Spitzenleistungen. Zumal ihm sein Elekt­rotechnikstudium sehr viel Spaß machte. „Man musste wenig auswendig lernen, sondern vielmehr das dahinterliegende Konzept verstehen. Das war aus meiner Sicht gar nicht so anstrengend und ich konnte viele Dinge wie Praktika oder Turniertanz nebenbei machen.“ Für seine immerwährenden Topleistungen wurde Wrulich ausgezeichnet – er promovierte 2010 sub auspiciis. „Ich habe eine Rede gehalten und anschließend hat mir der damalige Bundespräsident Heinz Fischer den Ehrenring überreicht. Das war der aufregendste Tag meines Lebens – die Promotion fiel genau auf meinen 30. Geburtstag“, erzählt Wrulich.

Promotion mit Bundespräsident

Die „Promotio sub auspiciis Praesidentis rei publicae“ bezeichnet eine besondere, spezifisch österreichische Form der Verleihung des Doktortitels. „Diese Art der Promotion, bei der das Staatsoberhaupt anwesend ist, gibt es nur in Österreich“, weiß Alexander Marinovic vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Der Ursprung liegt in der ers­ten Hälfte des 17. Jahrhunderts, wo die „Promotio sub auspiciis“ Imperatoris unter den Auspizien des Kaisers, stattfanden. Heute fußt die Auszeichnung auf dem 1952 eingeführten Gesetz über die Verleihung des Doktorats unter den Auspizien des Bundespräsidenten. Dabei erhält der Promovend bei einem Festakt und im Beisein des Staatsoberhauptes seinen Doktortitel; auch ein Ehrenring wird überreicht. „Der Ring besteht aus Weißgold und ist seit 2014 in Verwendung. Er ist wesentlich moderner als das Vorgängermodell, das mit der klobigen Form ein typisches Produkt der 1950er-Jahre war“, veranschaulicht Marinovic.Während das etwa aus Deutschland bekannte „summa cum laude“ lediglich auf die Benotung der Dissertation abzielt, zählen für eine Promotion sub auspiciis bereits Leistungen ab der Oberstufe. So müssen die oberen Klassen mit sehr gutem Erfolg und die Matura mit Auszeichnung absolviert werden. Auch im Studium gilt es die besten Prüfungsergebnisse zu erzielen und die Dissertation mit Auszeichnung zu bestehen. Dazu Marinovic: „In jeder größeren Prüfung braucht es ein „Sehr Gut“. Wenn einmal in einem Proseminar ein „Gut“ geschrieben wird, die Modulnote aber „Sehr Gut“ lautet, geht sich eine Sub-auspiciis-Promotion dennoch aus.“ Dem nicht genug, darf die Durchschnittsstudiendauer nicht überschritten werden, außer für die Verzögerung liegen triftige Gründe wie Berufstätigkeit oder Krankheit vor. Auch punkto Verhalten muss man sich als auszeichnungswürdig erweisen, sprich: man muss ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Ein Prozent promoviert sub auspiciis

In Anbetracht dieser Kriterien wundert es nicht, dass nur wenige Studenten in den Genuss dieser Auszeichnung kommen. 2018/2019 gab es insgesamt an die 35.000 Studienabschlüsse (Bachelor, Master, Magister, Diplom-Ingenieur, Doktor, PhD) an österreichischen Universitäten. Etwa 2.000 schlossen ein Doktoratsstudium ab und nur zirka ein Prozent davon schaffte die Promotion sub auspiciis. „Seit 1952 haben Sub-auspiciis-Promotionen leicht, aber nicht markant zugenommen. Die Zahl der Studierenden hat sich aber vervielfacht. Das hängt damit zusammen, dass früher die meisten Studienrichtungen direkt zum Doktorat geführt haben und es somit prozentuell einen viel höheren Anteil an Doktoratsabschlüssen gab als heute. Mittlerweile wird das Doktoratsstudium tendenziell dann aufgenommen, wenn man eine wissenschaftliche Karriere anstrebt“, weiß Marinovic.

Sub auspiciis im Lebenslauf

Doch wie bewerten Personalexperten die Auszeichnung und somit das Erzielen von Bestnoten für die Empfehlung an ihre Kunden? „Im wissenschaftlichen Umfeld ist die Bedeutung höher als im wirtschaftlichen. Sollten zwei Kandidaten in der engeren Wahl sein, wird der mit der Auszeichnung einen Vorteil haben. Sonst zählt das Gesamtpackage des Bewerbers“, weiß Manuela Lindlbauer von Lindlpower Personalmanagement und empfiehlt die Auszeichnung – so wie jede andere auch – im Lebenslauf anzuführen. Ähnlich sieht das Maria Eder, HR-Expertin bei Deloitte Österreich: „Auszeichnungen, die neben der fachlichen und persönlichen Ausbildung erworben wurden, sollten auf jeden Fall im Lebenslauf angeführt werden. Sie zeigen, wofür sich ein Kandidat besonders engagiert hat und wo die Interessen einer Person ­liegen.“

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