Steuertipps zum Jahreswechsel

Wo sollte man heuer noch aktiv werden, um Steuervorteile auszunützen? Welche Rechnungen aufheben und was vielleicht noch mit dem Steuerberater schnell klären?

(Foto:LUMIKK555 - GettyImages.com)

Während aufgrund des neuesten Lockdowns gerade Ausfallsbonus, Härtefallfonds und Verlustersatz für betroffene Unternehmen reaktiviert werden, gibt es auch noch das Jahresend-„Business-as-usual“. Soll heißen herauszufinden, was man 2021 noch schnell tun kann, um seine Steuerbelastung zu minimieren..

Home-Office & sonstige Werbungskosten

Seit Anfang 2021 können Arbeitgeber ihren Mitarbeitern als Abgeltung der Mehrkosten im Home-Office für maximal 100 Tage pro Kalenderjahr bis zu drei Euro pro Home-Office-Tag (d. h. maximal 300 Euro/Jahr) steuerfrei ausbezahlen, eine entsprechende Home-Office-Vereinbarung muss vorliegen.

Ein Trostpflaster gibt es dabei für alle, deren Arbeitgeber eine solche Pauschale nicht oder in geringerem Ausmaß auszahlt: „Sollte der Arbeitgeber diese Pauschale nicht ausschöpfen,, kann der Arbeitnehmer den Differenzbetrag bei seiner Arbeitnehmerveranlagung als Werbungskosten geltend machen – maximal also 300 Euro“, erklärt Brigitte Stögerer, Partnerin bei HFP.

Nicht zu vergessen: Wer sich heuer für das Home-Office einen PC, Laptop, Drucker etc. angeschafft hat, kann auch das als Werbungskosten absetzen, bis zur Höhe der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter von 800 Euro sogar heuer alles auf einmal.

„Allerdings nimmt der Fiskus ohne näheren Nachweis an, dass Computer und Co. auch privat genutzt werden, weshalb er einen Privatanteil von 40 Prozent ausscheidet“, schildert Stögerer.

Ausgaben für die ergonomische Einrichtung des häuslichen Arbeitsplatzes außerhalb eines Arbeitszimmers – also Schreibtischsessel, Schreibtisch oder passende Beleuchtung – sind wiederum eine eigene Angelegenheit. „Solche Kosten können bis zu einem Betrag von 150 Euro für das Jahr 2021 abgesetzt werden, sollte man die im Jahr 2020 ebenfalls zustehenden 150 Euro damals nicht ausgenützt haben, können nun bis zu 300 Euro als Werbungskosten geltend gemacht werden“, erklärt Stögerer.

Vorausgesetzt, man war zumindest 26 Tage im Home-Office im betreffenden Jahr. (Dies erkennt das Finanzamt am vom Arbeitgeber übermittelten Jahreslohnzettel, auf dem die Home-Office-Tage angeführt sein müssen.)

Auch noch ein paar ganz andere Themen können unter die Werbungskosten fallen. Wer heuer etwa Fortbildungs-, Ausbildungskosten bzw. Kosten für Umschulung tragen musste, oder Kosten für doppelte Haushaltsführung oder Familienheimfahrten fällig wurden, kann all das ebenfalls für das Jahr 2021 geltend machen.

Sonderausgaben

Die sogenannten Topfsonderausgaben gab es leider im Vorjahr zum letzten Mal, es bleiben aber die „normalen“ Sonderausgaben über. Darunter fallen beispielsweise Nachkäufe von Pensionsversicherungszeiten, freiwillige Weiterversicherungsbeiträge in der Pensionsversicherung, bestimmte Renten und vor allem auch die Steuerberatungskosten.

Kirchenbeiträge sowie Spenden wererden mittlerweile ohnehin automatisch ans Finanzamt gemeldet.

Mitarbeiterbeteiligung: 3.000 Euro steuerfrei

Gibt ein Unternehmen seinen Mitarbeitern unentgeltlich oder verbilligt Unternehmensbeteiligungen ab, exis tiert dafür ein Freibetrag pro Mitarbeiter und Jahr in Höhe von 3.000 Euro. Vorausgesetzt, der Vorteil kommt allen Arbeitnehmern oder einer bestimmten Gruppe zu und die Beteiligung wird vom Mitarbeiter länger als fünf Jahre gehalten.

