Klima und Pharma: Die nächsten Motoren

Climate-Tech, genverändernde Pharma sowie Impfstoffe sind Beispiele für die nächsten Treiber von Start-ups und der Investitionen in sie.

(Foto: Astra Zeneca)

Das Jahr 2021 erweist sich als das bisher beste Jahr in der österreichischen Start-up-Geschichte: Mit GoStudent und Bitpanda sind in den letzten Monaten zwei heimische Unternehmen in den exklusiven Club der „Unicorns“ aufgestiegen, privat gehaltene Start-ups mit einer Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar. Zusammen sammelten sie satte 350 Millionen Euro ein, um ihr weiteres Wachstum zu finanzieren.

Wie lange kann der Boom noch weitergehen? Sind wir am Zenit angekommen? Kann man den immer weiterwachsenden Start-up-Bewertungen wirklich noch Glauben schenken? Oder steht eine – überfällige – Anpassung im Raum? In unserem letzten Artikel (Juli/August-GEWINN 2021) kamen wir zum Fazit, dass wir den Argumenten der Start-up-Jünger im Moment viel abgewinnen können: Eine trotz Delta-Variante voranschreitende Rückkehr zur Normalität, aufgestaute Verbraucherausgaben, ein boomender Arbeitsmarkt, die immer tieferen Taschen von VC-Fonds und anderen Kapitalgebern und die großen Konjunkturpakete vieler Regierungen stimmen uns zuversichtlich für die Gründerszene, sowohl im Silicon Valley als auch in Österreich.

Doch neben dem positiven volkswirtschaftlichen Klima verleitet uns ein zweiter, fundamentalerer Grund zu anhaltendem Optimismus für die Gründerszene. Jeden Tag drängen neue Technologien auf den Markt, und hinter vielen von ihnen stehen Start-ups. Hier zwei Treiber der Zukunft:

Die grüne Welle

Präsident Biden zeigt seit seiner Amtseinführung zu Jahresanfang, dass er im Gegensatz zu seinem Vorgänger den Klimawandel ernst nimmt. Die USA wollen ihre Emissionen bis 2030 um 50 Prozent (gegenüber 2005) senken, die EU um 55 Prozent (gegenüber 1990).

Während der immer stärker werdende Konkurrenzkampf zwischen Amerika und China seine Schatten zieht, so hat der geopolitische Hahnenkampf auch seine guten Seiten. Wenn die USA, China, Europa und andere Nationen es ernst damit meinen, bis 2050 klimaneutral sein zu wollen, dann braucht es nicht nur jede Menge Geld, sondern eine nie dagewesene Fülle an Innovationen, von der Landwirtschaft hin zum Bauwesen und zur Erzeugung und Speicherung von Elektrizität.

Vor diesem Hintergrund werden dieses Jahr die 14 Milliarden Euro, die 2020 in Climate-Tech-Start-ups inves tiert wurden, wohl weit übertroffen werden. Bis Ende Juni waren bereits 88 Prozent des Vorjahresvolumens erreicht, und in nur sechs Monaten wurden fünfmal so viele Klimainvestment-fonds wie in den letzten fünf Jahren zusammen erfolgreich finanziert. Die grüne Welle scheint im Moment nicht zu stoppen.

Medizin der Zukunft

Ein weiteres Gebiet, dessen Innova tionspotenzial kaum überschätzt werden kann, bleibt Biotechnologie und Pharmazeutik. Befeuert durch wissenschaftliche Durchbrüche wie CRISPR/Cas9 (zur Veränderung von DNA-Bausteinen im Erbgut) oder mRNA-Impfungen (zur Behandlung von Infektionskrankheiten und Krebs) kletterte das Investmentvolumen in Biotech-Unternehmen 2020 auf knapp 24 Milliarden Euro in 1.073 Deals; 73 Unternehmen gingen an die Börse.

Viele große Pharmaunternehmen haben ihre Grundlagenforschung im Grunde an Biotechnologie-Start- ups und Universitäten ausgelagert (die BioNTech-Pfizer- und Oxford-AstraZeneca-Vakzine sind gute Beispiele hierfür), was vielen Neueinsteigern genügend Platz auf dem Markt bietet.

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