Vorübergehend in Teilzeit

Die neue Wiedereingliederungsteilzeit hilft frisch Gesundeten, sanfter ins Berufs­leben zurückzukommen. Sie ist aber nur eine von mehreren gesetzlich geregelten Teilzeitarbeitsformen: Welche gibt es und wo schießt der Staat Geld zu?

 

Foto: humonia - Thinkstock.com

Keine Frage, Teilzeit arbeiten kann grundsätzlich natürlich jeder, sofern der Arbeitgeber damit einverstanden ist. Die folgenden, gesetzlich speziell geregelten Teilzeitarbeitsformen liefern aber Zusatzvorteile. So haben Jungeltern unter bestimmten Voraussetzungen ein fixes Recht auf Elternteilzeit, der Chef darf dann nicht Nein sagen oder mit Kündigung drohen.

Und in den anderen Fällen schießt der Staat in irgendeiner Form Geld zu, damit man trotz vorübergehend reduziertem Gehalt weiter über die Runden kommt. Schlicht, weil es sich um jeweils gesellschaftlich oder arbeitsmarktpolitisch gewünschte Arbeitszeitreduktionen handelt.

Wiedereingliederungsteilzeit

Die neueste Kreation ist die Wiedereingliederungsteilzeit. Sie soll lange Erkrankten eine schonende Rückkehr in ihren Job ermöglichen. „Wer etwa eine Krebserkrankung oder einen Burn-out kürzlich überwunden hat, aber mit einer 40-Stunden-Woche noch überfordert wäre, kann so dosiert wieder anfangen“, erklärt Brigitte Hutterer, Leiterin der AK-Sozialrechtsabteilung Vorarlberg.

Grundvoraussetzung ist stets ein vorausgegangener mindestens sechswöchiger Krankenstand. Zum Auskurieren kleinerer Wehwehchen ist sie ­also nicht gedacht. Start für die neue Teilzeitform ist der 1. Juli 2017. Krank sein kann man freilich schon vorher. „Auch die Vorarbeiten kann ich schon davor erledigen: die Beratung von Arbeitnehmer und -geber mit einem Arbeitsmediziner oder fit2work, die Ausarbeitung des vorgesehenen Wiedereingliederungsplans und die schriftliche Vereinbarung über die vorübergehende Herabsetzung der Normalarbeitszeit zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber“, schildert Hutterer.
Erst ab 1. Juli können aber folgende, für die endgültige Wirksamkeit der Vereinbarung nötige Dinge erledigt werden: „Die chefärztliche Bewilligung der Wiedereingliederungsteilzeit“, so Hutterer, „und die Gesundschreibung.“

Denn das im Detail doch ziemlich komplizierte rechtliche Konstrukt sieht vor, dass man formal gesund sein muss, damit die Wiedereingliederungsteilzeit bewilligt wird. Und wann wird diese bewilligt? „Der Chefarzt wird die Zweckmäßigkeit dann sehen, wenn ansonsten die Gefahr bestünde, dass der Arbeitnehmer bei sofortiger Vollzeit in die Krankheit zurückfällt“, erklärt Hutterer.  Angenommen, man hat sechs Wochen Krankenstand aufgrund eines Bandscheibenvorfalls samt Operation hinter sich, wäre man ein Kandidat. Die vorübergehende Teilzeitregelung kann so aussehen: „Erst fängt man  mit vier Stunden am Tag an und steigert das dann über die Wochen“, schildert Hutterer. Zwölf Stunden Wochenarbeitszeit dürfen auch zu Beginn nicht unterschritten werden, über die Gesamtdauer der Teilzeitphase gerechnet müssen aber zwischen 50 bis 75 Prozent des bisherigen Umfangs gearbeitet ­werden.

Zwischen einem und sechs Monaten darf die Wiedereingliederungsteilzeit grundsätzlich dauern, eine Verlängerung (wieder vom Chefarzt bewilligt) auf insgesamt  neun Monate ist möglich.
Damit der finanzielle Verlust durch die verkürzte Arbeitszeit nicht so groß ist, springt der Staat ab Juli ein: Zusätzlich zum verminderten Gehalt wird das sogenannte Wiedereingliederungsgeld ausbezahlt, das im Ausmaß des erhöhten Krankengeldes (entspricht 60 Prozent des Brutto-Monatsgehalts) gebührt, aliquotiert je nach der vereinbarten Arbeitszeitreduktion.

