Musiklehrer immer dabei

Die zwei Musik-Start-ups aus Oberösterreich, Tonestro und Fretello, ersetzen Musiklehrer durch das Smartphone. Künstliche Intelligenz bewertet die Spielkünste.

Gitarrelernen auf dem Smartphone. Die App Fretello bewertet Klang und Geschwindigkeit (Foto: Fretello)

„Das Gitarrespielen hätte ich fast aufgegeben“, erzählt Florian Lettner, der im Jahr 2016 zusammen mit Wolfgang Damm das Musik-Start-up „Fretello“ mit Sitz in Linz gründete. „Dabei könnte es mit einem maßgeschneiderten Übungsplan und mit genügend Feedback so einfach sein“, setzt der Absolvent der FH Oberösterreich in Hagenberg fort. Alles, was dafür benötigt wird, sind ein Smartphone, eine Gitarre und 20 Minuten am Tag, so die Gründungsidee von Fretello.

Innerhalb von zwölf Monaten die Gitarre beherrschen, das ist das Versprechen der App. Zu Beginn absolviert der Nutzer einen interaktiven Kurs. Dabei sieht man sich Lernvideos an und nimmt erste Spielversuche via Smart­phone auf. Die App analysiert mittels Algorithmus Tonhöhe, Spieltempo und -technik. Anschließend bekommt der Nutzer Feedback, das mögliche Fehler und die Ursachen dafür beinhaltet.

Hat man die Basics gelernt, geht es an die „richtigen“ Songs. Derzeit werden um die 150 Stücke angeboten. Darunter sind auch Klassiker von No Doubt, Oasis und Him. Das Start-up mit 20 Mitarbeitern finanziert sich über Abos. Ein Monatsabo kostet 15, ein Jahresabo 120 Euro. Derzeit nutzen 250.000 registrierte Gitarristen die App. Davon sind 80 Prozent Anfänger, die vor allem aus den USA und aus dem D-A-CH-Raum kommen.

Vergangenes Jahr erwirtschaftete Fretello einen Umsatz im unteren sechsstelligen Bereich. Apple und Google kürten Fretello zur „Lieblings-App“. Denn: „Wir machen primär Werbung auf Facebook und Google und kooperieren mit internationalen Musiklabels, Händlern und Musiklehrern. Deals gibt es auch mit Sony/ATV und EMI. Nach langer Verhandlung haben wir nun Zugang zu einem Katalog von über drei Millionen Songs“, so Lettner. Und es geht noch weiter: In Zukunft sollen die Nutzer auch Bassgitarre erlernen können.

Die Umsetzung von Fretello gelang mithilfe der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Bei der Entwicklung der KI (Künstlichen Intelligenz) arbeitete das Start-up mit dem Austrian Research Institute for Artificial Intelligence (OFAI) in Wien zusammen

Lern-App für Blasmusiker

Dass es keine App zum Üben für Blasmusiker gibt, störte Heinrich Huber, der 2017 mit seinem Sohn und Programmierer, Christoph Huber, sowie mit den Musikern Christian Kapplmüller und Alexander Kogler das Start-up „Fun music IT“ mit Sitz in Hagenberg (OÖ) gründete. Heraus kam die App „Tonestro“. „Die App soll die Leidenschaft der Menschen für Blasinstrumente fördern und ihnen helfen, sich zu verbessern“, erklärt Huber. Der Bläser – egal ob Trompete, Horn, Klarinette, Saxophon, Blockflöte oder Tuba – spielt der App vor, Tonestro hört über das Mikrofon des Smartphones zu, analysiert jeden einzelnen Ton und gibt sofort Feedback über Tonhöhe, Rhythmus und Tonstabilität. Dafür zahlen die Nutzer, die primär aus den USA, aus Brasilien und Mexiko kommen, im Monat 13 Euro und im Jahr 100 Euro.

Tonestro basiert auf einem Levelkonzept. Jedes Level ist ein Musikstück. Um das Level abzuschließen, benötigt der Nutzer Punkte. Bei der Auswahl der Musikstücke und bei der Optimierung der Spieltechnik kommt KI zum Einsatz. Die App zählt bisher 170.000 Downloads. „Die größten Herausforderungen waren die langen Verhandlungen mit den Musikverlagen, um den Zugang zu den Musikstücken zu erhalten“, erklärt Huber. Knapp 13.000 Arbeitsstunden, davon 8.000 Entwicklerstunden, hat das Start-up investiert.

Im Gegensatz zu Fretello richtet sich Tonestro nicht an blutige Anfänger, sondern an Fortgeschrittene, die Feedback beim Üben daheim suchen. Und Tonest­ro vernetzt mit anderen Musikern.

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