Small is beautiful

In der Unternehmerwelt tummeln sich nicht nur große Fische. Für die kleinen bietet sich eine Befreiung von der Umsatzsteuer an.

Illustration: Erik Bauer

Manche unternehmerischen Betätigungen haben gerade erst begonnen, andere werden bloß als Nebenerwerb ausgeübt. Dementsprechend bewegen sich die erzielten Umsätze in überschaubaren Grenzen. Sofern die Umsätze ein bestimmtes Limit nicht überschreiten, können Sie von der Kleinunternehmerregelung profitieren, die eine Befreiung von der Umsatzsteuer vorsieht.

Bin ich ein Kleinunternehmer?

Gemäß § 6 Abs. 1 Z 27 UStG gilt als Kleinunternehmer, wer im Inland sein Unternehmen betreibt und dessen Umsätze im Veranlagungszeitraum 30.000 Euro nicht übersteigen.

Bitte beachten Sie hier gleich folgende Neuerung: Das am 20.9.2019 vom Nationalrat beschlossene Abgabenänderungsgesetz 2020 sieht mit Wirkung vom 1.1.2020 eine Anhebung der Grenze von 30.000 auf 35.000 Euro vor. Bei Berechnung dieser Umsatzgrenze bleiben Umsätze aus Hilfsgeschäften einschließlich der Geschäftsveräußerung sowie weitere bestimmte Umsätze (angeführt im § 6 Abs. 1 Z 27 UStG) außer Ansatz. Wie die 30.000- bzw. 35.000-Euro-Grenze berechnet wird, zeigt das Beispiel unten.

Der Grenzbetrag von (aktuell) 30.000 Euro ist übrigens nicht in Stein gemeißelt. Das einmalige Überschreiten der Umsatzgrenze um nicht mehr als 15 Prozent innerhalb eines Zeitraumes von fünf Kalenderjahren zieht nämlich keine Konsequenzen nach sich.

Kein Vorteil ohne Nachteil

Für die Kleinunternehmerregelung spricht in erster Linie die damit verbundene Umsatzsteuerbefreiung, außerdem erspart sich ein „Kleiner“ auch die Einreichung einer Umsatzsteuererklärung. Damit ist die Begünstigung vor allem für solche Selbständige interessant, die ihre Umsätze mit privaten Endverbrauchern erzielen. Denn für Letztere ist die USt ein Kostenfaktor.

Angenommen eine Physiotherapeutin, die als Kleinunternehmerin gilt, verlangt für eine Behandlungseinheit 60 Euro. Falls sie aber aufgrund ihrer Umsatzhöhe in den Bereich der Umsatzsteuerpflicht vorstößt, müsste sie einen Satz von 72 Euro brutto veranschlagen, damit ihr nach Abfuhr von 20 Prozent Umsatzsteuer (= zwölf Euro) wieder das übliche Honorar von 60 Euro verbleibt – worüber die Patienten ob der Teuerung wohl „not amused“ wären.

Wenn Sie hingegen zu Ihren Kunden überwiegend andere Unternehmer zählen, bringt die Kleinunternehmerregelung nicht viel. Sie können getrost Ihre Rechnungen mit Umsatzsteuer ausstellen, Ihre Geschäftspartner können sich die USt-Beträge ja als Vorsteuer abziehen. Womit Sie gleich den gravierenden Nachteil der Kleinunternehmerregelung kennenlernen, die als „unechte Steuerbefreiung“ konzipiert ist. Das bedeutet, dass dem Anwender auch kein Vorsteuerabzug zusteht.

Freilich dürfen Sie als Kleinunternehmer auch Rechnungen ausstellen, aber bitte nur solche, in der keine Umsatzsteuer gesondert zum Ausweis gelangt! Ansonsten schulden Sie diese Steuer gemäß § 11 Abs. 12 UStG aufgrund der Rechnung, sofern die Faktura nicht gegenüber dem Kunden berichtigt wird.