Elternteilzeit

Damit Jungeltern Kinder und Beruf besser unter einen Hut bekommen, wurde vor Jahren die sogenannte Elternteilzeit geschaffen. Leider, aus Elternsicht, „hat man in vielen Betrieben allerdings keinen Anspruch auf sie“, ergänzt Hutterer. Denn die Regelung gilt nur für Arbeitnehmer in Betrieben, die mehr als 20 Arbeitnehmer beschäftigen. Die sonstigen Voraussetzungen für Eltern:

 

  • das Kind hat den 7. Geburtstag noch nicht gefeiert,
  • das Arbeitsverhältnis beim aktuellen Arbeitgeber hat bereits drei Jahre ununterbrochen angedauert, und
  • der Elternteil lebt mit dem Kind im gemeinsamen Haushalt bzw. ist obsorgeberechtigt,
  • und: der andere Elternteil darf nicht gleichzeitig für dasselbe Kind in Karenz sein.

Trifft das alles zu, hat man einen Rechtsanspruch auf Herabsetzung der bisherigen Arbeitszeit – und der Arbeitgeber nur recht eingeschränkte Möglichkeiten, dagegen vorzugehen.
Noch dazu genießt der Arbeitnehmer Kündigungsschutz: Bis vier Wochen nach Ende der Elternteilzeit bzw. bis spätestens vier Wochen nach dem vierten Geburtstag des Kindes.
Und wie darf man die Arbeitszeit absenken?

  • Für Geburten bis 31. 12. 2015 kann sich der Arbeitnehmer sogar frei aussuchen, in welchem Ausmaß er künftig arbeiten will. Das sorgte verständlicherweise nicht selten für Unmut bei Arbeitgebern.

Für ab 1. 1. 2016 geborene Kinder ist der Gesetzgeber daher wieder ein wenig zurückgerudert: eine Arbeitszeitreduktion von mindestens 20 Prozent der wöchentlichen Normalarbeitszeit ist nun nötig. Und nach unten hin darf nun maximal auf zwölf Stunden pro Woche reduziert werden. Bedeutet: Bei einer 40-Stunden-Woche liegt die Bandbreite nun zwischen zwölf und 32 Wochenstunden.

Gibt es weitere Dinge, die man bedenken sollte? „Es passiert leider oft, dass man danach nicht mehr in die alte Tätigkeit kommt“, schildert Hutterer. Und einen Hinweis hat sie, um die bisher eher geringe Männerquote zu heben: „Man muss nicht unbedingt die Arbeitszeit reduzieren, man kann auch eine Änderung der Lage der Arbeitszeit fordern“, so Hutterer.

Bildungsteilzeit

Seit 2013 ist neben der Bildungskarenz auch eine Bildungsteilzeit möglich. Arbeitnehmer und Arbeitgeber können dabei (schriftlich) eine Herabsetzung der Normalarbeitszeit zwischen 25 Prozent und 50 Prozent vereinbaren – zumindest müssen aber zehn Stunden pro Woche gearbeitet werden. Die gewonnene Zeit ist dann für Bildungszwecke zu nützen. Innerhalb eines Rahmenzeitraums von vier Jahren können maximal 24 Monate Bildungsteilzeit vereinbart werden, jeder einzelne Teil muss mindestens vier Monate dauern.
Weitere Voraussetzungen:

 

  • Das Dienstverhältnis muss davor zumindest ununterbrochen sechs Monate gedauert haben,
  • außerdem dürfen bei einem Unternehmen bis zu 50 Mitarbeitern maximal vier Arbeitnehmer die Bildungsteilzeit in Anspruch nehmen (bzw. maximal acht Prozent der Mitarbeiter bei größeren Unternehmen).

Als finanziellen Ausgleich zahlt das AMS ein Bildungsteilzeitgeld in Höhe von maximal 474 Euro bei Reduktion um 20 Wochenstunden aus. Basis ist hier ein fixer Stundensatz. Zum Vergleich: Bei der Bildungskarenz steht Weiterbildungsgeld in Höhe des fiktiven Arbeitslosengeldes zu, dieses ist also einkommensabhängig.

Freilich müssen dafür auch Nachweise für die Weiterbildung erbracht werden. „Es muss für die Bildungsteilzeit eine mindestens zehnstündige Weiterbildungsmaßnahme pro Woche besucht werden. Umfasst sie nur eine geringere Stundenanzahl, ist nachzuweisen, dass zur Erreichung des Ausbildungsziels zusätzliche Lern- und Übungszeiten in insgesamt vergleichbarem Ausmaß erforderlich sind“, erklärt AMS-Experte Horst Friedrich.
Studiert man an einer Fachhochschule, Universität oder an einem Kolleg, ist nach jeweils sechs Monaten ein Nachweis über die Ablegung von Prüfungen zu erbringen, und zwar im Ausmaß von mindestens vier ECTS-Punkten (= zwei Semesterwochenstunden) pro Semester. Auch Fremdsprachenlehrgänge werden akzeptiert, wenn man das Stundenausmaß erreicht; Yogakurse und ähnlich Hobbynahes zählen nicht, es sei denn, „wenn es sich um eine dezidierte Ausbildung handelt“, so Friedrich. In  Zweifelsfällen sollte man dies vorab beim AMS-Kontakt abklären.

