Darf man Messies die Wohnung kündigen?

Dieses Gerichtsurteil ging zu Gunsten des Vermieters aus, da durch die Müllsammlung des Mieters große Brand- und Ungeziefergefahr herrschte.

Illustration: Markus Murlasits

Herr A. war seit 1959 Mieter in einer Wohnhausanlage. Der Mann entwickelte mit der Zeit eine gewisse Sammelleidenschaft, die sich zu einer psychischen Erkrankung auswuchs, dem sogenannten Messie-Syndrom. Bücher, Zeitschriften, Kleidung und technische Geräte stapelten sich meterhoch in der stark verschmutzten Wohnung. Zwischen den Müllstapeln blieben nur noch schmale Gänge. Der Vermieter hatte Sorgen wegen der Verbreitung von Ungeziefer und Geruchsbelästigung. Auch waren die Lüftungsschlitze der Elektrogeräte mit Büchern und Wäsche abgedeckt, was zu einem Brand hätten führen können. Ein erheblich nachteiliger Gebrauch der Wohnung, meinte der Vermieter und kündigte den Mietvertrag.

Der Mieter zog nicht aus. Schließlich hätte es bisher nie Probleme mit ihm gegeben. Die gelagerten Dinge seien auch nicht verderblich und die Geruchsbelästigung würde nicht aus der Wohnung in das Stiegenhaus dringen. Dass er am Messie-Syndrom leide, gestand Herr A. ein. Deswegen besuche er aber regelmäßig eine Selbsthilfegruppe. Er war sich also seiner Krankheit bewusst. Die vor dem Lokalaugenschein des Richters unternommenen Entrümpelungsversuche blieben allerdings erfolglos.

Das Gericht musste zwischen den psychischen Problemen und den möglichen Gefahren für die Hausbewohner abwägen. Wie hat es entschieden?

Recht bekommen hat . . .

. . . der Vermieter. Der OGH sah ei- nen erheblich nachteiligen Gebrauch der Wohnung bestätigt. Die psychischen Probleme sind bei einer Kündigung des Mieters zu berücksichtigen. Angesichts der erheblichen Brand- und Ungeziefergefahr könne die Interessenabwägung aber nicht zugunsten des Mieters ausgehen. Auch war für die Richter keine Verhaltensänderung absehbar, obwohl Herr A. seine Krankheit erkannt hatte und die Selbsthilfegruppe besuchte. Weder seien die Entrümpelungsversuche erfolgreich gewesen, noch hatte er eine zielführende Therapie in Anspruch genommen. Wermutstropfen für den Vermieter: Zwischen Kündigung und endgültigem Urteil vergingen fast zwei Jahre. 

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.