Gründen in Berlin statt Wien

Die von Wienern gegründeten Start-ups Bambus und Careship haben ihren Sitz in Berlin. Warum es die Unternehmer in die deutsche Metropole zog.

Foto: totalpics - GettyImages.com

Wien oder Berlin? Beim Thema Investoren geht der Punkt an die deutsche Bundeshauptstadt, sind sich beide Unternehmer Patrick Wollner und Franz Hoerhager einig. Die gebürtigen Wiener haben 2018 „Bambus“ gegründet, ein Start-up zur Immobilienbeleihung. Wer Haus, Wohnung oder Grund besitzt, kann sich über die Bankpartner von Bambus bis zu 80 Prozent des errechneten Wertes in Cash abholen und zur Überbrückung von liquiden Engpässen nutzen.

Natürlich benötigte Bambus Kapital für seine Gründung. „Unsere Inves­toren stammen größtenteils aus Deutschland und den USA, aus Österreich ist keiner dabei. In Berlin hat man als frühphasiges Start-up bessere Chancen auf eine Finanzierung“, erzählt Wollner. Geldgeber für einen mittleren sechsstelligen Betrag waren unter anderem der Münchner Immobilienentwickler „CV“ sowie die deutschen Business-Angels Jan Deepen und Stefan Jeschonnek. Ebenso ist laut Bambus-Gründer die Start-up-Szene in Berlin interessanter, da sie länger existiert und somit schon mehr Exit-erfahrene Unternehmer darunter sind. Das wirkt sich wiederum positiv auf Investoren aus.

Doppelt so viele Einwohner wie Wien

Hinzu kommt, dass Berlin mit 3,7 Millionen Einwohnern fast doppelt so groß ist wie Wien. Somit ist der für Bambus doch recht urbane Aktionsradius doppelt so groß. „Wir haben uns entschieden, dort zu gründen, wo der Großteil unserer potenziellen Kunden wohnt“, erklärt Wollner.

Aktuell befindet sich Bambus in einer Private-Beta-Phase. Dabei werden Kunden durch eingeschränkte Online-Marketingtests an Bord geholt und ihr Feedback fließt in die Produktentwicklung ein. Sowohl österreichische als auch deutsche Kunden nehmen teil. Denn auf ihren „echten“ Heimmarkt wollen sie doch nicht verzichten. Anfang 2019 gründeten sie eine Zweigniederlassung in Wien.

Und wie sieht’s sprachlich aus? „Ob man Bayer oder Wiener ist, ist in Berlin gleichermaßen exotisch“, scherzt Wollner.

Skalieren in ganz Deutschland

Nicht ganz freiwillig fiel die Wahl des Unternehmenssitzes auf Berlin beim Start-up Careship. Gründerin Antonia Albert lebte jobbedingt in Berlin, als ihre Großmutter in Wien plötzlich Betreuung benötigte. Auf dem Markt fanden sie aber nur klassische Pflegekräfte.

„Wir haben für unsere Großmutter eine Unterstützungskraft gesucht, die stundenweise alle paar Tage vorbeischaut. Dabei haben wir keinen medizinischen Pflegedienst gebraucht, sondern jemanden, der Aufgaben erledigt, die ich auch machen könnte – wäre ich am selben Ort wie sie“, erzählt Antonia Albert, warum sie gemeinsam mit ihrem Bruder Nikolaus Careship gründete.

Der ungeplante Anstoß zur Unternehmensgründung und dazu auch noch in Berlin hat sich für das Geschwisterpaar aber bald als Vorteil herausgestellt. Sie nutzten den großen deutschen Markt zum Skalieren. Mittlerweile ist Careship neben Berlin auch in Hamburg, Frankfurt und Teilen von Nordrhein-Westfalen tätig und verfügt über ein Netzwerk von 850 Alltagshelfern, die etwa Senioren im Haushalt unterstützen.  „Wir akquirieren und qualifizieren Alltagshelfer und vermitteln diese über unsere Plattform an Senioren. 25 Euro kostet die Leis­tung pro Stunde“, erläutert die Gründerin, die in Berlin ganz besonders das internationale Flair zu schätzen weiß. „Als Österreicher kommt man in Berlin genauso gut an wie ein Berliner in Berlin“. Ob die gebürtige Wienerin wieder in der deutschen Metropole gründen würde? „Auf jeden Fall“, sagt sie.

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.