Beantragt wird das Bildungsteilzeitgeld beim AMS, dazu ist eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber (Formular auf www.ams.at) vorzulegen.  Ein Massenprogramm ist Bildungsteilzeit übrigens nicht: 2016 wurde  16.634 Personen Bildungskarenzgeld zuerkannt, beim Bildungsteilzeitgeld waren es 4.510 Personen bundesweit.

Pflegeteilzeit

Neben der etwas bekannteren Pflegekarenz ist auch Pflegeteilzeit möglich. Der Vorteil auch hier: Man bleibt im Berufsleben, verliert nicht den Anschluss und hat meist mehr Geld zur Verfügung als beim völligen Ausstieg.
Voraussetzung ist, dass ein naher Angehöriger mit Pflegegeldbezug ab Stufe 3, ein demenziell erkrankter oder minderjähriger naher Angehöriger ab Pflegestufe 1 gepflegt werden muss. 

Zudem muss der Arbeitgeber einverstanden sein und das Arbeitsverhältnis davor schon mindestens drei Monate lang ununterbrochen angedauert haben. Und: es darf nicht bloß eine geringfügige Beschäftigung sein.
Wichtig: Als nahe Angehörige zählen Ehepartner, eingetragene Partner oder Lebensgefährten, deren Kinder, Eltern, Großeltern, Kinder und Enkelkinder, Geschwister, Schwiegereltern und Schwiegerkinder.
Um einen finanziellen Ausgleich für das vorübergehend reduzierte Einkommen zu erhalten, gibt es das sogenannte Pflegekarenzgeld (heißt auch bei der Teilzeitvariante so). Dafür ist beim Sozialministeriumservice (www. sozial­minis­teriumservice.at) ein Antrag zu stellen, und zwar innerhalb von 14 Tagen ab Beginn der Pflegeteilzeit.

Das Pflegekarenzgeld ist einkommensabhängig und gebührt in derselben Höhe wie das Arbeitslosengeld (mindestens aber in Höhe der monatlichen Geringfügigkeitsgrenze). Zuschläge gibt es bei unterhaltsberechtigten Kindern. Die Bezugsdauer pro pflegebedürftigem Angehörigen sind maximal sechs Monate, bei Erhöhung um mindestens eine Pflegestufe sind insgesamt maximal zwölf Monate möglich.

Altersteilzeit oder Teilpension

Fit und motiviert genug für 20 oder 30 Stunden pro Woche fühlt man sich noch, aber 40 Stunden? Wer sich so fühlt und als Mann bereits 58, als Frau zumindest 53 Jahre alt ist, könnte sich mit seinem Arbeitgeber auf Altersteilzeit einigen.
Die Normalarbeitszeit kann dabei auf 40 bis 60 Prozent verringert werden. Möglich ist die Altersteilzeit als

  • „echte“ gleichbleibende Arbeitszeitreduzierung (Teilzeit) oder
  • als Blockzeitmodell (erst Vollzeit, dann Freizeitphase).

Als Anreiz erhalten Arbeitnehmer zusätzlich zur – anteilig reduzierten – Entlohnung vom Arbeitgeber vom AMS einen Lohnausgleich dazu. Und zwar mindestens 50 Prozent des Differenzbetrags zwischen altem und neuem Gehalt (Obergrenze: Höchstbeitragsgrundlage). Wer also z. B. um 50 Prozent weniger arbeitet, erhält insgesamt 75 Prozent seines alten Gehalts bezahlt.  Die Beiträge zur Sozialversicherung sind übrigens in gleicher Höhe vom Arbeitgeber weiterzuleisten, was gut für die Pension ist. Weitere Voraussetzungen:

  • In den letzten 25 Jahren muss man mindestens 15 Jahre lang arbeitslosenversicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein;
  • die Altersteilzeit ist schriftlich mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren,
  • dieser ist damit einverstanden und
  • maximal fünf Jahre darf die Altersteilzeit dauern (spätestes Ende: Regelpensionsalter).

Tipp: Wer bereits mindestens  62 Jahre alt ist – betrifft derzeit also  nur Männer –, darf auch die erst 2016 geschaffene Teilpension nützen, die faktisch genauso funktioniert. Doch Arbeitgeber freuen sich über die Teilpension mehr: Während sie bei der Altersteilzeit nur 90 Prozent beziehungsweise 50 Prozent (bei der geblockten Variante) an Kostenersatz vom Staat erhalten, sind es bei der Teilpension 100 Prozent.

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