Steueroptimal Unternehmen (ver-)kaufen

Unternehmensverkäufe stehen gerade auch in Corona-Zeiten auf der Tagesordnung. Doch steuerliche Aspekte werden bei der Planung leider oft übersehen.

(Foto: Kzenon)

Bei Klein- und Mittelunternehmen zeigt sich aktuell ein ausgesprochen starkes Transaktionsaufkommen. Erfreulicherweise besteht nicht nur auf Verkäufer-, sondern auch auf Käuferseite ein solides Interesse. Zu beobachten ist aber auch, dass Transparenzgedanken sowie die Absicherung der Bonität des Vertragspartners in der aktuellen Beratungspraxis im Vordergrund stehen.

Verstärkt wird auch der Wunsch geäußert, die Transaktion steuerrechtlich möglichst effizient und optimiert abzuwickeln. Die österreichische Rechtslage ist schließlich komplex und birgt so manche Falle. Ob der Verkauf eines Unternehmens aus strategischen Gründen erfolgt oder aus Anlass der Pensionierung – wichtig ist, dass die Transaktion auch aus steuerrechtlicher Sicht gut geplant ist.

Aus Sicht des Käufers empfiehlt es sich, neben einer allgemeinen Legal Due Diligence unter Beiziehung eines Steuerexperten auch eine Tax Due Diligence durchzuführen, um allfällige Steuerrisken beim Zielunternehmen frühzeitig zu erkennen. Ebenso kann ein Steuerexperte dem Käufer Möglichkeiten aufzeigen, das neu erworbene Unternehmen steueroptimal zu strukturieren (z. B. durch Aufnahme in eine Unternehmensgruppe).
Die wesentlichsten steuerrechtlichen Überlegungen, die im Hinblick auf die Transaktion an sich anzustellen sind, sind jedenfalls die Folgenden.

Asset oder Share Deal?

Der Verkauf und die Übertragung von Unternehmen kann durch einen sogenannten Asset Deal oder Share Deal erfolgen. Kurz zusammengefasst unterscheiden sich diese wie folgt:

Beim Asset Deal, auch direkter Unternehmenserwerb genannt, ist das Unternehmen selbst (also die zum Unternehmen gehörenden Aktiva und Passiva inklusive aller Rechte, Kundenstock etc.) Gegenstand der Transaktion. Während der Verkauf zwar in einer Vertragsurkunde (Unternehmenskaufvertrag) abgeschlossen werden kann, muss für die Übertragung der Vermögensgegenstände der jeweilige Übertragungsakt eingehalten werden, damit das Eigentum auf den Käufer übergeht. Im Einzelnen besteht eine Vielzahl von Sondervorschriften, die zu beachten sind.

Beim Share Deal wird nicht das Unternehmen selbst, sondern Anteile an einer Gesellschaft (z. B. GmbH), die das Unternehmen betreibt (Zielgesellschaft), erworben. Da hier „nur“ der Unternehmensträger und nicht das Unternehmen selbst erworben wird, wird diese Erwerbsform auch als mittelbarer Unternehmenserwerb bezeichnet. Zu beachten ist, dass die Übertragung von GmbH-Anteilen notariatsaktpflichtig ist.

Die steuerlichen Rechtsfolgen des Unternehmensverkaufs hängen nicht nur von der Form der Unternehmensübertragung (also Asset oder Share Deal) ab, sondern auch von der Art und Beschaffenheit des jeweiligen Unternehmens, von den beteiligten Personen (Käufer und Verkäufer) und von der Kaufpreisstrukturierung.

Auch ob es sich bei Käufer und Verkäufer um natürliche Personen oder beispielsweise Kapitalgesellschaften (GmbH oder AG) handelt, ob die Transaktion im Inland erfolgt oder grenzüberschreitend ist, beeinflusst die steuerlichen Rechtsfolgen.

1. Fall: Natürliche Person verkauft per Asset Deal

Natürliche Personen unterliegen in Österreich der Einkommensteuer (ESt). Verkauft eine natürliche Person einen Betrieb, Teilbetrieb bzw. einen Mitunternehmeranteil an einer Personengesellschaft, so unterliegt sie mit einem daraus erzielten Gewinn der ESt.

Der steuerpflichtige Gewinn aus der Veräußerung ist entweder auf Grundlage der sogenannten Netto-Methode (Vergleich des Kaufpreises mit dem Eigenkapital) oder nach der Brutto-Methode (Vergleich der übernommenen Aktiva mit dem Kaufpreis zuzüglich Verbindlichkeiten) zu ermitteln. Ein Gewinn aus der Veräußerung des Unternehmens unterliegt grundsätzlich dem progressiven ESt-Tarif (bis zu 50 Prozent bzw. 55 Prozent). Ausgenommen davon ist sonderbesteuertes Vermögen (Wertpapiere, Gesellschaftsanteile, Immobilien), die eigens herauszurechnen und gesondert zu besteuern sind.

