In Pension gehen oder weiterarbeiten?

Aufhören? – Falsch! Über das Pensionsantrittsalter hinaus erwerbstätig zu bleiben bringt ein feines Plus für die künftige Pension. Doch was ist besser: Noch ein paar Jahre im Job zu bleiben oder in Pension zu gehen und dazuzuverdienen?

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Man könnte ja einfach die Pension nehmen und den Ruhestand genießen. Ob selbständig oder unselbständig tätig: Viele wollen trotzdem lieber noch eine Weile aktiv bleiben. Doch was ist finanziell eigentlich günstiger: die Pension aufzuschieben und länger im aktuellen Job zu bleiben oder in Pension gehen und dazuzuverdienen?

Diese Frage stellt sich nur bei der normalen Alterspension. Nur hier darf man so viel dazuverdienen, wie man will. Die Pensionshöhe bleibt gleich. Das Antrittsalter beträgt für Männer 65, für Frauen derzeit noch 60 Jahre. (Ab 2024 ändert sich das, dann wird das Antrittsalter für Frauen der Geburtsjahrgänge Dezember 1963 bis 1. Juni 1968 in Halbjahresschritten dem der Männer angeglichen, für alle später Geborenen gelten 65 Jahre als Regelpensionsalter.) Außerdem muss man am Stichtag mindestens 15 Versicherungsjahre erworben haben, davon mindestens sieben Pflichtversicherungsjahre aufgrund von Erwerbstätigkeit.

Wer hingegen in vorzeitiger Pension ist (etwa Hackler- oder Korridorpension), darf monatlich maximal bis zur Geringfügigkeitsgrenze dazuverdienen. Die liegt im Jahr 2019 bei 446,81 Euro, 2020 wird sie aller Voraussicht nach 460,66 Euro betragen. Ab dem ersten Cent darüber fällt die gesamte Pension für diesen Monat weg. (Einzige Ausnahme sind Beamte, sie können auch in der Frühpension ohne Abschläge nebenbei arbeiten.)

Die Frage: „Bleiben oder gehen?“ stellt sich also üblicherweise nur für Menschen mit Anspruch auf die normale Alterspension. Streng genommen gibt es noch eine Trennung: Für jene, die bis zum 31. Dezember 1954 geboren sind, gelten andere (günstigere) Bestimmungen. Von ihnen sind allerdings  nur noch sehr wenige im Arbeitsleben. Sie haben ihre Entscheidung längst gefällt.

Drei Jahre mehr erhöhen Pension deutlich

Spannend wird es für die ab 1. Jänner 1955 Geborenen. Ihre Pensionsberechnung ist meist ungünstiger als die ihrer Vorgänger, hat aber einen Vorteil: Es gibt keine Obergrenze für die Pensionshöhe mehr. Und so wird die Pension deutlich mehr, wenn man über das Pensionsantrittsalter hinaus im alten Job bleibt oder eine andere versicherungspflichtige Tätigkeit annimmt. Aber: „Das zahlt sich nur für maximal drei Jahre aus. Danach bringt es nicht viel“, betont Erika Marek, langjährige AK-Pensionsexpertin und Autorin von Fachbüchern wie „Die Pensionen ab dem Jahr 2019“.

Der Bonus gebührt übrigens nicht nur für volle Jahre, sondern aliquot auch, wenn die Pension nur um einige Monate aufgeschoben wird.

Noch ein Zuckerl gibt es für das Weiterarbeiten ohne Pensionsbezug: Für das Gehalt, das die Nichtruheständlerin weiter bezieht, bekommt sie ein klein wenig mehr Netto vom Brutto. Sie zahlt jetzt nur noch den halben Beitragssatz für die Pensionsversicherung, statt 10,25 Prozent bloß 5,125 Prozent.
Wichtig zu wissen: Auch ein Arbeitgeber, der den Wunsch nach Weiterarbeiten seines Arbeitnehmers akzeptiert und weiter Gehalt bezahlt, profitiert. Denn auch für ihn halbiert sich der Anteil des Pensionsversicherungsbeitrags von 12,55 auf 6,275 Prozent. Letzteres ist ebenfalls auf drei Jahre begrenzt und gilt nicht bei Weiterarbeit mit Pensionsbezug – nur ohne.