Wie GEWINN bereits in der November-Ausgabe berichtet hat, ist mit der Steuerreform geplant, Mitarbeitern eine Gewinnbeteiligung in Höhe von bis zu 3.000 Euro steuerfrei auszuzahlen. Womit künftig keine Beteiligung am Unternehmen mehr Voraussetzung ist und diese Option auch Arbeitnehmern offenstehen soll, deren Arbeitgeber keine Kapitalgesellschaft ist.

Zuschuss Kinderbetreuungskosten: 1.000 Euro steuerfrei

Wenn der Arbeitgeber allen oder bestimmten Gruppen seiner Arbeitnehmer einen Zuschuss für die Kinderbetreuung (Kindergarten, Hort) leistet, ist dieser Vorteil bis zu 1.000 Euro jährlich pro Kind (bis zum 10. Lebensjahr) steuerfrei (und auch frei von SV-Beiträgen). Geleistet werden muss der Zuschuss direkt vom Arbeitgeber an die Kinderbetreuungseinrichtung oder in Form eines Gutscheins einer solchen Einrichtung.

„Jobticket“

Um die Mitarbeiter zur Benützung öffentlicher Verkehrsmittel zu animieren, können die Kosten für die Öffis steuerfrei vom Dienstgeber übernommen werden. Auch dann, wenn kein Anspruch auf Pendlerpauschale mangels Entfernung besteht.

„Bei Tickets, die ab dem 1. 6. 2021 gekauft wurden, ist dieser Vorteil aus der Übernahme der Ticketkosten durch den Arbeitgeber – egal ob Wochen-, Monats- oder Jahreskarte – beim Arbeitnehmer immer dann steuerfrei (und SV-frei), wenn die Karte zumindest am Wohn- oder Arbeitsort gültig ist“, weist Stögerer hin. Bisher musste es an beiden Orten gültig sein.

Sollte der Arbeitgeber nicht die gesamten Kosten dafür übernehmen können, ist es auch möglich, dass er diese nur teilweise übernimmt. „Dabei muss der Arbeitgeber das Ticket nicht schon direkt beim Verkehrsunternehmen erwerben, er kann dem Arbeitnehmer die Kosten gegen Vorlage der Rechnung – die zum Lohnkonto zu geben ist – abgabenfrei ersetzen“, erklärt Stögerer.

Wichtig ist aber zu wissen: Das Jobticket muss zusätzlich zum bisher gezahlten steuerpflichtigen Arbeitslohn übernommen werden, nicht an dessen (teilweiser) Stelle, ansonsten würde eine nicht begünstigte, steuerpflichtige Gehaltsumwandlung vorliegen.

Degressive Abschreibung

Degressive Abschreibung bedeutet: Für Wirtschaftsgüter, die ab dem 1. 7. 2020 angeschafft oder hergestellt wurden, kann die Abschreibung mit einem unveränderlichen Prozentsatz von bis zu 30 Prozent (in diesem Rahmen aber frei wählbar) vom jeweiligen Buchwert erfolgen.

Von der degressiven Abschreibung ausgenommen sind allerdings z. B. Gebäude, Firmenwerte, gebrauchte Wirtschaftsgüter, Kraftfahrzeuge (Ausnahme: E-Autos) oder auch Anlagen zu Förderung, Transport, Speicherung oder Nutzung fossiler Energieträger.

Die höhere Abschreibung zu Beginn der Nutzungsdauer führt bei langlebigen Wirtschaftsgütern aufgrund des Vorzieheffekts zu Liquiditätsvorteilen, „insbesondere bei Ansetzen von 30 Prozent kann in den ersten Jahren eine wesentlich höhere steuerliche Abschreibung erreicht werden“, erklärt Silvia Frasch, Steuerberaterin bei LBG Österreich. Ein einmaliger Wechsel von degressiver zu linearer Abschreibung ist möglich, nicht aber umgekehrt. „Ein Wechsel zur linearen Abschreibung kann sinnvoll sein, wenn diese nach einigen Jahren höher ist als die degressive“, so Frasch, man solle diese Option vorab aber je nach erwarteter Geschäftsentwicklung und Steuerprogression durchrechnen.

