Gesellschaftsform, Steuern & Co.: Start-Ups richtig gründen

Ist eine GmbH klüger und was kostet sie? Was sollte ich im Gesellschaftsvertrag unbedingt regeln? Muss ich mich als GmbH-Gesellschafter anstellen lassen? – Im Folgenden gibt’s die Antworten.

Die Jungunternehmer Markus Bernhart, Geschäftsführer von ready2order (links hinten) sowie Clemens Helm und Wendelin Amtmann von ChillBill (rechts) beim Beratungstermin mit den Steuerberatern Barbara Hölzl und David Gloser (Mitte) von ECOVIS Austria (Foto: Pepo Schuster, austrofocus.at)

„Die Firmengründung funktionierte relativ gut, aber die hohen Lohnnebenkos­ten sind für Jungunternehmer kaum tragbar, jedes Dienstverhältnis muss wirklich gut überlegt werden“, schildern Clemens Helm und Wendelin Amtmann, Gesellschafter-Geschäftsführer von ChillBill, ihre jüngsten Erfahrungen. 

Willkommen in der Welt der Start-ups! Einer boomenden Welt – noch nie haben in Österreich so viele junge Leute den Weg in das Unternehmertum gewagt.  Mit dem Gründen häufen sich allerdings auch die Rechtsfragen rund um Steuer, Rechtsform und vieles mehr. 

GmbH, what else?

Die Rechtsformfrage wird bei Gründungsgesprächen oft gestellt und kann natürlich ausgiebig diskutiert werden. In der Gründungspraxis von Start-ups hat sich klar herauskristallisiert, dass man um die GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) mittelfristig nicht herumkommt.

Manche gründen zwar ganz am Anfang ein Einzelunternehmen oder eine Offene Gesellschaft (OG). Beispielsweise beginnen sie so damit, gemeinsam mit Partnern IT zu entwickeln. Will man aber auf dem Markt gestärkt auftreten, werden diese Unternehmen schnell in eine GmbH eingebracht. Dieser Vorgang kann unter Anwendung des Umgründungssteuerrechts auch steuerneutral – ohne Aufdeckung des Firmenwerts – durchgeführt werden. Spätestens vor einem Investoreneinstieg – egal ob Finanzinvestor oder Business Angel – muss die GmbH ­„stehen“.

Ab 5.000 Euro in bar 

Das Stammkapital, das durch die Gesellschafter aufzubringen ist, muss mindestens 35.000 Euro betragen, die Hälfte davon in Bareinlagen. Seit 1. 3. 2014 ist es möglich, gründungsprivilegiert zu gründen. 

Das Stammkapital beträgt hier zwar auch unverändert 35.000 Euro, allerdings kann bei Gründung vereinbart werden, dass die gründungsprivilegierten Stammeinlagen auf 10.000 Euro herabgesetzt werden, davon sind mindestens 5.000 Euro in bar einzuzahlen. Diese Gründungsprivilegierung besteht für maximal zehn Jahre ab Eintragung in das Firmenbuch, danach muss auf das volle Stammkapital aufgestockt werden. 

Für die Gründung einer GmbH ist ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag in der Form eines Notariatsakts notwendig. Die Kosten dafür sind in den letzten Jahren gesunken, die Gründung (mit Notar bzw. Rechtsanwalt und Steuerberaterkosten) kostet je nach Komplexität zwischen 1.000 und 2.000 Euro. 

Welche Punkte sollen unbedingt im Gesellschaftsvertrag stehen?

Folgendes sollte in einem GmbH-Vertrag bzw. Syndikatsvertrag des Start-ups geregelt werden:

  • Austritt, Aufgriffsrechte, Vorkaufsrechte,
  • die notwendigen Mehrheiten bei wichtigen Entscheidungen (Investitionen, Kapitalerhöhungen, Gewinnfeststellung etc.),
  • Mitverkaufsrechte bzw. Mitverkaufsverpflichtungen der  Gesellschafter beim Verkauf (Exit) der Anteile.

Insbesondere beim Investoreneinstieg sind die Regelungsinhalte detailliert zu verhandeln! 

Muss ein GmbH-Gesellschafter unbedingt angestellt werden?

Meistens arbeiten die Gesellschafter auch beim Start-up mit, entweder in der Funktion des Geschäftsführers oder sie sind einfach ohne Organfunktion tätig. Aufgrund der am Anfang bestehenden Geldknappheit möchte man natürlich die Bezüge sehr variabel gestalten, sodass in manchen Phasen (leider) nur sehr wenig an die mitarbeitenden Founder ausbezahlt werden kann.

