Firmenwert zum Nulltarif

Die Anschaffungskosten eines Firmenwerts dürfen abgeschrieben werden. Im konkreten Fall fehlte allerdings die Gegenleistung, weshalb der Fiskus aktiv wurde.

Der höhere Firmenwert war nicht Folge eines entgeltlichen Erwerbs, ihm standen also keine ­Anschaffungskosten gegenüber – deshalb durfte er auch nicht abgeschrieben werden. (Illustration: Erik Bauer)

Unter dem Firmenwert versteht man ­deutlich mehr als die Summe der einzelnen betrieblich eingesetzten Wirtschaftsgüter. Er beinhaltet den guten Ruf des Unter­nehmens, den Bekanntheitsgrad, Kundenstock, die guten Geschäftsbeziehungen, die Qualität der Mitarbeiter, die Lieferanten­kontakte, die innerbetriebliche Organisation, Marktposition etc.

Somit ist der Firmenwert der Mehrwert über dem Substanzwert der einzelnen materiellen und immateriellen Wirtschaftsgüter.

Gemäß § 8 Abs. 3 EStG sind die Anschaffungskosten eines Firmenwertes von gewerblichen Betrieben gleichmäßig auf 15 Jahre verteilt abzusetzen. Nur ein derivativer (erworbener) Firmenwert, dem Anschaffungskosten gegenüberstehen, erfüllt die Voraussetzungen für eine solche Abschreibung, worauf der Fiskus besonders achtet.

Als Gesellschafter einer als KG gegründeten Apotheke fungierten eine natürliche Person namens Mag. Z. als Komplementär und eine GmbH A. (mit einem Anteil von 49 Prozent) als Kommanditistin. Geschäftszweig der A. GmbH war der Erwerb und die Verwaltung von Beteiligungen. Mit einem Anteilskaufvertrag hatte die GmbH einen Mitunternehmeranteil an der Apotheke im Ausmaß von 49 Prozent erworben. Der auf die A. GmbH entfallende Kaufpreis betrug 931.000 Euro (bei einem Gesamtpreis von 1.900.000 Euro). Davon wurde ein Betrag von 700.000 Euro dem Firmenwert zugeordnet und zusätzlich die Apothekenkonzession gesondert bewertet. Der Firmenwert in Höhe von 700.000 Euro anlässlich des Erwerbs des Mitunternehmeranteils wurde in einer Ergänzungsbilanz aktiviert, woraus für die A. GmbH bei einer Verteilung auf 15 Jahre ein jährlicher Abschreibungsbetrag von 46.666,67 Euro resultierte.

Die A. GmbH war anfänglich als Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft von der Körperschaftsteuer befreit gewesen, trat dann aber per 1. 1. 2014 in die unbeschränkte Steuerpflicht mit folgender Konsequenz ein: Gemäß § 18 Abs. 2 KStG musste zu diesem Stichtag der gemeine Wert der bislang nicht steueranhängigen Wirtschaftsgüter des Betriebsvermögens angesetzt werden.

Aus diesem Grund ließ die A. GmbH den Verkehrswert der Apotheke brav zum 31. 12. 2013 nach der im Apothekenbereich üblichen Praxis ermitteln. Unter Berücksichtigung des bisherigen abgeschriebenen Firmen­werts mit Stand zum 31. 12. 2013 und nach Abzug des Konzessionswertes von 10.000 Euro verblieb ein Aufwertungsbetrag von 785.000 Euro. Welchen die A. GmbH zusätzlich zu dem anlässlich des Erwerbs des Mitunternehmeranteils in der Ergänzungsbilanz mit 700.000 Euro angesetzten Teil­firmen­werts aktivierte. Für den weiteren Teilfirmenwert in Höhe von 785.000 Euro nahm die A. GmbH unter Berücksichtigung einer Restlaufzeit von 10,5 Jahren eine (zusätz­liche) Abschreibung im Ausmaß von jeweils 74.761,90 Euro für die Jahre 2014 und 2015 vor.

Derivativ oder originär?

Das Problem dabei: Dieser Firmenwert in Höhe von 785.000 Euro war nicht aus einem entgeltlichen Erwerb eines weiteren Mitunternehmeranteils hervorgegangen. Die A. GmbH hatte keine Gegenleistung an einen Dritten dafür erbracht. Dementsprechend standen dem zum 31. 12. 2013 errechneten Teilfirmenwert keine unmittelbar zuordenbaren Anschaffungskosten gegenüber. Es ­handelte sich daher insoweit nicht um einen ­derivativen (erworbenen) Firmenwert, sondern vielmehr um einen originären Firmenwert, der auf nach der Anschaffung des Mitunternehmeranteils bis zum 31. 12. 2013 zugewachsene Firmenwertfaktoren zurück­zu­führen war.

Die Folge: Damit kam die für die Jahre 2014 und 2015 beantragte bzw. geltend gemachte Abschreibung dieses originären ­Firmenwerts nach § 8 Abs. 3 EStG mangels konkreter Anschaffungskosten nicht in ­Betracht. Was fast 150.000 Euro weniger an Abschreibung bedeutete.

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