Viele Fragen rund um den Urlaub

Wie viel dürfen Chef und Kollegen beim Urlaubswunsch mitreden? Was, wenn man im Urlaub krank wird? Im Folgenden die Antworten.

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Grundsätzlich stehen allen Arbeitern und Angestellten fünf Wochen (= 25 Arbeitstage bei einer üblichen Fünf-Tage-Woche) bezahlter Urlaub pro Arbeitsjahr zu. Dieses Jahr startet mit dem Tag, an dem man ins Unternehmen eingetreten ist. In manchen Unternehmen gilt allerdings das Kalenderjahr als Urlaubsjahr vereinbart.

Nach einer Dienstzeit von 25 Jahren erhöht sich der Urlaubsanspruch auf sechs Wochen oder 30 Arbeitstage.
Manche Kollektivverträge sehen etwas höhere Urlaubsansprüche vor, und auch im Dienstvertrag kann mehr vereinbart werden.
Wer erst kürzer als sechs Monate im Unternehmen ist, bekommt nur anteilig Urlaub zugestanden. Ab Anfang des siebten Arbeitsmonats steht dann der gesamte Jahresurlaub zu.

Wie viel Mitsprache der Chef hat

Einseitig geht hier nichts. Der Zeitpunkt und die Dauer müssen mit dem Arbeitgeber vereinbart werden. Dabei sind einerseits das Erholungsbedürfnis des Arbeitnehmers, andererseits die Erfordernisse des Betriebs zu berücksichtigen. „Es erfolgt also immer eine Interessenabwägung“, erklärt Johann Kalliauer, Arbeiterkammer-Oberösterreich-Präsident und erfahrener Arbeitsrechtsjurist. Was, wenn die Aufträge einfach nie abreißen und die Vorgesetzten daher immer wieder den Urlaubswunsch ablehnen?  „Aufgrund ihrer Fürsorgepflicht haben Arbeitgeber jedenfalls dafür zu sorgen, dass die Gesundheit der Beschäftigten erhalten wird und diese den pro Arbeitsjahr gesetzlich vorgesehenen Erholungsurlaub verbrauchen können“, stellt Kalliauer klar.

. . . und Kollegen?

In manchen Unternehmen gibt es klare Regeln, etwa dass in Schulferien Eltern mit Schulkindern Vorrang bei der Urlaubsplanung haben. Da diese Regel sachlich begründet ist, ist das völlig in Ordnung. „Eine Festlegung von Grundsätzen für den Urlaubsverbrauch ist insofern hilfreich, als damit Klarheit besteht“, so Kalliauer. Bloß müssen die Urlaubsansprüche der anderen Mitarbeiter ebenso erfüllt werden können.

Betriebsurlaub

Wird der Betrieb zu bestimmten Zeiten geschlossen, müssen die Arbeitnehmer  ihren Urlaub währenddessen nur dann konsumieren, wenn dies konkret (am Besten im Vorhinein schriftlich im Arbeitsvertrag) vereinbart wurde. Auch darf nicht der gesamte Jahresurlaub vom Betriebsurlaub erfasst sein.

Krank im Urlaub

Wer im Urlaub krank wird oder verunfallt, muss sich diese Tage nicht als Urlaub anrechnen lassen. Kalliauer: „Wichtig ist die sofortige Meldung, wenn die Krankheit länger als drei Tage dauert.“  Denn nach drei Tagen zählen die Tage des Krankenstandes nicht als Urlaubstage. Notwendig ist auch, die Erkrankung durch entsprechende Bestätigung nachzuweisen – im Inland durch eine Krankmeldung eines Arztes, im Ausland durch eine Bestätigung des Krankenhauses. Etwas mühsam: War man im Ausland „nur“ bei einem Arzt, ist zusätzlich eine behördliche Bestätigung darüber nötig, dass dieser zur Ausübung des Arztberufs zugelassen ist. All das ist dem Arbeitgeber unverzüglich nach Wiederantritt des Dienstes vorzulegen.

Auszahlen lassen?

Die Urlaubstage bleiben mangels Möglichkeit, sich länger freizunehmen, stehen und man fragt sich, ob man sie nicht  in bare Münze umwandeln lassen kann. – Geht nicht. Sinn und Zweck des Urlaubs ist die Erholung, weshalb es nicht erlaubt ist, sich seinen Urlaubsanspruch in Geld ablösen zu lassen. Eine entsprechende Vereinbarung wäre rechtsunwirksam.

Nach Beendigung des Dienstverhältnisses sieht es anders aus. Sofern noch Urlaubsansprüche offen sind und man sich nicht mit dem Arbeitgeber einigen kann, den Urlaub noch bis Ablauf der Kündigungsfrist zu konsumieren (auch hier muss sich der Arbeitnehmer keinen Urlaub aufzwingen lassen!), steht finanziell die sogenannte Urlaubsersatzleistung zu.

Für das aktuelle Urlaubsjahr besteht allerdings nur ein anteiliger Urlaubsanspruch, für Urlaubstage aus Vorjahren besteht er zur Gänze.

Achtung: Für die Tage, für die Urlaubsersatzleistung ausbezahlt wird, besteht zwar eine volle Sozialversicherungspflicht. „Während dieser Sozialversicherungspflicht besteht aber kein Anspruch auf Arbeitslosengeld, damit beginnt dieser Anspruch zeitverzögert“, so Kalliauer.

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