Urheber aus dem Jenseits

Eine spiritistische Sitzung ergab: Wesenheit „Theobald“ wollte doch lieber nicht beim Namen genannt werden.

Foto: Astrobobo – Thinkstock.com

Die Klägerin bezeichnet sich als „Schreibmedium“, das mit der Wesenheit „Theobald“ kommuniziert. Aus dem Jenseits soll es ihr Mitteilungen und Antworten auf Fragen eingeben, die sie sodann in einer „weltweit einzigartigen Weise“ niederschreibt, und zwar auf dem Kopf stehend in einer von rechts nach links in rasender Geschwindigkeit ausgeführten Schrift. Die Erst- und Zweitbeklagten veröffentlichten im Verlag der Drittbeklagten ein Buch mit dem Titel „Unglaubliche Gesundheitsreisen“, in dem auch Antworten von Theobald abgedruckt sind. Im Buch wird aber weder der Name Theobald genannt noch jener der Klägerin, vielmehr das Pseudonym „Justinus“. Vorab hatten die Beklagten mit der Klägerin gesprochen. Erst ließ sie diese – via Theobald – wissen, dass das Buch unter ihrem Namen und mit Nennung von Theobald erscheinen solle. Später bestand sie allerdings darauf, dass aus Sicherheitsgründen alle Namen verändert werden sollten. Der OGH (4 Ob 259/14p, 20. 1. 2015) bestätigte nun die Abweisung des auf Unterlassung des Druckes und der Verbreitung bestimmter Text passagen gerichtete Klagebegehrens.

Der Urheber eines Werks bestimmt stets, ob die Urheberbezeichnung durch Angabe des wahren Namens oder eines Decknamens geschehen soll. Er hat damit auch das Recht, anonym zu bleiben. Im Hinblick auf die Erklä- rungen der Klägerin ist es jedenfalls vertretbar, die zwischen den Streitteilen getroffene Vereinbarung dahin auszulegen, dass die Klägerin mit der Veröffentlichung ihres Sprachwerks ohne Nennung ihres Namens als Urheberin einverstanden war, und auch damit, „Theobald“ einen anderen Namen zwecks Anonymisierung zu geben. 

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