Was bringt die Steuerreform?

Ein dickes Paket an Abgabensenkungen ist es geworden, dazu einige neue Förderungen und auf der Soll-Seite der Einstieg in eine CO2-Bepreisung. Im Folgenden ein Überblick.

(Fotos: BKA/Christopher Dunker)

Wie schon im Regierungsprogramm vereinbart, werden nun die nächsten Tarifsenkungen durchgezogen.
Die 2. Tarifstufe wird von 35 auf 30 Prozent verringert, die 3. Tarifstufe von 42 auf 40 Prozent. In Kraft treten soll die Senkung der 2. Tarifstufe mit Juli 2022, die Senkung der 3. Tarifstufe mit Juli 2023.

Zur Erinnerung: Die 1. Steuerstufe wurde bereits im Jahr 2020 von 25 auf 20 Prozent reduziert.

Zur allseits geforderten Verringerung der Lohnnebenkosten kam es zwar nicht. Als Minimalschritt ist nun aber eine Absenkung der Krankenversicherungsbeiträge bei niedrigeren Einkommen sowie Pensionen geplant. Laut Finanzministerium sollen die KV-Beiträge bei Arbeitnehmern und Selbständigen bis zu einem monatlichen Bruttobezug von 2.500 Euro bzw. bei Pensionisten bis zu einem monatlichen Bruttobezug von 2.200 Euro um bis zu 1,7 Prozentpunkte verringert werden. Und zwar bereits ab 1. Juli 2022.

Noch mehr Familienbonus Plus

Ebenfalls ab Juli 2022 wird der Familienbonus Plus von bisher 1.500 Euro auf 2.000 Euro pro Kind und Jahr erhöht. Da die Erhöhung Mitte des Jahres eingeführt wird, werden für 2022 pro Kind erst mal bloß 250 Euro mehr gutgeschrieben werden, ab 2023 dann um 500 Euro mehr.

Voraussetzung ist weiterhin, dass man ausreichend Lohn- bzw. Einkommensteuer zahlt, nach wie vor muss für das Kind österreichische Familienbeihilfe bezogen werden. Es bleibt auch die Möglichkeit bestehen, den Familienbonus Plus im Rahmen der Lohnverrechnung (mittels Formular E30) zu beantragen, wodurch man bereits laufend weniger Steuer abgezogen bekommt. Berücksichtigt der Arbeitgeber schon bisher den Familienbonus Plus, soll ab Juli 2022 der höhere Betrag laut Finanzministerium automatisch Berücksichtigung finden.

Für Kinder unter 18 Jahren, für die man Familienbeihilfe bezieht, stehen grundsätzlich also in Zukunft 2.000 Euro Familienbonus Plus zu. Für Kinder ab 18 Jahren, für die noch Familienbeihilfe bezogen wird, erhöht sich der Bonus dagegen von bisher 500 auf 650 Euro jährlich.

Und für Alleinverdiener bzw. Alleinerzieher, die mangels guten Jobs nicht ausreichend Steuern bezahlen, um den Familienbonus Plus zu erhalten, wird der sogenannte Kindermehrbetrag künftig zumindest von 250 auf 450 Euro jährlich erhöht (für das halbe Jahr 2022 sind das 100 Euro mehr, ab 2023 dann 200 Euro mehr).

Mitarbeitererfolgsbeteiligung

Bereits ab 1. Jänner 2022 sollen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern zusätzlich zu Lohn oder Gehalt eine Erfolgsbeteiligung von bis zu 3.000 Euro steuerfrei ausbezahlen können. „Was es bisher schon gab, war die Möglichkeit einer Mitarbeiterbeteiligung bei Kapitalgesellschaften, die bis zu 3.000 Euro pro Jahr steuerfrei war“, schildert Steuerberater Christoph Puchner, Geschäftsführer bei Ecovis Austria. Konkret werden schon bisher Vorteile aus unentgeltlichen oder verbilligten Abgaben von Kapitalanteilen des Arbeitgebers bis zu 3.000 Euro jährlich nicht vom Einkommensteuergesetz erfasst. Puchner ergänzt: „Künftig soll das also auch ohne Beteiligung am Unternehmen und voraussichtlich auch unabhängig von der Unternehmensform des Arbeitgebers möglich sein.“

Freilich: Wie die Abgrenzung im Detail ausgestaltet werden wird, was als steuerfreie Gewinnbeteiligung gilt und was sehr wohl als steuerpflichtige Prämie, ist noch offen.

Senkung der KöSt

Wie schon im Regierungsprogramm geplant, wird nun die Senkung der Körperschaftsteuer (KöSt) angegangen. War seinerzeit noch von 21 Prozent KöSt die Rede, sind es nun „nur“ 23 Prozent geworden.

Die Senkung erfolgt stufenweise: Im Jahr 2023 ist eine Absenkung von bisher 25 Prozent auf 24 Prozent geplant, im Jahr 2024 dann auf 23 Prozent. Laut Finanzministerium soll das bis zu 150.000 österreichische Unternehmen entlasten, in erster Linie GmbHs und Aktiengesellschaften, aber auch Genossenschaften oder Vereine.

Noch etwas: Von der Abschaffung der Mindest KöSt, die laut Regierungsprogramm geprüft werden sollte, war bis Redaktionsschluss nichts zu hören.

