Vorschau aktuelle Ausgabe

 

 

Finanzspritzen für Corona-Opfer

Härtefallfonds, Corona-Hilfsfonds und Corona-Familienhärteausgleich – so heißen aktuell die wichtigsten Geldtöpfe, die der Staat Unternehmen, aber auch Arbeitnehmern und Arbeitslosen zur Verfügung stellt.

Foto: frankpeters - GettyImages.com

Es wird laufend gebastelt und gekittet. Und auch wenn sich noch immer Lücken für einzelne Corona-Betroffene auftun, wird das finanzielle Auffangnetz erfreulicherweise immer enger geknüpft. Ende April wurden beispielsweise auch Künstler und Kulturschaffende in den Kreis der Berechtigten für den Härtefallfonds aufgenommen.

Härtefallfonds für Selbständige

Womit wir schon beim bedeutendsten „Erste Hilfe“-Geldtopf für alle Arten von Selbständigen (im weiteren Sinne) wären, dem Härtefallfonds.

Die Antragstellung für die sogenannte Phase 1 des Härtefall-Fonds endete relativ kurzfristig per 17. April, gleich darauf wurde aber Phase 2 des Härtefallfonds eingeläutet. Aktuell können sich hier Betroffene für drei Monate, beginnend mit 16. März, maximal je 2.000 Euro abholen. Während üblicherweise 80 Prozent des Verdienstentgangs ersetzt werden (gedeckelt mit 2.000 Euro monatlich), sollen Geringverdiener (d. h. mit einem monatlichen Verdienst unter der Ausgleichszulage von 966,65 Euro) 90 Prozent erhalten.

Nachträglich fixiert wurde kürzlich, dass nicht nur für Jungunternehmer, sondern für alle Anspruchsberechtigten eine Mindestförderhöhe von 500 Euro gilt, um Härtefälle aufzufangen.  
Wichtig zu wissen: Wer es bisher verabsäumt hatte, einen Antrag für Phase 1 zu stellen, hat daraus nun keinen Nachteil. Denn die Auszahlungsphase 2 erfasst ebenfalls den Zeitraum ab Mitte März, und Zuschüsse aus Phase 1 werden mit Phase 2 ohnedies gegengerechnet – in Summe können so bloß maximal 6.000 Euro an Förderung für den Zeitraum 16. März bis 16. Juni bezogen werden.

Für Phase 2 wurde dafür der Kreis der Anspruchsberechtigten erweitert. Es entfallen nun sowohl die Verdienstobergrenze als auch -untergrenze als Eintrittskriterium. Mehrfachversicherungen sowie Nebenverdienste sind keine Ausschlussgründe mehr. Und auch Privatzimmervermieter können nun Anträge stellen. Mit der jüngsten Erweiterung sollen auch Personen in mehreren geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen, wie es beispielsweise häufig bei Künstlern der Fall ist, mit einbezogen werden.
Von Anfang an dabei sind Ein-Personen- und Kleinstunternehmer, unternehmerisch tätige geschäftsführende Gesellschafter, neue Selbständige, Freiberufler sowie freie Dienstnehmer. Sie alle können bei der WKO (wko.at) ihren Antrag stellen.

Land- und forstwirtschaftliche Betriebe sowie bäuerliche Privatzimmervermieter wenden sich dagegen an die Agrarmarkt Austria (eama.at ).

Wo eine Einigung bis Redaktionsschluss noch ausständig war, ist der Non-Profit-Bereich, von der Hilfsorganisation bis zum Kulturbetrieb. Auch dieser soll eigentlich dem Härtefallfonds unterstellt werden, „NPO sind  unglaublich vielgestaltig, eine  einheitliche Regelung ist daher noch nicht zustande gekommen“, weiß Steuerexperte Heinz Harb, Geschäftsführer von LBG Österreich.
Voraussetzung, ein Fall für den Härtefallfonds zu sein, ist stets, dass
1. man die laufenden Kosten nicht mehr decken kann, oder
2. im Betrachtungszeitraum 16. 3. bis 16. 6. überwiegend ein behördlich angeordnetes Betretungsverbot besteht oder
3. ein Umsatzeinbruch von mindestens 50 Prozent zum vergleichbaren Betrachtungszeitraum des Vorjahrs besteht.

Wichtig: Der bisher dreimonatige Betrachtungszeitraum (16. 3. bis 15. 6. 2020) wurde mittlerweile um weitere drei Monate (bis 15. 9. 2020) ausgeweitet, um etwa auch jenen Unternehmen zu helfen, die im März und April noch Zahlungseingänge hatten, und erst später einen Umsatzeinbruch erleiden. Der Gesamtanspruch besteht weiterhin für drei Monate, jedoch kann der Förderwerber nun einzelne Monate zwischen Mitte März und Mitte September auswählen.

Verfügt man noch über keinen Einkommensteuerbescheid für das Jahr 2019, kann man auch den letzten von 2018 oder 2017 hernehmen (bzw. alternativ einen Drei-Jahres-Durchschnitt). War ein junges Unternehmen im Jahr 2018 noch im negativen Bereich und konnte es den Turnaround erst 2019 schaffen, „muss man sich nun bemühen, rasch den Einkommensteuerbescheid für 2019 zu bekommen“, rät Harb. Wer noch weniger erfolgreich unterwegs ist, für den gibt es die neue Auffangregelung: Jungunternehmer, die nach dem 1. 1. 2018 gegründet haben, und den Entgang von Nettoeinkommen plausibel darstellen können, sollen zumindest 500 Euro erhalten.

Unsicherheiten bestehen auch oft, wer überhaupt berechtigt ist, einen Antrag beim Härtefallfonds zu stellen. Etwa ein GmbH-Geschäftsführer? „Ja, wenn der Gesellschafter-Geschäftsführer GSVG-pflichtversichert ist und ausdrücklich bestätigt, dass eine wirtschaftlich signifikante Bedrohung der Gesellschaft durch Covid-19 vorliegt und daher seine Einnahmen vermindert sind. Das kann er auch, wenn er keinen Gewerbeschein hat und stattdessen als neuer Selbständiger tätig ist. Liegt eine Pflichtversicherung eines angestellten geschäftsführenden Gesellschafters nach ASVG vor, kann kein Antrag gestellt werden. Die GmbH selbst ist nicht antragsberechtigt“, erklärt Erhard Lausegger, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bei LBG.
Tipp: Stets aktuell gehaltene Informationen zum Härtefallfonds finden sich auf www.wko.at, Rubrik „Service“ (Stichwort Härtefallfonds Phase 2).

Detaillierte Informationen zu Staatshilfen für Unternehmen und Arbeitnehmer finden Sie in der aktuellen Mai-Ausgabe des GEWINN – jetzt neu in Ihrer Trafik!

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.