Fiskus bläst zum Halali

Aufwendungen für eine Jagdgesellschaft lassen sich grundsätzlich nicht als Betriebsausgabe absetzen. So manches Unternehmen versucht’s trotzdem.

Jagdspesen sind von der Steuer so gut wie nie absetzbar – schon gar nicht, wenn das Unternehmen die Liste der Teilnehmer an der Jagdreise geheimhalten möchte (Illustration: Erik Bauer)

Eigentlich sollte die Rechtslage ziemlich klar sein. In aller Regel sind die Aufwendungen für eine Jagd nicht als Betriebsausgaben abzugsfähig, und zwar auch dann nicht, wenn sie der Anbahnung und Unterhaltung von Geschäftsbeziehungen dienen. Oder wenn der Abschuss des Wildes ausschließlich Gästen (Geschäftsfreunden) oder Arbeitnehmern vorbehalten bleibt. Dies hat der VwGH in einem bereits angegrauten Erkenntnis vom 1. 12. 1992, Zl. 92/14/0149, festgestellt.

„In aller Regel“ bedeutet aber, dass es auch Ausnahmen geben kann. Allerdings sind diese in freier Wildbahn nur in homöopathischen Dosen anzutreffen. Betriebsausgaben ließen sich beispielsweise mit einer Jagd luk­rieren, die in Erfüllung forstgesetzlicher Vorschriften in Verbindung mit einem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb unterhalten wird oder zu einem Jagdhotel gehört.

Trotz der eindeutigen Gesetzeslage versuchen die Steuerpflichtigen in der Praxis immer wieder, die Aufwendungen für eine Jagd steuerlich unterzubringen. Das Spektrum für ihre Vorgangsweise ist breit. Der einfachste und am leichtesten zu enttarnende Fall ist noch der, bei dem sich auf dem Konto „Werbeaufwand“ verbuchte Rechnungen betreffend erfolgter Jagdabschüsse finden. Mitunter gelangen auf dem Konto „Reisespesen“ Aufwendungen für eine Jagdreise ins schöne Schottland zur Verbuchung.

Keine Betriebsausgaben

Doch auch wenn solche sogar unter gräflicher Beteiligung organisierten Reisen durchaus zur Anbahnung und Verbesserung von Geschäftsbeziehungen dienen mögen, steht kein Betriebsausgabenabzug zu. In der Praxis finden aber mit der Finanzbehörde diesbezüglich hart geführte Diskussionen ohnehin spätestens dann ein jähes Ende, wenn um eine Liste der Reiseteilnehmer ersucht wird. Mit einer Bekanntgabe der Namen rückt das betroffene Unternehmen nämlich so gut wie nie heraus, weil dann die illustre Jagdgesellschaft erstens in den Geruch der Anfütterung kommt und zweitens der Wert der Reise bei der eingeladenen Person eine Betriebseinnahme darstellt.

Alles Peanuts. Wenn schon Jagd, dann ordentlich: In der Bilanz eines größeren Bauunternehmens fanden sich unter den Aktiva mehrere Liegenschaften samt darauf befindlichen Gebäuden. Grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, da zum Betrieb neben dem Firmensitz auch diverse Schottergruben, Asphaltmischwerke und ein Steinbruch zählten. In dem Konglomerat musste sich das Prüfungsorgan erst zurechtfinden und die Spreu vom Weizen trennen. Übrig blieb eine angeblich land- und forstwirtschaftlich genutzte Liegenschaft, die sich bei näherer Recherche als Eigenjagd entpuppte, die alle Stückeln spielte. Natürlich wurde besagte Liegenschaft einer ausführlichen Besichtigung unterzogen, wofür wegen der ansehnlichen Größe des Areals ein Geländewagen eingesetzt werden musste, um die finanzbehördlichen Besucher durch das Jagdrevier chauffieren zu können. Das Revier machte einen derart gepflegten Eindruck, dass sich die Finanzer eher im Wiener Stadtpark als in einem naturbelassenen ländlichen Gefilde wähnten. Bei der Besichtigungstour war unter anderem ein Mitarbeiter des geprüften Unternehmens mit von der Partie, der für die Hege und Pflege des Reviers verantwortlich zeichnete und mit Stolz den vorhandenen Wildbestand erklärte. In noch mehr Erstaunen wurden die Prüfungsorgane durch das zu der Liegenschaft gehörende Gebäude versetzt. Dieses wies den Charakter eines Jagdschlosses auf, in einem oberen Stockwerk befanden sich mehrere Räumlichkeiten, die wie in einem Hotel mit Zimmernummern versehen waren. Diese allesamt mit Betten ausgestatteten Räume dienten offenkundig zur Beherbergung größerer Jagdgesellschaften.

Resultat: Dem als „Land- und Forstwirtschaft“ titulierten Jagdrevier wurde von der Finanz die Betriebsvermögenseigenschaft aberkannt, sämtliche mit dieser Jagd verbundenen Aufwendungen bildeten keine Betriebs­ausgaben, wozu auch die Lohnkosten des emsigen Försters bzw. Jagdaufsehers und die Einkäufe für den gut gefüllten Weinkeller zählten.


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