Der Fiskus als Sherlock Holmes

Mitunter fördern abgabenbehördliche Prüfungen Informationen zutage, die den Spürnasen der Finanzer Anhaltspunkte für Nach­forschungen an einem ganz anderem Ort liefern.

Sherlock Fiskus Holmes fand dank Querdenkerei schnell heraus, dass die Rechnung über neue Fenster nicht nur bei der Hochzeit der Tochter, sondern schon früher einmal eingebracht wurde (Illustration: Erik Bauer)

Anlässlich einer Betriebsprüfung fiel dem Finanzer folgendes Dokument in die Hände (Wiedergabe verkürzt und Namen verändert):

Vereinbarung zwischen Herrn K. H. Schwarzl und der Stahlbau Schwarzl GmbH & Co. KG

Herr Karl Heinz Schwarzl hat bisher das in seinem Privatvermögen befindliche Gebäude in XY zum Preis von 380 Euro netto pro Monat vermietet. Da die Stahlbau Schwarzl GmbH & Co. KG mit Platzproblemen zu kämpfen hat, beabsichtigt sie, dieses Gebäude zu schleifen und darauf ein Betriebsgebäude zu errichten. Diesem Vorhaben stimmt Herr Karl Heinz Schwarzl zu. Jedoch mit der Maßgabe, dass die Gesellschaft ihm für das Gebäude einen Entschädigungsbetrag leistet und zwar auf Basis einer Renditenberechnung von acht Prozent. Dieser Prozentsatz wird für ein Privatgebäude deshalb so relativ hoch angesetzt, da das Gebäude sich nicht in einem perfekten Zustand befindet. Rechnerisch ergibt sich daher ein Abfindungsbetrag von 57.000 Euro.

Die Stahlbau Schwarzl GmbH & Co. KG hatte eine Abfindungszahlung in Höhe von 57.000 Euro für den Abbruch eines, bisher von Herrn Karl Heinz Schwarzl an einen fremden Dritten vermietetes, Einfamilienhauses bezahlt. Das gesamte Grundstück wurde mit Stichtag 17. 11. 2016 in das Sonderbetriebsvermögen (Sonderbilanz zum 31. 12. 2016) des Gesellschafters und Geschäftsführers Karl Heinz Schwarzl eingelegt und der Stahlbau Schwarzl GmbH & Co. KG zur Nutzung überlassen. Die Abfindungszahlung in Höhe von 57.000 Euro wurde als nicht zu versteuernde Entschädigung behandelt.

Allerdings:  zu den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung gehören auch Abstands­zahlungen bzw. Ablösen, die der Hauseigentümer aus Anlass der Begründung, Änderung oder Auflösung eines Mietverhältnisses erhält. Und zwar auch dann, wenn sie nicht vom Mieter selbst, sondern von ­einem Dritten geleistet werden, zumal sie mit der Nutzung der Einkunftsquelle, dem Miethaus, in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen.
Fazit: Bei K. H. Schwarzl wurde die Abfindungs­zahlung in Höhe von 57.000 Euro zu seinen Einkünften aus Vermietung und Verpachtung des Jahres 2016 hinzu­gerechnet.

Doppelt abgesetzte Fenster

Szenenwechsel. Einst war es möglich, die Hingabe eines Heiratsgutes an Kinder als außergewöhnliche Belastung abzusetzen. Ein Vater gab gegenüber dem Finanzamt an, seiner frisch vermählten Tochter eine bestimmte Summe an Geld gegeben zu haben, womit diese für das eheliche Heim neue Fenster angeschafft hätte. Das Finanzamt forderte den Steuerpflichtigen auf, einen Nachweis für die Anschaffung zu erbringen, und zwar durch Vorlage der Rechnung für die erworbenen Fenster. Diesem Verlangen wurde auch nachgekommen. Da beim Fiskus auch Querdenker ihren Dienst versehen, kam der Sachbearbeiter auf die Idee, sich den Steuerakt des Vaters näher anzusehen, da dieser auch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erzielte. Unter anderem just mit dem Haus, in dem die frischgebackenen Eheleute ihre Bleibe hatten. Bei weiterer Recherche stellte sich heraus, dass die Rechnung über den Fenstertausch früher schon als Instandsetzungsaufwand geltend gemacht worden war, als Rechnungsadressat schien der Name des Vaters auf. Hingegen enthielt jene Rechnung, die im Rahmen der Beantragung des Heiratsgutes vorgelegt wurde, den Namen der Tochter. Damit war klar, dass mit ein und derselben Faktura – Kopierer sei Dank – zwei Steuerabsetzposten lukriert werden sollten. Was dank des aufmerksamen Prüfers misslang. Freilich wurde der Fall auch noch finanzstrafrechtlich geprüft.

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