Nur Eheleute erben automatisch

Ein Todesfall ohne Testament bedeutet für Lebensgefährten oft auch finanzielle Probleme. Ein Testament ist daher sinnvoll.

 

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Trotz aller avisierter Erbrechtsreformen, es ist nach wie vor so: Das Erbrecht kennt Ehegatten (und mittlerweile Eingetragene Partner), es kennt Kinder und sonstige Nachfahren, Eltern und andere Verwandte – aber es kennt keine Lebensgefährten. Und damit erbt man ohne extra verfasstes Testament exakt gar nichts von seinem Partner. Egal, ob man drei Monate oder 30 Jahre zusammen war.

Das kann dramatische Folgen haben: „Angenommen, ein unverheiratetes Paar baut zusammen ein Haus, auf dem Grundstück des einen, nur Letzterer steht im Grundbuch, und er verstirbt plötzlich. Sind Kinder da, erben diese, ohne Kinder erben es die Eltern, der überlebende Partner erhält nichts und muss womöglich gleich ausziehen“, schildert Notar Ulrich Voit. Sind es gemeinsame Kinder, kann die Familie zumindest weiter darin wohnen, der überlebende Elternteil muss aber dem Pflegschaftsgericht berichten, das über das ererbte Vermögen von Minderjährigen zu wachen hat. Größere Verfügungen über das Haus sind kaum möglich. Besser: „Den Partner schon zu Lebzeiten anteilig im Grundbuch eintragen, und ihn als Alleinerben einsetzen“, so Voit.

Ehegatten dagegen erben jedenfalls, auch ohne Testament: Ein Drittel neben Kindern des Erblassers bzw. zwei Drittel, wenn keine Kinder da sind – den Rest erben dann die Eltern des Erblassers bzw. dessen Geschwister, sollten die Eltern schon verstorben sein.

Verheiratete erben übrigens auch, wenn sie de facto schon längst getrennt leben. Nur eine Scheidung beendet das gesetzliche Erbrecht. – Mit Testament kann man aber jeden gesetzlichen Erben auf seinen Pflichtteil verkürzen, womit beispielsweise ein getrennt lebender Ehegatte, wenn der Erblasser auch Kinder hat, statt einem Drittel nur noch ein Sechstel erben würde. Was für Ehegatten gilt, gilt auch für Eingetragene (gleichgeschlechtliche) Partnerschaften.

Todesfall im Eigentum

Der Partner, dem die Wohnung gehört, stirbt. Muss der andere ausziehen? Der Ehepartner darf jedenfalls bleiben, als Teil des sogenannten gesetzlichen Vorausvermächtnisses – „selbst wenn es sich um die Villa handelt, die nach dem Willen des Erblassers die Kinder aus erster Ehe erben sollen“, schildert Voit.

Unverheiratete sind dagegen automatisch gar nicht abgesichert. Wohnung oder Haus fallen an die gesetzlichen Erben (Kinder oder auch Eltern des Verstorbenen). Nur wenn mit einem Testament vorgesorgt wurde, in dem der Lebensgefährte als (Universal-)Erbe eingesetzt ist, wird an ihn bzw. sie vererbt. Den gesetzlichen Erben bleibt aber der Pflichtteil.

Todesfall im Miteigentum

Die gemeinsam bewohnte Eigentums- wohnung steht im Miteigentum der Lebensgefährten, einer stirbt. Was nun? Dank des Miteigentums (beide stehen je zur Hälfte im Grundbuch) können die Erben des einen dem überlebenden Lebensgefährten die Wohnung nicht streitig machen. Er darf weiter in der Wohnung wohnen und nach § 14 WEG geht im Todesfall automatisch der Anteil des Verstorbenen ins Eigentum des hinterbliebenen Partners über. Als Gegenleistung muss er allerdings die Hälfte des Verkehrswerts des an ihn übergegangenen Anteils in die Verlassenschaft einzahlen („Übernahmspreis“). Daraus werden dann die Ansprüche der anderen Erbberechtigten bedient. Besser ist es noch, wenn Lebensgefährten schon zu Lebzeiten für einander vorsorgen: „Mittels Schenkung des Wohnungsanteils auf den Todesfall oder per Testament, kann man den Partner von der Zahlung befreien. Nur von der Zahlung des Pflichtteils naher Angehöriger gibt es keine Befreiung“, so Rechtsanwalt Martin Aringer.

Verheiratete Paare sind dagegen klar im Vorteil. Haben sie ein dringendes Wohnbedürfnis, brauchen sie keinen Übernahmspreis zu zahlen. Sind aber andere Pflichtteilsberechtigte (z. B. Kinder, Eltern) da, „müssen sie nur 25 Prozent – statt 50 Prozent – des Wertes der Wohnungshälfte in die Verlassenschaft zahlen“, so Rechtsanwältin Manuela Maurer-Kollenz.

Bei Häusern gibt es keine speziellen Regelungen, die Anteile werden wie jedes andere Erbe im Rahmen des Erb- rechts aufgeteilt.Nicht verheiratete Partner sollten auch hier unbedingt per Testament vorsorgen. 

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