Im Brutkasten der EU

Das European Institute of Innovation & Technology (EIT) bietet ein Bildungsprogramm und finanzielle Mittel für Start-ups. Wie das abläuft, hat sich GEWINN bei den heurigen EIT-Awards in Budapest angesehen.

Die jährlichen EIT-Awards sind das Highlight für die teilnehmenden Start-ups. In Themengruppen (KICs) durchlaufen sie Accelerator-Programme. Die besten werden danach prämiert und präsentieren sich auf nationalem Parkett, wie hier in Budapest (Foto: EIT/Andras Peter Nemeth)

„Ich war im ersten Moment überrascht, was vor allem am starken Mitbewerb lag“, sagte Michael Dittel, nachdem er den EIT-Change-Award in Budapest überreicht bekommen hat. Damit werden Spitzenabsolventen der EIT-Bildungsprogramme ausgezeichnet und bekommen ein Preisgeld von 20.000 Euro. „Das Geld werden wir zur Weiterentwicklung unserer Technologie nutzen. Insbesondere der Aufbau unserer Web-Plattform steht dabei im Vordergrund“, so Dittel, der Anfang 2018 gemeinsam mit drei Kollegen das Start-up LeafTech gründete. Das Berliner Unternehmen weiß mittels Verbrauchsdaten und Wetterprognosen den Energieverbrauch von Gebäuden zu senken und gleichzeitig CO2-Emissionen und Kosten einzusparen.

Europas größtes Innovationsnetzwerk

Das European Institute of Innovation & Technology, kurz EIT, ist eine Institution der Euro­päischen Union mit dem Zweck, Unternehmen, Bildung und Forschung zu vernetzen. Es ist wesentlicher Bestandteil des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation „Horizon 2020“ und versteht sich zudem als größtes Innovationsnetzwerk Europas.

Das EIT gliedert sich in acht „Know­ledge and Innovation Communities“, auch als KICs bezeichnet, die auf unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Start-ups erhalten Unterstützung durch die jeweiligen KICs, die in Innovations-Hubs angesiedelt sind. Europaweit gibt es über 50 solcher Hubs, in denen mehr als 1.500 Partner zusammenarbeiten. In Österreich sind sechs KICs präsent: Climate-KIC, Digital, InnoEnergy, Health, Raw Materials und Food (siehe Tabelle).

Die Bewerbungskriterien für die einzelnen KICs sind undurchsichtig, schließlich gibt es eine Fülle an EIT-Aktivitäten in zig Ländern und unterschiedliche Voraussetzungen. Möchte man als Start-up andocken, muss man sich erst bewerben. Den Weg zum EIT ebnen die jeweiligen KICs mittels Trainings- und Bildungsprogrammen, Innovationsprojekten, Business Incubators oder Accelerators.

1,5 Jahre im Inkubator

Beispielsweise wird das Bewerbungsfenster für das in Österreich angebotene Climate-KIC-Accelerator-Programm alle sechs Monate rund um die Monate Jänner und Juli geöffnet. Eine Online-Bewerbung geht der Teilnahme an einem Pitch voraus. Darauf folgend entscheidet eine Jury über die Fördervergabe.

Der Climate-KIC-Accelerator splittet sich in drei Phasen auf, die jeweils ein halbes Jahr dauern. Für jede Phase gilt es, sich neu zu bewerben. Im ersten Stadium werden frühphasige Start-ups mit 20.000 Euro unterstützt. Dabei wird das Business-Modell spezifiziert oder ein Prototyp gebaut.

25.000 Euro erhalten Start-ups in der zweiten Phase. Dabei konzentriert man sich auf Kundenakquise. In den letzten sechs Monaten steht die Skalierung des Geschäftsmodells im Fokus. Hierfür regnet es Unterstützung in der Höhe von 40.000 Euro. Vorteil ist, dass im Gegenzug keine Unternehmensanteile abgegeben werden müssen. 

Speed-Dating im Aquarium

Zurück auf die Bühne bei den heurigen Awards, die in Ungarns Hauptstadt im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung Mitte Oktober vergeben wurden. Neben dem eingangs erwähnten Change Award warteten noch vier weitere auf ihre künftigen Besitzer. Und wie es sich für ein Event in der Start-up-Szene gehört, setzte das EIT auf eine standesgemäße Inszenierung. Mitten im Zentrum liegt die unterirdische Location, umgeben von einem Park. Eine weitläufige Terrasse mit Stufen sorgt für besonderes Flair, während ein Pool mit Glasboden dem Ort seinen Namen schenkt – Aquárium Klub.

Neben Panel-Diskussionen präsentierten alle 19 Award-Anwärter im Speed-Dating-Modus ihre Innovationen. „Made in Europe“ ist, was die Nominierten eint. Die „Auserwählten“ kamen unter anderem aus Deutschland, Lettland, Dänemark, Schweden, Großbritannien oder Frankreich. Österreich spielte heuer nicht in der Liga der Nominierten mit. Dafür unser Nachbarland, das gar nicht in der EU ist.

