Schönheitskosten als Abzugsposten?

Angeblich haben es schöne Menschen leichter, sei es im Berufs- oder Privatleben. Nur: In puncto Verschönerungsmaßnahmen ist der Fiskus relativ streng.

Foto: VladimirFLoyd – Thinkstock.com

Sollte die Natur ihr Füllhorn nicht in vollem Umfang ausgeschüttet haben, kann man/frau ja heutzutage durchaus nachhelfen lassen. Bei den daraus resultierenden Kosten könnte man, durch die Steuerbrille geblickt, entweder an außergewöhnliche Belas­tungen oder an Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten denken. Ist diesbezüglich etwas „drin“? Wie bei allen im Steuerrecht gestellten Fragen lautet die richtige Antwort: „Es kommt darauf an.“

Kosmetika & Körperpflege

Fangen wir klein an. In vielen Berufen spielt ein gepflegtes äußeres Erscheinungsbild eine wesentliche Rolle. Dies trifft natürlich insbesondere auf Fotomodelle, Flugbegleiter, Modejournalisten und Schauspieler zu, aber selbst von Außendienstmitarbeitern oder Verkäufern in exklusiveren Boutiquen, Schmuck- und Uhrengeschäften erwartet die Klientel ein tadelloses Auftreten, angefangen vom Benehmen bis hin zum Styling.

Das ist alles nur zu verständlich, allein diesen Argumenten mag sich die Finanz mit Schützenhilfe des Verwaltungsgerichtshofs (VwGH) nicht anzuschließen. Nach ständiger Rechtsprechung des VwGH zählen nämlich Aufwendungen für Kosmetika, Friseur, Körper- und Schönheitspflege gemäß § 20 Abs. 1 Z 2 lit. a EStG grundsätzlich zur Gänze zu den nicht abzugsfähigen Aufwendungen der privaten Lebensführung. Es gilt ein sogenanntes „Aufteilungsverbot“ zwischen beruflichen und privaten Ausgaben.

So hat beispielsweise ein Fotomodell versucht, Betriebsausgaben für Kosmetik, Kleidung und Bodystylingkurse zu lukrieren. Sie müsse besonderes Augenmerk auf den Erhalt ihrer Figur richten, weshalb Kursgebühren betreffend Bodystyling, Fatburner, Be­cken- und Wirbelsäulentraining betrieblich veranlasst seien. Das Model ist mit seinem Begehren beim VwGH ebenso abgeblitzt wie eine Flugbegleiterin mit ihren Anschaffungen von Kosmetika und Aufwendungen für Schönheitspflege.

Selbst Schauspieler tun sich hierzulande sehr schwer, Friseur- und Kosmetikaufwand steuerlich unterzubringen. Nur wenn es um die Anpassung des Äußeren an eine Bühnenrolle geht – soweit es sich also um einen rollenbedingten Friseur- und Kosmetikaufwand handelt –, erachtet der VwGH eine steuerliche Abzugsfähigkeit als gegeben (VwGH 26. 11. 1997, 95/13/0061 und VwGH 10. 9. 1998, 96/15/0198).

Schönheitsoperationen

Während die Arbeiten von Visagisten keine dauerhaften Veränderungen am Körper herbeiführen, was spätestens beim Abschminken erkennbar wird, bedeuten Schönheitsoperationen jedenfalls einen radikaleren Schnitt, pardon Schritt. Hier ließe sich zur Geltendmachung von Steuervorteilen neben einer beruflichen Notwendigkeit auch mit der Beseitigung eines körperlichen Gebrechens argumentieren.
Damit begibt sich der Steuerpflichtige auf die Schiene der außergewöhnlichen Belastung. Letztere kürzt zwar – so wie jede Betriebsausgabe – die Steuerbemessungsgrundlage, allerdings mit dem Nachtteil, dass der Fiskus im Rahmen einer solchen außergewöhnlichen Belastung einen einkommensabhängigen Selbstbehalt abzwackt.
Aber bis es soweit kommt, muss die Finanz erst überzeugt werden, dass sich die ärztlich durchgeführte Verschönerungsmaßnahme irgendwie unter die Begriffe „Krankheit“ oder „Heilbehandlung“ subsumieren lässt.
Krankheit definiert der Fiskus dabei als eine gesundheitliche Beeinträchtigung, die eine Heilbehandlung bzw. Heilbetreuung erfordert. Nicht abzugsfähig sind daher Aufwendungen für die Vorbeugung vor Krankheiten sowie für die Erhaltung der Gesundheit, ebenso wenig Kosten für eine Verjüngungskur, für eine Frischzellenbehandlung sowie für reine Schönheitsoperationen.

Nicht, dass es die Steuerzahler nicht immer wieder versuchen würden – und damit meist abblitzen. So stellt z. B. eine Oberschenkelstraffung grundsätzlich keine Methode zur Beseitigung einer Krankheit dar, von der Rechtsprechung wurde auch eine Bauchdeckenstraffung nicht als außergewöhnliche Belastung anerkannt (UFS 24. 3. 2011, RV/0371-S/10).

Kosmetische Operationen sind laut herrschender Lehre nur dann als zwangsläufig erwachsen anzusehen und als außergewöhnliche Belastung absetzbar, wenn ihre medizinische Erforderlichkeit nachgewiesen wird. Dies ist der Fall bei Wiederherstellung nach Verletzungen, nach Unfällen, bei Verunstaltungen bzw. bei Gefahr psychischer Schäden. Richtschnur für den Fiskus ist häufig, ob die Sozialversicherung zumindest einen Teil der Behandlungskosten übernommen hat.

Pech für Haartransplantation

Haartransplantationen teilen dasselbe Schicksal. Der Nutzen aus einer Eigenhaarverpflanzung betrifft naturgemäß stets auch die private Lebensführung, weshalb die diesbezüglichen Kosten aufgrund des Aufteilungsverbots weder als Betriebsausgaben noch als außergewöhnliche Belastung anerkannt werden (UFS, 27. 6. 2008, RV/2802-W/07).

Ausnahmsweise anerkannt werden können Kosten bezüglich des Haarwuchses nur aufgrund einer Krankheit, beispielsweise nach einer Chemotherapie.

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