Der Fiskus verdient mit

Mit Jahresanfang wurde die Kapitalertragsteuer (KESt) angehoben. Lesen Sie, ob und wie man dem Fiskus mit Fonds entkommt.

Veräußerungsverluste bei Wertpapieren können Private steuerlich nicht mit Zinsen aus Bankguthaben gegenrechnen

Seit dem 1. Jänner 2016 gilt die neue KESt von 27,5 Prozent von zuvor 25 Prozent. Und das trifft auch heimische Investmentfonds mit steuerlicher Vertretung (weiße Fonds). Sie müssen ordentliche Erträge, also Zinsen und Dividenden – abzüglich Aufwendungen des Fonds – sowie 60 Prozent der außerordentlichen Erträge (Gewinne aus der Veräußerung von Fondsvermögen und Einkünfte aus Derivaten) mit der KESt versteuern.

Steuerlicher Spielraum für Fonds

Bei Privatanlegern  unterliegen Kursgewinne zur Gänze der KESt – und Anschaffungskos­ten werden nicht berücksichtigt! Außerdem kann ein Privatanleger realisierte Gewinne mit realisierten Verlusten jeweils nur innerhalb eines Kalenderjahres geltend machen. Hingegen kann ein Fonds realisierte Verluste mit ins Folgejahr nehmen, die bei der Gegenverrechnung noch nicht „aufgebraucht“ wurden – ein entscheidender Vorteil.

Auch können Privatanleger nur Wertpapiererträge aus dem „Neubestand“ mit Verlus­ten aus dem „Neubestand“ gegenverrechnen. Das umfasst Aktien und Fondsanteile, die ab dem 1. Jänner 2011 und Anleihen sowie Zertifikate, die ab dem 1. April 2012 gekauft wurden, sowie Zinserträge von Anleihen „neu“. 

Zinserträge von Anleihen aus dem Altbestand darf man hingegen nicht gegenverrechnen, sehr wohl aber  Erträge aus Dividenden und Fondsausschüttungen von Aktien und Fondsanteile aus dem Altbestand, erklärt Elisabeth Günther von der Schoellerbank.  

Generell  können Veräußerungsverluste nicht etwa mit Zinsen aus Bankguthaben verrechnet werden. Der Grund: Bei Zinserträgen wird die alte KESt – in Höhe von 25 Prozent – angewendet. 

Quellensteuer als Bremsklotz 

„Diese Einschränkungen gibt es auf Fonds­ebene nicht“, so pwc-Experte Johannes Edlbacher. Auf Fondsebene können realisierte Verluste auch mit Zinsen aus Bankguthaben des Fonds und Zinserträgen aus Anleihen, die der Fonds vor dem 1. April 2012 erworben hat, verrechnet werden. Der Preis dafür: Zinserträge auf Bankeinlagen im Fonds werden dafür ebenfalls mit 27,5 Prozent versteuert. 

Ein weiterer Nachteil: Auf ausländische Dividenden wird im jeweiligen Land die Quellensteuer einbehalten. Sie variiert je nach Land. Ein inländischer Fonds, der ausländische Dividenden bezieht, rechnet den anrechenbaren Teil der ausländischen Quellensteuer auf die heimische KESt an. (In der Regel werden 15 Prozent angerechnet.) 

Einen Antrag auf Rückzahlung des rückerstattbaren Teils der ausländischen Quellensteuer kann der inländische Fonds aber meist nicht stellen. Edlbacher: „Dazu sind inländische Fonds nach den bilateralen Doppelbesteuerungsabkommen nicht berechtigt. Die Rückerstattung kann nur der österreichische Privatanleger des Fonds beantragen.“ Die Rückforderung ist allerdings sehr aufwendig und rechnet sich nur bei sehr großen Investments. Bestimmte ausländische Fonds (etwa ein Luxemburger SICAV) können im Gegensatz zu inländischen Fonds abkommensberechtigt sein. „Dann kann der Fonds die Rückzahlung der rückerstattbaren Quellen­steuern beantragen“, so Edlbacher. 

Neue KESt auch für Fonds „alt“

Handelt es sich um einen thesaurierenden Fonds, bei dem die Ausschüttungen wieder veranlagt werden, erhöht sich der Anschaffungswert um die bezahlte KESt. Denn sonst würde ein Privatanleger bei der Veräußerung seiner Fondsanteile doppelt besteuert werden – falls er beim Verkauf einen Gewinn erzielt. 

Einzig: Bei Fondsanteilen „alt“ ist der gesamte Kursgewinn steuerfrei, dafür wird der Anschaffungswert nicht erhöht. Das ändert aber nichts daran, dass auf Fondsebene auch bei Beständen „alt“ die neue KESt auf ordentliche und außerordentliche Erträge abgezogen wird. Lesen Sie über die komplette Besteuerung von Fonds ohne steuerliche Vertretung (schwarze Fonds) im April-GEWINN.

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