Option zur Steuerpflicht

Kleinunternehmer haben die Wahl. Sie können gemäß § 6 Abs. 3 UStG zur Besteuerung nach den allgemeinen Vorschriften des Umsatzsteuergesetzes optieren. Damit besteht dann zwar Umsatzsteuerpflicht, aber dafür auch das Recht auf Vorsteuerabzug.

Zur Ausübung der Option hat der Abgabepflichtige gegenüber seinem Betriebsfinanzamt schriftlich zu erklären, dass er auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung verzichtet. Die Erklärung sollte man sich gut überlegen, denn sie bindet den Unternehmer mindestens für fünf Kalenderjahre. Sie kann nur mit Wirkung vom Beginn eines Kalenderjahres an widerrufen werden. Der Widerruf ist spätestens bis zum Ablauf des ersten Kalendermonates nach Beginn dieses Kalenderjahres zu erklären.

Kleinunternehmer ja oder nein: Wie die Umsatzgrenze ermittelt wird

Aktuell liegt die Umsatzgrenze bei 30.000 Euro jährlich, ab Anfang 2020 liegt sie bei 35.000 Euro. Zunächst einmal handelt es sich bei der Umsatzschwelle um einen Nettobetrag, also exklu­sive Umsatzsteuer, die ­gegebenenfalls heraus­zurechnen ist.

Ein Beispiel

Ein Angestellter erzielt im Veranlagungszeitraum aus einer unternehmerischen Tätigkeit Gesamteinnahmen von 45.290 Euro, die sich wie folgt zusammensetzen: 12.000 Euro stammen aus einer Tätigkeit als Autor, die für einen Fachverlag erbracht wird; 17.400 Euro haben eine Tätigkeit als Sachverständiger beschert, weitere 11.270 Euro hat der rührige Angestellte als Privatlehrer an einer öffentlichen Schule verdient, 4.620 Euro rühren aus der Vermietung einer Wohnung her. Außerdem tätigt der Unternehmer durch die laufende 40-prozentige private Nutzung eines ansonsten unternehmerisch genutzten PCs einen Eigenverbrauch in Höhe von 750 Euro.

Für die Ermittlung der 30.000-Euro-Umsatzgrenze sind zuerst jene Umsätze auszuscheiden, die für die Berechnung der Grenze nicht heranzuziehen sind: Umsätze aus einer Vortragstätigkeit als Privatlehrer an einer öffentlichen Schule in Höhe von 11.270 Euro sind gemäß § 6 Abs. 1 Z 11 lit. b UStG umsatzsteuerfrei. Sodann ist von der Besteuerung der Leistungen unter Außerachtlassung der Steuerbefreiung gemäß § 6 Abs. 1 Z 27 UStG auszugehen und die in den Einnahmen enthaltene USt herauszurechnen.

An Nettoumsatz aus der Fachautoren- und Sachverständigentätigkeit resultieren 24.500 Euro (Herausrechnung von 20 Prozent USt aus 29.400 Euro). Die Mietzinse aus der Wohnungsvermietung schlagen mit 4.200 Euro zu Buche (Herausrechnung von zehn Prozent USt aus 4.620 Euro). Der Eigenverbrauch ist mit 750 Euro anzusetzen. Es ergibt sich eine für die Kleinunternehmerregelung maßgebliche Umsatzhöhe von insgesamt 29.450 Euro, die 30.000-Euro-Kleinunternehmergrenze ist somit nicht überschritten.

Als Hilfsgeschäfte gelten insbesondere Verkäufe von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens (Betriebs- und Geschäftsausstattung, Fuhrpark etc.). Sollte der obige Steuerpflichtige auch eine Digitalkamera samt Notebook, die er zur Befundaufnahme bei der Erstellung seiner Gutachten einsetzt, um 3.200 Euro verkaufen, bleibt dies ohne Auswirkung, da der Anlagen­verkauf bei der Aus­messung der 30.000-Euro-­Umsatzgrenze
keine Rolle spielt.

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