Lager ohne Portier

Storebox macht aus Erdgeschoßlokalen urbane, „vollautomatische“ Selfstore-Standorte. Franchise-Nehmer betreiben sie im Nebenjob.

(Foto: Mathis Fotografie)

Sie ist Lehrerin, er ist Installateur. Angelika Meusburger wollte ihren „Horizont erweitern“, Karl-Heinz Strele „ein zweites Standbein aufbauen“, erzählen die beiden Storebox-Franchise-Nehmer über ihre Motivation, neben ihren Brotberufen noch etwas Neues zu probieren.

Ende 2019 eröffneten sie den Storebox-Standort in Dornbirn, ein zweiter im Ländle, in der Landeshauptstadt Bregenz, befindet sich gerade im Aufbau. Beide liegen in leerstehenden Erdgeschoßlokalen in zentraler Lage.
„In Vorarlberg werden Wohnungen oft ohne Kellerabteil gebaut“, berichtet Strele über die Situation im Ländle. Diese Tatsache sowie eine Immobilie haben ihn schließlich auf die Idee gebracht, es in Sachen urbanes Lager zu probieren. „Selfstorage ist in ländlichen Gegenden gar nicht so bekannt, daher mussten wir Werbung via Anzeigen und Flyer machen“, so seine Geschäftspartnerin und Schwester Meusburger weiter.

Ein bestehender Standort ist mit rund zwei Stunden pro Woche prima als Nebenjob zu betreiben, zwei- bis dreimal wöchentlich sollte man selbst hinfahren, um nach dem Rechten zu sehen und die eine oder andere Reinigung zu machen.

Ab 70 Prozent Auslastung rentabel

Den Standort in Dornbirn erweitern sie gerade von 180 auf 300 Quadratmeter. Die Werbung zeigt Früchte und der Bedarf steigt. „Trotz Corona haben wir gute Buchungen“, so Strele. 70 Prozent beträgt die Auslastung, was ungefähr der Rentabilitätsschwelle entspricht. Zwischen einem halben und einem Jahr bindet sich ein typischer Kunde. Die eine Hälfte der Kunden sind Private, die andere sind Unternehmer, etwa Handwerker oder kleine Online-Händler.

Letztere nutzen ihre Lagerabteile sogar für „Click and Collect“. „Unsere Standorte sind rund um die Uhr per Code zugänglich“, erklärt Magdalena Mathoi, Head of Business Development bei Storebox. Kunden können Codes für ihre Kunden generieren, damit sich die aus ihrem Abteil eine Bestellung abholen.

Dass bei diesem Franchise-System kein Personal physisch anwesend sein muss, ist für den Betrieb im Nebenjob günstig. Administratives erledigt der Franchise-Nehmer online. Analog sind hingegen noch die Vorhangschlösser an den Lagerabteilen. Neue Kunden kommen „fixfertig“ über die Website der Zentrale herein, ebenso läuft der Support darüber.

30.000 Euro für Gebietsschutz

Zwischen 150 und 500 Quadratmeter sollte eine Storebox haben, bei der Lage (ebenerdig!) muss es in Städten nicht „A“ sein, aber so nahe am Kunden wie möglich sowie öffentlich gut erreichbar. Ehemalige Schlecker-Filialen im Zentrum sind besser als Industriegebiete am Stadtrand.

100 bis 150 Euro kostet der Ausbau pro Quadratmeter samt Errichtung von Abteilen zwischen einem und 15 Quadratmetern. „Wir machen für unsere Partner eine Standortanalyse und berechnen, ob sich eine Sanierung lohnt“, so Mathoi. Die Miete sollte bei rund zwölf Euro netto inklusive Betriebskosten liegen. Planung und Konzept kommen vom Franchise-Geber.

Neue Partner müssen sich zuerst eine örtlich gebundene Lizenz um 30.000 Euro kaufen, die einen Gebietsschutz für 30.000 Einwohner im Umkreis garantiert. „Viele kaufen sich vorab eine Lizenz und starten erst dann die Suche nach einer Immobilie“, berichtet Mathoi. Nach rund fünf Jahren, bei einer durchschnittlichen Auslastung von 80 Prozent sollte sich ein Standort mit Investitionskosten von rund 60.000 Euro amortisieren.

Auf der Einnahmenseite liegen die Abteilpreise bei 39 Euro (brutto) für einen Quadratmeter sowie bei 200 Euro für 6,6 Quadratmeter.

Storebox war ursprünglich ein Dienst zur Vermittlung von ungenutzten Kellerabteilen und hat sich dann zum Selfstorage-Anbieter in Erdgeschoßlokalen gewandelt. Mit der „Verfranchisung“ ist man in den letzten drei Jahren von einem auf 65 Franchise-Partner gewachsen.

40 weitere Lizenzen sind vergeben, woraus in den nächsten Jahren Standorte werden. Neben Österreich ist Storebox auch stark in Deutschland (Berlin, Frankfurt, München, Düsseldorf, Köln) sowie vereinzelt in der Schweiz und in Luxemburg vertreten.

GEWINN-Fazit

Storebox ist mit über 100 Standorten ein erprobtes System. Da der Franchise-Geber rund 50 Standorte – größtenteils in Wien – selbst führt, kann er Unternehmen und Konzept gut weiterentwickeln. Allerdings „blockiert“ er für potenzielle Franchise-Partner interessante Standorte in der Bundeshauptstadt.
Neue Partner genießen zwar Gebietsschutz in den eigenen Reihen, aber in größeren Städten existieren mittlerweile zahlreiche Mitbewerber. Nach und nach bieten sie wie Storebox auch 24/7-Zutritt ohne Portier.

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