Wann sich Pensionsverzicht rechnet

Aus all dem lassen sich drei Schlussfolgerungen ziehen. Erstens, die Entscheidung, ob man länger arbeitet oder nicht, hängt von der Lebenserwartung ab, die man sich selbst prognostiziert. Schließlich will man die „Gewinnzone“ nach zwölf bis 16 Jahren auch noch erleben.

Zweitens: Wer gesund ist und heute gut verdient, der sollte seine Pensionsgrundlage für bis zu drei Jahre ruhig noch ein wenig erhöhen. 5.000 Euro Gehalt jetzt und 3.000 Euro Pension dann – das ist ein Rückschritt, der wehtut, ist man einen Lebensstandard erst mal gewohnt. Wer länger arbeitet, kann noch etwas auf die Seite legen.

Anders schaut das aus, wenn man sein Leben lang mit wenig ausgekommen ist. Deshalb streben Geringverdiener meist so schnell wie möglich in die Pension. 1.300 Euro Gehalt jetzt und 1.000 Euro Pension dann, diese Differenz empfinden viele als nicht so groß. Die können sie auch mit einem geringen Zuverdienst wettmachen.

Drittens, Empfehlung speziell für Frauen in der Teilzeitfalle: Wer zwar jetzt gut verdient, wegen vieler Ausbildungs-, Teilzeit-, Kindererziehungs- oder Pflegejahre aber nur eine geringe Pension erwartet, der macht besser weiter. Weil jeder Euro mehr die kleine Pension auffettet.

In Pension gehen und dazuverdienen

Es gibt auch gute Gründe, die Pension zu nehmen und angestellt oder freiberuflich weiterzumachen. Rechtlich steht dem nichts im Weg, bestätigt Brigitte Stögerer, Partnerin und SV-Expertin bei der HFP Steuerberatung. Doch Achtung, in beiden Fällen treibt das die Einkommensteuer nach oben. Im Extremfall katapultiert es auch in eine höhere Steuerklasse: „Selbst dann, wenn jemand Pension bezieht, angestellt dazuverdient und unterjährig von beiden Einkommen brav die Steuer abgeführt wird. Bei der Veranlagung wird aufsummiert. Das kann eine böse Nachzahlung geben“, warnt Stögerer.

Nicht nur die Steuer ist hier ein Thema, auch die Versicherung. Wer in der Pension angestellt weiterarbeitet, muss sich nicht weiter darum kümmern. Er bekommt die Versicherung wie jeder Angestellte automatisch abgezogen.

Wer allerdings freiberuflich dazuverdient, sollte wieder auf die Geringfügigkeitsgrenze achten. Merkt er unterm Jahr, das die Einkünfte nach Abzug etwaiger Betriebsausgaben 5.527,92 Euro übersteigen werden (Stand Jahr 2020), sollte er sich sofort bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) anmelden.

Die erfährt ohnehin vom Finanzamt mit Erstellen des Steuerbescheids davon und fordert ihr Recht ein, nämlich 27,68 Prozent SVA-Beitrag zuzüglich 9,97 Euro Unfallversicherung monatlich. Doch wer sich nicht selbst gemeldet hat und somit „erwischt“ wird, bekommt obendrein 9,3 Prozent Strafzuschlag aufgebrummt – „ein guter Grund, sich allerspätestens mit dem Einreichen der Steuererklärung bei der SVA anzumelden“, rät Stögerer.

Die geleisteten Beiträge erhöhen natürlich auch die Pension, und zwar immer zum 1. Jänner des Folgejahres um ein Prozent der Monatsleistung. Hat etwa jemand ein Jahr lang jeden Monat 1.000 Euro zu seiner Pension dazuverdient, pept das seine Pension am nächsten Jahreswechsel lebenslänglich um 8,57 Euro auf. Zwar bescheiden, aber doch.

Ausbezahlt wird diese Pension zusammen mit der Alterspension der Pensionsversicherungsanstalt PVA. Ist man aktuell selbständig erwerbstätig, muss man sich übrigens nicht extra um die Zusammenführung kümmern, sollte aber Geduld haben. Stögerer: „Die Abstimmung zwischen PVA und SVA dauert lange. Aber rückwirkend stimmt die Summe immer.“ Immerhin: Fortan kann man sich aussuchen, welche der beiden Versicherungskarten man beim Arzt zückt.

Anmerkung: Ab Anfang 2020 heißt die SVA – dann mit der SVB fusioniert – SVS, die Versicherungsmodalitäten bleiben aber die gleichen.

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