Dieser Wunsch kollidiert aber mit den Regelungen des österreichischen Sozialversicherungsrechts, das bei Vorliegen von Dienstverhältnissen vor-sieht, dass nach dem sogenannten Anspruchs­prinzip (laut Kollektivvertrag) die SV-Beiträge zu bezahlen sind. Was tun dagegen?  

Unterliegen die Geschäftsführer nicht dem anzuwendenden Kollektivvertrag (wie beispielsweise dem IT-Kollektivvertrag), kann ihre Entlohnung privatautonom vereinbart werden.

Beim mitarbeitenden Gesellschafter einer gewerbescheinpflichtigen GmbH (bis 50 Prozent beteiligt) ohne Geschäftsführer-Befugnis ist es manchmal möglich, auch freie Dienstverträge (somit ohne kollektivvertragliches Mindestentgelt) zu gestalten. 

Leicht haben es die zu 50 Prozent oder mehr Beteiligten: In diesem Fall liegt generell kein ASVG-Dienstverhältnis vor. Auch zwischen 25,01 und 49,9 Prozent Beteiligte sind dann aus dem ASVG draußen, wenn eine sogenannte Sperrminorität vorliegt (Verhinderung von wesentlichen Generalversammlungsbeschlüssen möglich).

Förderungen beim Gründen?

Im Rahmen der Gründung können Erleichterungen aufgrund des Neugründungs-Förderungsgesetzes (NeuFöG) in Anspruch genommen werden. Als Neugründer gelten Betriebsinhaber, die innerhalb der letzten fünf Jahre nicht in vergleichbarer Art bereits selbständig tätig waren. Sie erhalten Vergünstigungen und es entfallen insbesondere bei Gründung Stempelgebühren, Bundesverwaltungsabgaben sowie Gerichtsgebühren für die Eintragung im Firmenbuch. Außerdem werden Teile der Lohnnebenkosten (z. B. Dienstgeberbeitrag samt Zuschlag ) für einen bestimmten Zeitraum nicht eingehoben.

Daneben bieten auch diverse Ins­titutionen wie aws, FFG und die Wirtschaftsagentur eine breite Palette an Förderungen für Start-ups an. Diese reichen von direkten finanziellen Zuschüssen (z. B. Start-up-Scheck, PreSeed-Zuschüsse, Seedfinancing) bis zu Garantieübernahmen für betriebliche Kredite. Aufgrund der großen Auswahl und Komplexität des österreichischen Förderwesens ist jedoch ein direktes Beratungsgespräch mit der jeweiligen Förderstelle unbedingt ratsam.

Wie funktionieren Mitarbeiterbeteiligungen? 

Um wichtige erste Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden und sie ein wenig als „Mitbegründer des Unternehmens“ fühlen zu lassen, gibt es mit „Phantom Shares“, „Phantom Stocks“ oder auch „Employee Stock Option Programs“ (kurz: ESOP) ein geeignetes Werkzeug. ESOPs ermöglichen es zudem, dem Start-up Geld einzusparen, das sonst unter Umständen für höhere Gehälter notwendig wäre. 

Das Modell der „Phantom Shares“ erstellt „virtuelle Geschäftsanteile“, die erst dann einen tatsächlichen Geldwert darstellen, wenn das Start-up beim Exit einen Erlös erzielt. In dieser logischen Sekunde wird ein zuvor definierter Betrag des Exit-Erlöses im Rahmen des Mitarbeiterprogrammes an die berechtigten Personen verteilt. Wodurch die Steuerpflicht auf einen Zeitpunkt verschoben wird, zu dem die finanziellen Mittel fließen. Außerdem entsteht die Steuerschuld überhaupt nur dann, wenn es zu einem erfolgreichen Exit kommt.

Wie viel Steuer wird beim Exit fällig?

Last, but not least wirft der Exit Steuerfragen auf. Ein erfolgreicher Exit eines GmbH-Anteils wird mit 27,5 Prozent Einkommensteuer besteuert. Von dem Veräußerungserlös werden die ursprünglichen Anschaffungskosten (im Falle eines Gründungsgesellschafters somit in der Regel seine anteilig eingezahlte Stammeinlage) abgezogen. Der daraus resultierende Veräußerungsgewinn ist Bemessungsgrundlage für die Steuer. Im Rahmen der Einkommensteuererklärung ist dies entsprechend anzugeben und zu veranlagen.

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