Gewinnfreibetrag erhöht

Als Trostpflaster für alle anderen Selbständigen und Unternehmen, die von der KöSt-Senkung nicht profitieren, ist auch eine Erhöhung des Gewinnfreibetrags geplant, und zwar bereits ab dem Jahr 2022. Konkret soll der Grundfreibetrag des Gewinnfreibetrags ab nächstem Jahr von bisher 13 auf 15 Prozent erhöht werden.

Nichts mehr zu hören war bisher von den Plänen laut Regierungsprogramm, den Grundfreibetrag auf 100.000 Euro auszuweiten.

Geringwertige Wirtschaftsgüter

Ein weiteres Mal erhöht wird die Wertgrenze für die Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter (kurz GWG). Wurde die Maximalhöhe erst im Jahr 2020 von 400 auf 800 Euro erhöht, wird sie künftig 1.000 Euro betragen. Das stand bereits Anfang 2020 so im Regierungsprogramm, nun ist aber auch endlich das Startdatum publik: Und zwar ab 1.1.2023.

Was bisher noch nicht wieder aufgetaucht ist, was im Regierungsprogrammstand: Eine Erhöhung der Wertgrenze auf 1.500 Euro, wenn es sich um GWG mit besonderer Energieeffizienzklasse handelt.

Investitionsfreibetrag

Schon früher gab es ihn, und nun ist ein neuerlicher Einsatz geplant: Ein Investitionsfreibetrag. „Das ist an sich nichts Neues, die Frage wird nur sein, für welche Anlagegüter im Detail er gelten wird“, so Puchner. Insgesamt sollen bis zu 350 Millionen Euro bereitstehen, pro Unternehmen soll es einen Deckel geben.

Der Investitionsfreibetrag soll jedenfalls eingeführt werden, um Anreize für (ökologische) Unternehmensinvestitionen zu schaffen, so das Finanzministerium auf seiner Homepage. Es handelt sich um eine weitere Betriebsausgabe, die neben der Abschreibung des Wirtschaftsguts zusätzlich gewährt wird. Was genau und in welcher Höhe gefördert werden soll, war zu Redaktionsschluss noch unklar.

Ein Blick auf die bis Frühjahr beantragbare Investitionsprämie, an der sich der Freibetrag orientieren soll, kann ein Hinweis sein: „Sieben Prozent für klassische Investitionen und 14 Prozent für Investments in den Bereichen Ökologisierung, Digitalisierung und Gesundheit waren es“, so Puchner.

Genereller Nachsatz zum Investitionsfreibetrag: „Ein solcher bringt für das Unternehmen natürlich nur dann eine unmittelbare Entlastung, wenn es auch Gewinne hat“, so Puchner. Offen ist auch noch, wie der Verlustvortrag geregelt wird, so weit dieser durch den Investitionsfreibetrag entsteht oder erweitert wird.

Starten soll der Investitionsfreibetrag voraussichtlich 2023.

Keine Eigenstromsteuer mehr

Jedenfalls ab 1.7.2022 soll für selbsthergestellte und verbrauchte elektrische Energie, sofern sie aus einer erneuerbaren Energiequelle stammt, keine Elektrizitätsabgabe mehr anfallen.

Bisher gab es eine Deckelung der Steuerbefreiung von 25.000 kWh jährlich. Die soll nun beispielsweise für Biogas, Windenergie oder Kleinwasserkraftwerke entfallen. „Das ist nun ein Nachziehen, nachdem die für Photovoltaik bereits 2020 abgeschafft wurde“, so Puchner.

Förderungen für sauberes Heizen

Unter dem Motto „Raus aus Öl und Gas“ soll der Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen, hin zu erneuerbaren Energien unterstützt werden, mit insgesamt 500 Millionen Euro. 7.500 Euro sollen in Zukunft für Heizungstausch zu einem sauberen Heizsystem an Förderung lockergemacht werden, schreibt das Umweltministerium auf seiner Homepage, zudem soll eine steuerliche Absetzbarkeit über zehn Jahre geschaffen werden. Das soll für Heizungstausch genauso gelten wie für thermische Sanierungen.

Für Einkommensschwache ist ein eigener Fördertopf vorgesehen, um einen Heizkesseltausch zu ermöglichen, die neue Heizung soll bis zu 100 Prozent gefördert werden können.

Und da man sich bekanntlich in der Mietwohnung nicht selbst um thermische Sanierung kümmern kann, ist auch ein Förderpaket für mehrgeschoßigen Wohnbau vorgesehen.

Speziell für energieautarke Bauernhöfe soll es schließlich ebenfalls eine Förderung in Höhe von insgesamt 25 Millionen Euro geben. Die näheren Details und ab wann all diese Töpfe zur Verfügung stehen werden, war zu Redaktionsschluss leider noch unklar.

KESt für Kryptowährungen

Auch beim Thema Kryptowährungen scheint sich etwas zu tun. „Wer derzeit als Privatanleger Kryptowerte kauft und sie länger als ein Jahr liegen lässt, muss für eine Wertsteigerung keine Steuer zahlen, wenn er sie später gewinnbringend verkauft“, erklärt Puchner. Lediglich wenn man innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist verkauft, „ist eine realisierte Wertsteigerung steuerpflichtig, und das sogar in Höhe des persönlichen Steuertarifs“, so Puchner.

Künftig sollen Kryptowährungen „wohl analog zu Kapitalvermögen behandelt werden, was einen Sondersteuersatz von 27,5 Prozent für laufende Erträge und Wertsteigerungen bedeutet, und zwar unabhängig von der Behaltedauer“, so Puchner.

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