Da es durch den Verkauf eines Unternehmens in der Regel schlagartig zur einkommensteuerpflichtigen Aufdeckung stiller Reserven kommt, sieht das Gesetz unterschiedliche Möglichkeiten zur Abmilderung dieses Effekts vor. Schließlich haben sich die nun steuerpflichtigen Reserven oftmals über einen langen Zeitraum gebildet, sodass eine sofortige Steuerpflicht eine besondere Härte für den Verkäufer darstellen kann. Die vom Gesetzgeber vorgesehenen Begünstigungsmöglichkeiten sind jeweils an bestimmte Voraussetzungen geknüpft und wirken sich unterschiedlich aus.

Die Optionen sind:

  • Ein Freibetrag von bis zu 7.300 Euro;
  • eine Progressionsermäßigung (Halbsatzbegünstigung) für erzwungene Betriebsveräußerungen. Neben dem Pensionsfall kann dies bei Erwerbsunfähigkeit oder Tod der Fall sein;
  • eine Verteilungsbegünstigung, bei der der Veräußerungsgewinn auf drei Jahre verteilt wird.

Abschreibungspotenzial bei Asset Deal

Während beim Verkäufer die stillen Reserven steuerpflichtig aufgedeckt werden, aktiviert der Käufer das übernommene Vermögen inklusive der aufgedeckten stillen Reserven. Im Vergleich zu einem Share Deal kann der Asset Deal für den Käufer daher den Vorteil haben, dass durch die Aktivierung des Vermögens das Abschreibungspotenzial erhöht wird.

Ein Beispiel: Im Unternehmensvermögen befindet sich eine Maschine, die beim Verkäufer einen steuerlichen Restbuchwert von 500 Euro hatte. Die Restnutzungsdauer beträgt fünf Jah-re, die jährliche Abschreibung 100 Euro. Der Käufer führt nicht die steuerlichen Buchwerte des Verkäufers fort, sondern setzt die Maschine dem ihren Teilwert (Marktwert) entsprechenden Anteil des Gesamtkaufpreises an, in Höhe von 800 Euro. So beträgt die daraus resultierende Abschreibung für den Käufer nun jährlich 160 Euro.

Wird das Unternehmen hingegen im Rahmen eines Share Deals erworben, so ist das nicht möglich. Beim erworbenen Anteil an einer Kapitalgesellschaft handelt es sich schließlich um nicht abnutzbares Anlagevermögen, welches keiner planmäßigen Abschreibung zugänglich ist. Das von der Gesellschaft gehaltene Vermögen wird von dieser mit den Buchwerten unverändert weitergeführt.

2. Fall: Natürliche Person verkauft per Share Deal

Mit dem Budgetbegleitgesetz 2011 wurde die Besteuerung von Kapitalvermögen im Privat- und im Betriebsvermögen von natürlichen Personen im Wesentlichen gleichgeschaltet. Die Veräußerung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft unterliegt grundsätzlich einem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent, wobei sich die Bemessungsgrundlage aus der Differenz zwischen Anschaffungskosten und  Veräußerungserlös ermittelt.
Wird allerdings aus der Veräußerung eines Kapitalanteils ein Verlust erzielt, so ist dieser im Privatvermögen nur unter sehr starken Restriktionen verwertbar. Etwas liberaler ist dies, wenn der Verlust im Betriebsvermögen erzielt wird.

Sowohl für im Privatvermögen als auch im Betriebsvermögen gehaltene Anteile an Kapitalgesellschaften gilt ein striktes Abzugsverbot für Kosten im Zusammenhang mit der Veräußerung. Dies umfasst beispielsweise Beratungskosten.

Hat das zu Verkauf stehende Unternehmen in der Vergangenheit Verluste erzielt, die zu Verlustvorträgen geführt haben, kann der Erwerb durch Share Deal für den Käufer vorteilhaft sein. Allfällige auf Ebene der Zielgesellschaft vorhandene Verlustvorträge bleiben grundsätzlich bestehen, sodass diese auch nach Durchführung der Transaktion mit erzielten Gewinnen ausgeglichen werden können.

Das gilt jedoch dann nicht, wenn der sogenannte Mantelkauftatbestand erfüllt ist. Damit soll verhindert werden, dass Gesellschaften als „leere Hüllen“ erworben werden, nur um zukünftig Verluste zu erwerben, die für eine neue Geschäftstätigkeit genutzt werden können. Ein Steuerexperte kann im Einzelfall Wege aufzeigen, mit denen eventuelle Verlustvorträge gewahrt bleiben können.

