Wenn Vereine feiern

Steuerlich begünstigt sind Vereine nur, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen. Besonders bei Vereinsfesten gelten penible Regeln.

Illustration: Erik Bauer

Lieber Feste feiern als feste arbeiten. Bei der Durchführung von Vereinsfesten heißt es aber auf steuerliche Konsequenzen zu achten. Normalerweise bestehen nämlich für Vereine, die einen begünstigten Zweck verfolgen, viele abgabenrechtliche Begünstigungen. Unter anderem auf dem Gebiet des Umsatz- und Körperschaftsteuerrechts sowie des Gebühren- oder auch Kommunalsteuerrechts. Voraussetzung ist allerdings, dass der jeweilige Verein sowohl nach der Rechtsgrundlage (z. B. Vereinssatzung, Gesellschaftsvertrag) als auch nach der tatsächlichen Geschäftsführung ausschließlich und grundsätzlich unmittelbar gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgt.

Als „gemeinnützige“ Zwecke definieren sich dabei solche, die die Allgemeinheit fördern, und zwar entweder auf geistigem, kulturellem, sittlichem oder materiellem Gebiet. Dazu zählt etwa die Förderung der Kunst, der Wissenschaft, der Musik oder des Sports.

Kleine oder große Feste

Aber von irgendwoher muss doch das Geld kommen, um die Vereinszwecke verfolgen zu können. Neben Mitgliedsbeiträgen sollen Vereinsfeste üblicherweise Geld in die Kassa spülen. Und hier unterscheidet der Fiskus zwischen kleinen und großen Festen. Bei der Abhaltung von kleinen Vereinsfesten (sogenannte „entbehrliche Hilfsbetriebe“) gehen die steuerlichen Begünstigungen nicht verloren, sofern bestimmte Kriterien kumulativ erfüllt sind.

Große Vereinsfeste dagegen stellen einen „begünstigungsschädlichen Geschäftsbetrieb“ dar. Hier gilt Umsatzsteuerpflicht ebenso, wie der Verlust der eingangs erwähnten Steuerbegüns­tigten droht.

Kleines Vereinsfest: Kriterien

Die Veranstaltung mag heißen, wie sie will, z. B. Ball, Feier, Flohmarkt, Heurigenausschank, Juxbasar, Kränzchen oder Vergnügungsturnier. Folgender Kriterienkatalog muss erfüllt sein:

1. Vereinsmitglieder als Organisatoren

Die Organisation (von der vorausgehenden Planung bis zur Mitarbeit während des Ablaufes der Veranstaltung) und Durchführung des Vereinsfestes wird im Wesentlichen durch Vereinsmitglieder oder deren Angehörige vorgenommen. Wesentlich bedeutet dabei zu mindestens 75 Prozent. In unwesentlichem Ausmaß können auch Nichtmitglieder (z. B. Mitglieder befreundeter Vereine) am Vereinsfest mitwirken, solange diese Mitarbeit ebenso wie bei den Vereinsmitgliedern und deren Angehörigen unentgeltlich erfolgt.

2. Wenn die Musi spielt

Die Darbietung von Unterhaltungseinlagen (Musik-, Show- und Tanzeinlagen) darf grundsätzlich nur durch Vereinsmitglieder erfolgen. Werden Musikgruppen oder andere Künstlergruppen für die Durchführung von Unterhaltungsdarbietungen beauftragt, ist dies unschädlich, wenn dies keine Wettbewerbsverzerrung darstellt. Davon kann ausgegangen werden, wenn die Musik- oder Künstlergruppen nicht mehr als 1.000 Euro pro Stunde (netto) für ihre Darbietungen verrechnen.

3. Speis und Trank

Auch für die Verpflegung haben grundsätzlich die Vereinsmitglieder zu sorgen. Sofern die Verpflegung teilweise oder zur Gänze an einen Unternehmer (Gastwirt) ausgelagert wird, gilt dessen Tätigkeit nicht als Bestandteil des Vereinsfestes und ist gesondert zu betrachten. Neben den Festbesuchern benötigen aber auch die Vereinsmitglieder eine leibliche Stärkung. Eine übliche Verköstigung sowohl der mitarbeitenden Mitglieder als auch von Nichtmitgliedern im Rahmen eines kleinen Vereinsfestes stellt jedenfalls keine begüns­tigungsschädliche Entgeltlichkeit dar.

4. Allerlei Helferlein

Mitunter müssen sich die Vereinsmitglieder professioneller Hilfe bedienen, weil es so die Behörde verlangt, z. B. eine behördlich beauftragte Beschäftigung eines Security-Dienstes während des Festes, Pyrotechniker zur Durchführung eines Feuerwerkes. Die Inanspruchnahme derartiger Professionis­ten ist ebenso unschädlich wie die Durchführung von Tätigkeiten, deren Vornahme den Vereinsmitgliedern unzumutbar ist, z. B. Aufstellen eines Festzeltes.

5. Die 72-Stunden-Regel

Die Dauer von kleinen Vereinsfesten darf insgesamt 72 Stunden im Jahr nicht übersteigen, womit der reine Festbetrieb gemeint ist. Vorbereitungs- und Nachbereitungsaktivitäten (z. B. Abbau des Festzeltes) sind unbeachtlich. Für die Beurteilung der Dauer der Veranstaltung kommt es bei Vorliegen eines Genehmigungsbescheides oder Anmeldung des Festes (bzw. einer behördlichen Bestätigung der Anmeldung)
auf die darin bezeichneten Stunden an, in denen eine gastgewerbliche Betätigung ausgeübt wird (Ausschankstunden).

Wird das Stundenausmaß nicht auf die beschriebene Art gesondert nachgewiesen, nimmt die Finanz an, dass die gastgewerbliche Betätigung vom Beginn bis zum Ende der geselligen Veranstaltung durchgängig ist.
Verfügt ein Verein über rechtlich unselbständige territoriale Untergliederungen (z. B. Ortsgruppen), ist die Gesamtdauer der geselligen Veranstaltung pro Kalenderjahr für jede dieser territorialen Gliederungen gesondert zu bemessen. Jede rechtlich unselbständige Ortsgruppe eines Vereines kann also extra ein kleines Vereinsfest veranstalten. Dabei stellt die Katastralgemeinde die kleinste territoriale Zuordnungseinheit dar.

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