Faschingszeit

Selbst als Betriebsprüfer gibt es ab und zu etwas zu lachen, wie die folgenden zeitlosen Anekdoten aus dem Prüferalltag beweisen.

Illustration: Arnulf Rödler

Zwecks Belustigung in der momentan herrschenden Faschingszeit dürfen hier ein paar Anekdoten aus dem Finanzalltag nicht fehlen, die aber allesamt auf Tatsachen beruhen.

Drei Szenen aus einer Zeit, in der es noch keine Mobiltelefone gab: Ein Finanzer beschwerte sich telefonisch bei der Buwog, weil der Lift in seinem Wohngebäude nicht absolut niveaugleich mit dem Flurboden des Stiegenhauses zu stehen kam. Der Mitarbeiter der Buwog fragte den Beschwerdeführer, ob er aus dem Lift hätte aussteigen können. Darauf der Nörgler: „Gott sei Dank, ansons-
ten könnte ich ja jetzt nicht mit ihnen telefonieren.“

Ein Scherzbold von Beamten rief einen Kollegen an: „Bitte hilf mir schnell, ich habe mich versehentlich draußen am WC eingesperrt.“ Dienstbeflissen eilte der Angerufene nachsehen, ohne zu überringeln, dass am WC gar kein Telefon existierte.

Die dritte Anekdote aus Zeiten, als Telefongespräche noch wirklich ins Geld gingen: Es bestand die Sitte, pensionierte Kollegen zu einer Weihnachtsfeier ins Amt einzuladen. Eine Dame war dafür bekannt, die Gelegenheit zu nutzen, um vom Amtstelefon ihre weihnachtlichen Telefonate zu erledigen, was aber den anderen Bediensteten missfiel. Also wurde aus dem Hörer des Telefons flugs die Sprechmembran entfernt. Zwar konnte man jemanden anrufen, doch kam wegen der fehlenden Membran kein Gespräch zustande. Die Dame empört: „So a Glumpert, euer Telefon is hin.“

Ebenfalls legendär: Aus Ärger über die anlässlich einer Betriebsprüfung zustande gekommenen hohen Abgabenachforderungen in der Größenordnung von etwas unter einer Million Schilling kündigte der Abgabepflichtige an, seinen Steuerberater zu wechseln. Offenbar fühlte sich der Unternehmer schlecht vertreten, obwohl den Steuerberater überhaupt keine Schuld traf. Nach Abhaltung der Schlussbesprechung im Unternehmen fuhren die Finanzprüfer im Auto des Steuerberaters zu dessen Kanzlei zurück. Der ob des Verlusts seines Klienten verärgerte Steuerberater: „Jetzt stelle ich ihm noch eine fette Honorarnote aus, damit die Mille wenigstens voll ist!“

Ein anderes Mal regte sich ein Klient darüber auf, dass sein Steuerberater anlässlich der abgehaltenen Schlussbesprechung überhaupt keine Unterlagen mit sich führte. „Wie soll mich der ordentlich vertreten, wenn er nicht einmal seinen Handakt für mein Unternehmen dabei hat. Ich werde den Berater wechseln.“ Was auch geschah. Die Geschichte mit den nicht mitgeführten Unterlagen erzählte der Prüfer einem anderen Steuerberater, der sich bei einer späteren Gelegenheit dafür herzlich bedankte: „Ihr Tipp war sehr wertvoll für mich, jedes Mal wenn ich jetzt einen Mandanten aufsuche, habe ich eine pralle Aktentasche dabei, damit mir so ein Malheur wie meinem Steuer­beraterkollegen nicht passiert.“

Einem Prüfer fielen bei einem Kfz-Betrieb (Handel und Werkstätte) die laufend ungewöhnlich hohen Kassastände auf, die der Unternehmer mit den Barzahlungen der Kunden im Zuge von Autokäufen erklärte. Der Prüfer bei der Schlussbesprechung im Büro der geprüften Firma: „Wir könnten doch gleich hier und heute einen Kassasturz vornehmen, um den Bargeldbestand festzustellen.“ Darauf der Unternehmer, der bereits durch eine wegen bestehender Kalkulationsdifferenzen seitens der Finanzbehörde angekündigte Umsatzzuschätzung genervt war: „Zuletzt hat es einen Kassasturz beim Hitler gegeben.“

Um die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen, verzichtete man auf den Kassasturz, doch da nahm gleich ein anderes Unheil seinen Lauf. Aus der neben dem Büro gelegenen Werkstätte war plötzlich ein Knall und Geschrei zu vernehmen. Der geplagte Unternehmer stürmte hinaus, es bot sich folgendes Bild: Bei einem Pkw hatte man ein Bremsenservice durchgeführt, jedoch vergessen, das Bremspedal mehrmals zu betätigen, um den Bremsdruck wieder aufzubauen, damit das Auto bei Fahrt sofort abgebremst werden kann. Ein anderes Fahrzeug war gerade aus der Lackierbox chauffiert worden – und mit dem Pkw mit dem fehlenden Bremsdruck zusammengekracht.

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