Umschulung auf Staatskosten

Die Kosten für eine berufliche Neuorientierung, egal ob freiwillig oder erzwungen, sind oft von der Steuer absetzbar – aber nicht immer.

Illustration: Erik Bauer

Das Leben ist ein oft langer, aber nur selten ruhiger Fluss, auch das heutige Berufsleben nicht. Oft benötigt man eine Umschulung oder Zusatzausbildung, um beruflich wieder neu Fuß zu fassen. Die Kosten dafür kann der oder die Betroffene unter gewissen Voraussetzungen als Werbungskosten – vulgo Berufsausgaben – steuerlich absetzen.

Neuer lukrativer Beruf

Der Begriff „Umschulung“ impliziert schon, dass der Steuerpflichtige bereits eine Tätigkeit ausübt. Hauptsache ist aber, dass man bereits beruflich tätig war. Eine eingetretene Arbeitslosigkeit – egal ob Arbeitslosengeld bezogen wurde oder nicht – bedeutet keinen Hinderungsrund für die Abzugsfähigkeit von Umschulungskosten. Prinzipiell zielt eine Umschulung auf eine künftige, noch nicht ausgeübte Tätigkeit ab, weshalb die damit verbundenen Ausgaben begrifflich „vorweggenommene Werbungskosten“ darstellen.
Aufwendungen für Umschulungsmaßnahmen sind immer dann abzugsfähig, wenn sie

 

  • derart umfassend sind, dass sie einen Einstieg in eine neue berufliche Tätigkeit ermöglichen, die mit der bisherigen Tätigkeit nicht verwandt ist,
  • und eine tatsächliche Ausübung eines anderen Berufes bezwecken.

Dabei müssen Umstände vorliegen, die über eine bloße Absichtserklärung zur künftigen Einnahmenerzielung hinausgehen. Diese sind jedenfalls dann gegeben, wenn

  • die Einkunftserzielung im früher ausgeübten Beruf aufgrund von Arbeitslosigkeit nicht mehr gegeben ist oder
  • die weitere Einkunftserzielung im bisherigen Beruf gefährdet ist oder
  • die Berufschancen oder Verdienstmöglichkeiten durch die Umschulung verbessert werden.

Vorteil für Werkstudenten

Als berufliche Tätigkeit gilt jede Aktivität, die zu Einkünften führt. Dazu zählen genauso Hilfstätigkeiten oder fallweise Beschäftigungen. Auch wenn die berufliche Tätigkeit in einem Kalenderjahr erst nach Anfallen von Aufwendungen begonnen wird, können absetzbare Umschulungskosten vorliegen. Absetzbar sind in diesem Fall alle Umschulungskosten, die im Kalenderjahr des Beginns der beruflichen Tätigkeit anfallen.

Ein Beispiel: Ein Student beginnt im Oktober 2016 ein Medizinstudium und jobbt ab Februar 2017 als Kellner. Die Studienkosten können ab 2017 als Umschulungskosten abgesetzt werden.

Nur keine Hobbys

Der Steuerpflichtige muss allerdings nachweisen oder zumindest glaubhaft machen, dass er tatsächlich die Ausübung eines anderen Berufs beabsichtigt. Der Fiskus legt die Prüflatte umso höher, je mehr sich eine Umschulung nach der Verkehrsauffassung auch zur Befriedigung privater Interessen bzw. Neigungen eignet.
Eine besondere Nachweisführung obliegt dem Abgabepflichtigen daher vor allem, wenn

  • die derzeitige Einkünfteerzielung nicht gefährdet ist oder
  • die Umschulung für den neuen Beruf keine höheren Einkünfte erwarten lässt.

Beispielsweise wird sich ein gut verdienender Informatiker, der sich zum Hubschrauberpiloten umschulen lässt, schwer tun, die Gefährdung seiner Einkünfte zu dokumentieren. Ebenso verfügt ein Arzt mit einer gut gehenden Praxis als Internist über schlechte Karten, sein betriebenes Studium der Ägyptologie steuerlich als Umschulungsmaßnahme unterzubringen.

Scheitern erlaubt

Wenn das Gesamtbild für eine berufliche Neuorientierung spricht, liegen Werbungskosten vor, und zwar auch dann, wenn die tatsächliche Ausübung des angestrebten Berufes letztlich scheitert, z. B. weil der Steuerpflichtige keinen Arbeitsplatz findet oder während der Umschulung wieder in seinem angestammten Beruf eine Anstellung erhält.

Selbst Studienabbrecher können profitieren: Eine Jusstudentin, die sich das Studium als Fotomodell finanziert, bricht ihr Studium ab. Die bisher angefallenen Umschulungskosten sind als Werbungskosten anzuerkennen.

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