Kinderbetreuungskosten – Freibetrag mit Ablaufdatum

Während der geplante Familienbonus erst ab 2019 gelten soll, schlagen sich viele Steuerzahler heuer noch mit dem schwierig konzipierten Freibetrag für Kinderbetreuung herum.

Foto: Wavebreakmedia – Thinkstock.com

Die letzte Ausgabe des GEWINN hat einen Ausblick auf den erst ab 2019 (richtig gelesen) in Kraft tretenden Familienbonus vermittelt. Geplant ist er in Form eines Steuerabsetzbetrages, in Höhe von 1.500 Euro pro Kind bis 18 Jahre.

Im heurigen Jahr gilt dagegen noch der als außergewöhnliche Belastung konzipierte Freibetrag für Kinderbetreuung von maximal 2.300 Euro, für Kinder bis zum zehnten Lebensjahr. Zu dessen Wirkungsweise und Umfang herrschen immer noch gewisse Unklarheiten – die im Folgenden hoffentlich beseitigt werden können.

Absetzbetrag versus Freibetrag

Zuallererst muss einmal mit der babylonischen Sprachverwirrung aufgeräumt werden, die vielfach zwischen den steuerlichen Begriffen „Absetzbetrag“ und „Freibetrag“ besteht.

Wie der Name schon erahnen lässt, wirkt sich ein Absetzbetrag durch eine unmittelbare Verminderung der Einkommensteuer aus. Alle Absetzbeträge – insbesondere Alleinverdiener-, Alleinerzieher-, Kinder-, Unterhalts-, Verkehrs-, Pensionistenabsetzbetrag sowie der neue „Familienbonus“ – bewirken, dass Sie exakt in deren Höhe mehr Geld im Börsel haben.

Um beim Familienbonus zu bleiben: Wer für zwei Kinder im Jahre 2019 den Familienbonus von 3.000 Euro (2x1.500 Euro) erhält, zahlt – ein entsprechendes Einkommen vorausgesetzt – auch um 3.000 Euro weniger an Einkommensteuer. Freilich, wenn Eltern keine oder nur wenig Einkommensteuer bezahlen müssen, kann auch der Familienbonus keine volle Wirkung entfalten.

Im Gegensatz dazu kürzt ein Steuerfreibetrag nur die Steuerbemessungsgrundlage. Seine finanzielle Auswirkung hängt also davon ab, in welcher Progressionsstufe das jeweilige Einkommen liegt. Oder anders ausgedrückt, welcher Steuersatz zur Anwendung gelangt. Angenommen ein Familienvater macht für das Jahr 2018 für seine Tochter Kinderbetreuungskosten von 2.450 Euro geltend. Maximal stehen ihm jährlich 2.300 Euro pro Kind zu. Sofern sein Einkommen z. B. einem 40-prozentigen Steuersatz unterliegt, erspart sich der Vater gerade einmal 920 Euro an Einkommensteuer, und nicht 2.300 Euro.

Was noch 2018 geht

Die Regelung enthält § 34 Abs. 9 EStG: Kosten für eine Kinderbetreuung
sind bis zum zehnten Lebensjahr des betreffenden Kindes absetzbar, wo-bei ein Limit von insgesamt 2.300
Euro pro Kind und Kalenderjahr besteht. Dabei handelt es sich um einen Jahresbetrag, der nicht zu aliquotie-ren ist, wenn z. B. nur in einigen Monaten Kinderbetreuungskosten an­fallen.

Wichtig: Die Kosten müssen unmittelbar an eine öffentliche oder private institutionelle Kinderbetreuungseinrichtung (Kindergarten, Hort) oder an eine pädagogisch qualifizierte Betreuungsperson gezahlt worden sein. Laut Verwaltungsgerichtshof ist der Begriff der pädagogisch ausgebildeten Person so auszulegen, dass zumindest jene Ausbildung gegeben sein muss, wie sie bei Tagesmüttern bzw. -vätern verlangt wird.

Achtung: Eine Betreuung durch haushaltszugehörige Angehörige vermittelt keinen Steuerabsetzposten

Welche Kosten sind absetzbar?

Hier ist zwischen der Vorschulzeit und der Pflichtschulzeit zu unterschei­den.Vor Beginn der Pflichtschule sind im Rahmen eines Kindergartenbesuchs neben den reinen Betreuungsaufwendungen auch Kosten für Verpflegung (z. B. Beitrag für eine „gesunde Jause“), Bastelgeld, Eintrittsgebühren für kulturelle Veranstaltungen (z. B. Kasperltheater, Museumsbesuche), Gebühren für Tiergarten-, Fahrtkosten in Zusammenhang mit diesen Veranstaltungen, soweit in Rechnung gestellt – der Transport durch die Eltern fällt nicht darunter – als Kosten der Kinderbetreuung absetzbar. Von den Verpflegungskosten zwackt der Fiskus aus verwaltungsökonomischen Gründen auch keine Haushaltsersparnis ab.

Ab Beginn des Pflichtschulbesuchs sind Kosten in Zusammenhang mit dem Schulbesuch (allfälliges Schulgeld inklusive Kosten für schulische Veranstaltungen wie z. B. Theaterbesuche, Sportveranstaltungen, Schullandwochen) nicht mehr abzugsfähig.
Dagegen sind die Kosten für die Betreuung während der schulfreien Zeit (z. B. Nachmittags- oder Ferienbetreuung) sehr wohl abzugsfähig (Details siehe Kasten).

Musikunterricht

Die Kosten für einen Musikunterricht (z. B. Schlagzeug, Gitarre, Blockflöte) von Kindern während der Schulzeit an einer örtlichen Musikschule stellen keine abzugsfähigen Kinderbetreuungskosten dar. Abzugsfähig ist nur die ausschließliche Kinderbetreuung, der Betreuungszweck muss ein wesentlicher Bestandteil der gebotenen Dienstleis­tung sein. Hingegen sind Kosten eines Musikunterrichts in der schulfreien (!) Zeit als Kinderbetreuungskosten absetzbar, sofern die Betreuung durch eine pädagogisch qualifizierte Person oder institutionelle Betreuungseinrichtung erfolgt.

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