Über die EU-Grenzen hinweg

Die Schweiz war mit Anastasia Hofmann vertreten. Ihr Start-up Kitro soll helfen, die Lebensmittelverschwendung in der Gastronomiebranche zu stoppen. Hierfür kommt eine Waage zum Einsatz, die ein Foto knipst, sobald etwas im Mistkübel landet. „Mit der automatischen Datenerhebung können wir Restaurantbesitzern oder Köchen genau erklären, was und wie viel sie wegwerfen“, fasst die Gründerin die Idee zusammen. Bereits bevor Hofmann Kitro Ende 2017 aus der Taufe hob, erhielt sie Unterstützung vom EIT. Erst bewarb sie sich im Climate-KIC- Headquarter in Zürich für ein Greenhouse- Programm, dann erhielt sie Support mittels Accelerator. Mittlerweile zählt sie zu den Absolventen. „Als Alumni vom Climate-KIC-Accelerator werden wir immer noch gefördert, indem wir zum Beispiel zu Workshops, Master Classes wie auch zu Demo Days eingeladen werden. Das Netzwerk besteht weiter“, so die Schweizerin.

„Wir verwalten ein Budget von 2,4 Milliarden Euro“

Alice Fišer, Head of Communications and Stakeholder Relations Unit beim EIT, im ­Interview über die Start-up-Förderungen auf EU-Ebene.

GEWINN: Das EIT, errichtet von der Europäischen Union, ist eine Ideenschmiede mit dem Ziel, Innovation in Europa zu fördern und zu stärken. Hierfür arbeiten Sie mit Unternehmen, Universitäten und Forschungszentren zusammen. Wie groß ist dieses Netzwerk?
Fišer: Das EIT wurde 2008 gegründet, seit 2010 haben wir unser Hauptquartier in Budapest. Wir starteten mit weniger als hundert Partnern, mittlerweile kooperieren wir mit über 1.500 Institutionen.

GEWINN: Ist das EIT demnach in allen Ländern der EU vertreten?
Fišer: Ja, aber natürlich gibt es unterschiedliche Balancen. Wir sind nicht in allen Ländern gleich stark vertreten. Derzeit haben wir über 50 Innovation-Hubs in ganz Europa. Diese bringen Partner aus der Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung zusammen, die Unternehmer auf ihrem Weg unterstützen. Diese Hubs unterhalten Aktivitäten in verschiedenen Ländern. Zum Beispiel hat die Innovationsgemeinschaft EIT Climate KIC einen Hub in Berlin, der wiederum für die D-A-CH-Region zuständig ist und ein Büro in Wien unterhält, um österreichische Innovatoren vor Ort zu unterstützen.

GEWINN: Aber das EIT ist auch außerhalb der EU vertreten.
Fišer: Wir haben im März einen EIT Community Hub in Silicon Valley eröffnet, um so europäischen Innovatoren mit Know-how, Marktkenntnis und Kontakten zu Partnern und Investoren vor Ort zur Seite zu stehen. In diesem Ansinnen werden wir auch in Kürze Hubs in China und Israel eröffnen.

GEWINN: Wie sieht die Organisation des EIT aus?
Fišer: Im Headquarter in Budapest arbeitet ein 70-köpfiges Team. In dieser Periode (EU- Haushaltsperiode von 2014 – 2020, also sieben Jahre, Anm.) verwalten wir ein Budget von 2,4 Milliarden Euro. Die operativen Arme des EIT sind die Innovationsgemeinschaften, die entlang der wichtigen Themen wie Digitalisierung, Klimawandel, erneuerbarer Energien arbeiten.

GEWINN: Gibt es Schwerpunkte?
Fišer: Die Palette der Produkte ist unwahrscheinlich vielfältig. Das reicht vom Flugtaxi bis zu autonomen und elektrisch fahrenden Bussen. Angesichts dessen sind wir relativ schlank aufgestellt. Die Repräsentanzen des EIT laufen über die einzelnen KICs. In Österreich haben wir zum Beispiel 26 Partner­organisationen (z. B. AIT und INITS, Anm. d. R.), die mit den KICs zusammenarbeiten.

GEWINN: 2009 wurden die ersten KICs ins Leben gerufen. Seitdem wurden weitere ini­tiiert.
Fišer: Genau. Die ersten drei KICs waren ­Climate-KIC, InnoEnergy und Digital. Dann kam die nächste Welle mit Fokus auf Health, Food und Raw Materials. Erst letztes Jahr entstanden die Schwerpunkte Mobility und Manufacturing.

GEWINN: Müssen die einzelnen Start-ups im Gegenzug für Förderungen Unternehmensanteile abgeben?
Fišer: Das ist ganz unterschiedlich. Die einzelnen KICs haben gewisse Vorgaben, können ihr Sein und Schaffen aber relativ frei organisieren.

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