Da es sich bei der Geltendmachung von Verlustvorträgen um ein höchstpersönliches Recht handelt, kommt ein Übergang der Verlustvorträge auf den Käufer nach einem Asset Deal von vornherein nicht in Frage.

3. Fall: Verkäufer ist eine Kapitalgesellschaft

Besondere steuerliche Fragen sind zu beachten, wenn eine Kapitalgesellschaft (GmbH oder AG) ein Unternehmen verkauft. Kapitalgesellschaften unterliegen der Körperschaftsteuer. Im Unterschied zum Einkommensteuergesetz sieht das Körperschaftsteuergesetz eine lineare Besteuerung von Gewinnen mit einem Steuersatz von 25 Prozent vor. Wird der Gewinn einer Kapitalgesellschaft an eine natürliche Person als Gesellschafter ausgeschüttet, so fällt Kapitalertragsteuer (KESt) in Höhe von 27,5 Prozent an. Durchgerechnet (KöSt und KESt) ergibt dies eine Gesamtsteuerbelastung von 45,625 Prozent.

Veräußert eine inländische Kapitalgesellschaft eine ausländische Gesellschaft, so ist ein allfälliger Gewinn gänzlich von der KöSt befreit, wenn die ausländische Gesellschaft unter die sogenannte internationale Schachtelbefreiung fällt. Das ist der Fall, wenn die Verkäuferin im Umfang von zumindest zehn Prozent für zumindest ein Jahr an der Gesellschaft beteiligt war, es sich um keine niedrigbesteuerte Gesellschaft mit Passiveinkünften handelt und die Option zur Steuerwirksamkeit nicht ausgeübt wurde.

Sonstiges: Umsatzsteuer, Grunderwerbsteuer

Der Verkauf eines Unternehmens ist nicht nur aus ertragsteuerlicher Perspektive zu überlegen. Steuerliche Konsequenzen können sich insbesondere aus dem Umsatzsteuergesetz, dem Gebührengesetz und – so weit auch Immobilienvermögen übertragen wird – auch aus dem Grunderwerbsteuergesetz ergeben.

Anders als in anderen EU-Mitgliedstaaten geregelt, sieht das österreichische Umsatzsteuerrecht keine generelle Befreiung für die Veräußerung von Unternehmen in Form eines Asset Deals vor. Umsatzsteuerlich ist eine derartige Transaktion daher wie die Lieferung der einzelnen Unternehmensgegenstände zu behandeln. Das bedeutet, dass Steuerpflicht bzw. Steuerbefreiung sowie anzuwendender Steuersatz für jedes Asset im Einzelnen zu beurteilen sind.

Grundstücke, die mitverkauft werden, sind grundsätzlich unecht von der Umsatzsteuer befreit. Das bedeutet, dass der Umsatz zwar nicht der Umsatzsteuer unterliegt, damit zusammenhängende Vorsteuern aber auch nicht geltend gemacht werden können. Wurden in der Vergangenheit Vorsteuern im Zusammenhang mit dem Grundstück geltend gemacht (z. B. durch Umbauten etc.), kann daher eine Vorsteuerkorrektur erforderlich sein. Um empfindliche Nachzahlungen zu verhindern, sollte mit einem Steuerexperten geklärt werden, ob es vorteilhafter ist, in die Umsatzsteuerpflicht zu optieren.

Werden im Rahmen eines Asset Deals auch Grundstücke übertragen, unterliegt dies der GrESt. In speziellen Fallkonstellationen kann ein Freibetrag geltend gemacht werden.

Erfolgt die Transaktion in Form eines Share Deals und ist die Zielgesellschaft Eigentümerin von inländischen Grundstücken, so kommt es bei Anteilsvereinigung (Vereinigung von mindestens 95 Prozent der Anteile in einer Hand) zum Anfall von GrESt.

Gegebenenfalls kann ein Steuerexperte legale Wege aufzeigen, um den Anfall von GrESt zu vermeiden. Zu denken wäre hier an den Erwerb durch zwei Gesellschafter, wobei jeder der beiden weniger als 95 Prozent an der Zielgesellschaft erwirbt; oder auch an einen nur mittelbaren Erwerb der grundstückshaltenden Gesellschaft durch Erwerb der Anteile an deren Gesellschaftern.

Und Gebühren

Der Verkauf eines Unternehmens kann auch Rechtsgeschäftsgebühren nach dem Gebührengesetz (GebG) auslösen, wenn über ein gebührenpflichtiges Geschäft eine Urkunde im Inland errichtet wird. Häufig kommt es bei M&A-Transaktionen zum Anfall der Zessionsgebühr (z. B. bei Übertragung von Forderungen, Immaterialgüterrechten) für Sicherungsgeschäfte wie Bürgschaft oder Schuldbeitritt. Auch hier könnten mit einem Steuerexperten Wege gefunden werden, den Anfall von Gebühren legal zu vermeiden.

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