Beschleunigte Gebäudeabschreibung

Für Gebäude, die ab dem 1. 7. 2020 angeschafft oder hergestellt wurden, kann für zwei Jahre eine beschleunigte Abschreibung geltend gemacht werden. „Auch solche, die ab diesem Zeitpunkt im Privatvermögen angeschafft und zu einem späteren Zeitpunkt ins Betriebsvermögen eingelegt wurden“, ergänzt Michael Bergmann, Steuerberater bei LBG Österreich, „sowie für Immobilien, die im Privatvermögen angeschafft und darin belassen wurden, wie etwa eine Vorsorgewohnung.“

Die Abschreibungssätze betragen im Detail:

  • Im ersten Jahr: Erhöhung des für Gebäude zulässigen Höchstsatzes (2,5 bzw. 1,5%) um das Dreifache, womit die Abschreibung 7,5 bzw. 4,5 Prozent (bei Wohngebäuden) beträgt.
  • Im zweiten Jahr: Erhöhung um das Zweifache (von 2,5 bzw. 1,5%) auf einen Satz von fünf bzw. drei Prozent (bei Wohngebäuden).
  • Ab dem dritten Jahr gilt wieder der reguläre Höchstsatz (2,5 bzw. 1,5%), womit wieder alles, wie gehabt ist.

Geringwertige Wirtschaftsgüter

Sei es ein Laptop, Bildschirm oder anderes – Neuanschaffungen bis 800 Euro können für das Jahr 2021 sofort als geringwertige Wirtschaftsgüter abgesetzt werden.

Dank geplanter Steuerreform wird die Obergrenze voraussichtlich ab 2023 übrigens auf 1.000 Euro weiter erhöht werden.

„Perioden-Glättung“ für Einnahmen-Ausgaben-Rechner

Bei den Einnahmen-Ausgaben-Rechnern unter den Selbständigen gilt ja das sogenannte Zufluss-Abfluss-Prinzip. Bedeutet, dass eine Einnahme dann als eingegangen gilt, wenn sie auf dem Konto gutgebucht wurde und nicht bereits dann, wenn die Rechnung ausgestellt wurde. War man nun beispielsweise heuer überdurchschnittlich erfolgreich, erwartet sich aber für das kommende Jahr eher geringere Einnahmen, kann man wegen des progressiven Einkommensteuertarifs versuchen, eine gewisse „Perioden-Glättung" zu erreichen. Bedeutet, etwa noch vor 31. 12. Zahlungen zu tätigen (Abfluss) oder offene Honorarrechnungen erst nach dem Jahreswechsel zu stellen.

Mit Blick auf 2022 „empfiehlt sich aufgrund der geplanten Senkung der Einkommensteuer vorab eine Abschätzung“, betont Frasch. Denn durch die ab Juli 2022 angekündigte Senkung der zweiten Progressionsstufe von 35 auf 30 Prozent wird die steuerliche Belas tung im kommenden Jahr geringer ausfallen als heuer.

Gewinnfreibetrag

Der alljährliche Gewinnfreibetrag für Selbständige (natürliche Personen sowie bei Personengesellschaften die Gesellschafter in Höhe ihrer Gewinnbeteiligung) erlaubt es auch heuer wieder, bis zu 13 Prozent des Gewinns steuerfrei zu stellen. Bis 30.000 Euro Gewinn gilt der Grundfreibetrag, für darüber hinausgehende Gewinne sind bestimmte Investitionen zu tätigen, um ihn nützen zu können. Und zwar „entweder in körperliche, abnutzbare, ungebrauchte Anlagegüter mit einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren“, so Frasch, „oder in Wertpapiere, die den Voraussetzungen zur Deckung für Pensionsrückstellungen entsprechen“.

Ausblick aufs nächste Jahr: Ab 2022 soll der Grundfreibetrag von 13 auf 15 Prozent erhöht werden.

Arbeiten zu Hause besser absetzbar

Im November im Ministerrat beschlossen (aber erst in Umsetzung) ist schließlich der Plan, die steuerliche Absetzbarkeit vom Arbeiten zu Hause für Selbständige leichter zu machen. Denn ohne eigenes Arbeitszimmer war es für sie bisher nicht möglich, regelmäßig Kosten abzusetzen. In Aussicht gestellt wurde nun ein Pauschalbetrag von 1.200 Euro pro Jahr für den Arbeitsplatz zu Hause, vorausgesetzt man lebt ausschließlich von der selbständigen Erwerbstätigkeit bzw. verdient bei einem Zweitjob nicht mehr als 11.000 Euro jährlich. Ist das doch der Fall, sollen 300 Euro absetzbar sein.

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