Wenn Franchising Ärger macht

Christian F. hat die Schattenseiten einer Franchise-Partnerschaft ­erlebt. Die Expertin erkennt darin typische Probleme, auf die jeder Franchise-Nehmer bereits im ­Vorfeld achten sollte.

Schmerzhaft waren die Erfahrungen, die auch der Franchise-Nehmer eines deutschen Systems für trendige kosmetische Anwendungen machen musste (Foto: AndreyPopov – Thinkstock.com)

Eine faire Partnerschaft zu beiderseitigem Nutzen erhoffte sich Christian F. (aufgrund eines laufenden Gerichtsverfahren wurde der Name von der Redaktion geändert, auch das System darf nicht explizit genannt werden), als er 2009 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin einem deutschen Franchise-System für trendige kosmetische Anwendungen beitrat. Was harmonisch begann, endete allerdings in Streitereien und Gerichtsverfahren.

Kunden standen Schlange

„Nach vielen Jahren in der Werbebranche wollten wir etwas anderes versuchen“, erzählt F., warum die beiden damals die ersten Franchise-Nehmer des besagten Sys­tems außerhalb Deutschlands wurden. Eine Master-Lizenz für Österreich erwarben sie zwar nicht, allerdings gab es die Übereinkunft, dass man in Österreich mehrere Standorte eröffnen sollte. Was das Paar im Lauf der Jahre auch tat. Obwohl gleich zu Beginn erste Wolken den blauen Himmel trübten: „Unter anderem übernahm ein deutsches Architekturbüro verpflichtend die Studioplanung.“ Nicht eingehaltene österreichische Bauvorschriften und Auflagen bei den Umbauten der einzelnen Standorte verteuerten das Gesamtprojekt allerdings merklich. „Unser Studio in Wien lief dann aber toll an, die Kunden standen Schlange“, erinnert sich F. Der Rekordwert betrug 163 Kunden pro Tag.
Doch die Kunden standen auch deshalb Schlange, weil die Franchise-Zentrale die Vergabe von Terminen untersagte. „Ein Unsinn, der für die Kunden zu langen Wartezeiten führte und uns wegen der fehlenden Planbarkeit unnötig hohe Personalkosten verursachte“, weiß F. heute. 

Kosten fraßen Gewinn auf

Man expandierte dennoch wie verabredet und eröffnete 2011 ein Studio in Graz. Dieses lief aber nicht annährend so gut an wie prognostiziert. „Graz war zu klein für die geforderte und von uns auch umgesetzte Studiogröße und dem daraus resultierenden hohen Mitarbeiterstand.“ Um die Grazer Verluste aufzufangen, wurde 2013 ein weiteres Studio in Wien eröffnet. Und zum dritten Mal die volle Einstiegsgebühr von 15.000 Euro bezahlt. In F. und seiner Lebensgefährtin begann die Erkenntnis zu reifen, dass der Franchise-Geber nur an sich selbst und kaum an die Franchise-Nehmer dachte. „Es gab eine Vielzahl zusätzlicher Kos­ten, zum Beispiel Nutzungs­kos­ten für Software oder sogar die Musik, die im Hintergrund lief. Das summierte sich.“ Auch das Rabatt­sys­tem für die Kunden war zum Nachteil der Franchise-Nehmer: „Die Kosten blieben allein an uns hängen.“

2015 bat F. deshalb den Franchise-Geber um ein Gespräch. „Es war finanziell so nicht mehr umsetzbar, wir machten wenig Gewinn.“ Das Gespräch blieb aber fruchtlos, der Franchise-Geber war kaum zu Zugeständnissen bereit. Und 2016 ­wurde die Franchise-Partnerschaft schließlich beendet.

Streitobjekt Standort

Was Christian F. erlebt hat, ist leider keine Seltenheit, meint Sylvia Freygner, Rechtsanwältin aus Wien. „Wenn es Probleme in Franchise-Systemen gibt, sind es oft dieselben“, so die Expertin. Etwa jenes, dass der Franchise-Geber nachträglich teure Investitionen ab­verlangt. „Wenn, dann darf das nur verhältnismäßig geschehen.“

Ein vor allem für den Franchise-Geber wichtiger Punkt ist der Standort. Diesen will er sich, wie auch bei jenem Standort, der bei F. immer noch ein Streitobjekt ist, gerne mittels Eintrittsrecht in den Mietvertrag sichern. „So einen Vertragspassus sollte der Franchise-Nehmer grund­­sätzlich ablehnen, damit er den Standort friktionsfrei fortführen kann, sollte die Franchise-Beziehung in die Brüche gehen.“

Ebenfalls häufig im Fokus steht der Kundenstock, den sich der Franchise-­Nehmer aufgebaut hat und für den er bei seinem Ausstieg einen Anspruch auf Ausgleich hat. Freygner: „Manche Franchise-Systeme schrei­ben in den Vertrag, dass sie die Kunden bei Beendigung des Vertrages nicht übernehmen, erhalten aber die Kundendaten schon vorher über das gemeinsame Kassensystem.“ Doppelt haarig, denn gemäß EU-Datenschutzregeln müsste jeder einzelne Kunde sein Einverständnis zur Weitergabe seiner Daten geben.

Ein klarer Vertrag ist wichtig

Um Nutzungskosten und Bezugspflichten gehe es auch oft. „Der behauptete Einkaufsvorteil für den Franchise-Nehmer ist manchmal gar nicht vorhanden, deshalb sollten Bezugspflichten nur für die Franchise-Waren  an sich und nicht für Hilfsmittel bestehen“, so Freygner. Alles andere soll sich der Franchise-Nehmer selbst besorgen dürfen.

Und ganz grundsätzlich: Wie mit Problemen umgegangen wird, sollte im Franchise-Vertrag genau stehen: „Bei Fehlverhalten und Kündigung muss geregelt sein, was passiert.“ Die Expertin fasst zusammen, worauf es im ­Franchising ankommt: „Wichtig ist ein kooperativer Vertrag, der mit dem Handbuch gut zusammenspielt.“
Tipps, die für Chris­tian F. leider zu spät kommen. Nichtsdestotrotz nutzt er seine Erfahrungen wenigs­tens, um am Aufbau eines neuen Franchise-Systems in der gleichen Branche mitzuarbeiten.

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