Eine fesche Wäsche

Ob Stewardessenuniform oder Arztkittel – die Regeln, welches Kleidungsstück steuerlich absetzbar ist und welches nicht, sind äußerst komplex.

Illustration: Erik Bauer

In manchen Berufen gelten fixe Bekleidungsvorschriften oder der Dienst­geber erwartet sich von seinem Personal in puncto Adjustierung ein bestimmtes Erscheinungsbild. Also sollten doch die vom Arbeitnehmer bezahlten Kosten für Anschaffung, Instandhaltung und Reinigung der im Job getragenen Kleidung als Berufsausgaben vulgo Werbungskosten absetzbar sein, oder?
Ganz so einfach geht das nicht, weil der Fiskus hier eine strenge Sichtweise an den Tag legt.

Strenge Judikatur

Grundtenor, der auf der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs (VwGH) basiert: Kleidung zählt selbst dann zu den nicht abzugsfähigen Aufwendungen der Lebensführung, wenn sie nahezu ausschließlich für die Berufsausübung benötigt wird.
Bekleidung, die üblicherweise auch außerhalb der beruflichen Tätigkeit getragen wird bzw. verwendet werden kann („zivile Kleidung“), bildet dagegen keine Werbungskosten. Hierbei macht es keinen Unterschied, ob die Bekleidung im konkreten Fall tatsächlich nur während der Arbeitszeit getragen wird, ob die Verwendung derartiger Kleidungsstücke im Interesse des Arbeitgebers liegt oder ob sie von diesem angeordnet wird.

Typische Berufskleidung

„In der Regel“ bedeutet aber immerhin, dass es auch Ausnahmen von der Nichtabzugsfähigkeit gibt. Ausgaben für Bekleidung führen nämlich dann zu Werbungskosten, wenn es sich um typische Berufskleidung oder um Arbeitsschutzkleidung handelt. Bei Uniformen, Overalls und Arbeitsmänteln, schwarzen Monturen eines Rauchfangkehrers oder Arbeitsanzügen eines Maurers sollten keine Auffassungsunterschiede bestehen, ebenso wenig bei echter Schutzbekleidung. Dazu zählen Helme von Bau- oder Forstarbeitern, Sicherheitsschuhe, die bestimmte Sicherheitskriterien erfüllen müssen (Arbeitsstiefel mit Stahlkappe, mit Isolierung – Schuhwerk von Bauarbeitern oder Elektrikern), Gummihandschuhe von Ärzten, Fleischerschürzen, Kettenhandschuhen oder Schweißerschutzbrillen.

Freilich besteht zwischen Finanz und Abgabepflichtigen ein Konfliktpotenzial, da beide Seiten die „typische Berufskleidung“ mitunter unterschiedlich interpretieren, wie etliche Judikate belegen, die kasuistisch (einzelfallbezogen) ausfallen.

Spießen kann es sich z. B. bei Ärzten, Krankenschwestern und Pflegepersonal. Lässt der Fiskus in Weiß gehaltene Hosen und Kittel noch durchgehen, zeigt er sich oft bei weißen T-Shirts und Poloshirts knauserig, noch dazu wenn diese von namhaften Marken wie Lacoste oder Ralph Lauren stammen. Schließlich wäre es möglich, dass die guten Stücke auch in der Freizeit übergestreift werden.

Selbst mit Pantoffeln kann man abblitzen: So wollte ein Krankenpfleger vier Rechnungen für Schuhe im Wert von insgesamt 355 Euro absetzen, mit dem Argument, dass die Treter nur während der Tätigkeit als Krankenpfleger verwendet werden und an der Arbeitsstelle verbleiben. Das Bundesfinanzgericht machte ihm einen Strich durch die Rechnung – die erworbenen Schlapfen und Pantoffeln könnten ja auch außerhalb seiner beruflichen Tätigkeit ausgeführt werden.

Die Finanzbehörde beteuert zwar, dass Kostüme von Schauspielern als Berufsbekleidung durchgehen, sagt aber nichts über deren Beschaffenheit. Eine stinknormale bürgerliche Kleidung wird wohl nicht als „Kostüm“ anzusehen sein, andererseits ließe sich ein Kostüm auch privat bei einer Ballveranstaltung nutzen.
Mehr Glück hatte ein Dirigent. Zwar wurde sein Frack vom Finanzamt in die Privatsphäre verbannt, schließlich könnte dieser auch bei privaten Anlässen wie etwa Ballbesuchen Verwendung finden. Der VwGH gab schlussendlich aber dem Taktstockschwinger Recht. Ein Frack unterscheide sich seiner objektiven Beschaffenheit nach – auch mit Rücksicht auf die heutigen, geänderten Lebensgewohnheiten – von solcher Bekleidung, wie sie üblicherweise im Rahmen der privaten Lebensführung Verwendung findet (VwGH 25. 11. 2015, 2011/13/0091).

Uniformcharakter

Außer Streit stehen klassische Uniformen von der Polizei oder Bundesheerangehörigen, aber auch die Einheitskleidungen von Fluglinien, Feuerwehren, des Roten Kreuzes, von Wach- und Schließgesellschaften, Restaurant-, Hotel-, Lebensmittel- und Modehausketten.
Trachtenanzüge oder Dirndln in Gastronomiebetrieben benötigen eine Aufschrift bzw. müssen eine Zuordnung  zu einem bestimmten Unternehmen oder zu einer bestimmten Tätigkeit ermöglichen, sodass eine private Nutzung praktisch ausgeschlossen ist.

Allerdings: Verlangt eine Fluglinie von seiner Flugbegleiterin, rote Strümpfe passend zur Uniform zu tragen, fallen diese – wie bereits mehrfach entschieden – unter „bürgerliche Kleidung“, womit die Strümpfe nicht absetzbar sind.

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