33 Tipps für (digitales) Führen

Besonders in Corona-Home-Office-Zeiten – Führungskräfte sollten sich stets eine Frage stellen: Könnte es nicht besser laufen?

(Foto: MangoStar_Studio - GettyImages.com)

„Digitale Meetings sind viel mühsamer“, seufzte unlängst einer in der obersten Riege der heimischen Topmanager „off the records“. „Wenn wir am Besprechungstisch sitzen, reicht meist ein scharfer Blick von mir, und das Thema ist entschieden. Das geht bei Videokonferenzen nicht, da muss man die Leute ausreden lassen. Was da an Zeit draufgeht“, fuhr er fort.

Nur eine Facette, aber sie zeigt, dass digitales Führen über (Home-Office-)Videokonferenz noch mehr Know-how benötigt als in freier Büro-Wildbahn. Warum das so ist, wie sich der Begriff „Autorität“ immer stärker wandelt, welche Fehler eine gute Führungskraft umschiffen sollte – diese Tipps helfen in der On- und Off-Welt.

Autorität wandelt sich

Besagter Topmanager hatte es früher bei seinem Aufstieg einfacher als seine jetzigen „Sandwichmanager“ (Bereichs-, Abteilungs-, Gruppen-, Teamleiter). Chef sagte, Mitarbeiter machte. Heute jedoch leitet sich Autorität nicht mehr bloß durch die hierarchische Position, sondern von der Erfahrung der Führungskraft und vor allem ihrem Verhalten ab. Dabei geht es um eine Kombination aus Fach-, Sozialkompetenz und Verantwortung. Führungskräfte müssen sich fachlich auskennen, aber auch und vor allem in der Lage sein, auf die Mitarbeiter eingehen zu können. Dann kann Verantwortung übernommen und können Entscheidungen herbeigeführt werden, die im Grundsatz akzeptiert werden – auch wenn nicht jeder immer mit allem einverstanden sein wird.

Tipps:

1. Interessieren Sie sich für Sachfragen, lassen Sie sich von Mitarbeitern immer wieder Details erklären. Hören Sie gut zu. Geben Sie den Menschen Ihre volle Aufmerksamkeit.

2. Übernehmen Sie Verantwortung.

3.Verschieben Sie den Verantwortungsfokus nicht auf die Mitarbeiter.

4. Machen Sie klar, wie Entscheidungen getroffen werden. Erklären Sie den Menschen, wer zu welchem Zeitpunkt in welcher Form einbezogen wird.

5. Kümmern Sie sich im Rahmen Ihrer Kernverantwortung gut um Ihre Mitarbeiter. Mitarbeiterführung ist wie gutes Lieferantenmanagement. Wer seine Lieferanten nachweislich ausbeutet, wird nur sehr kurzfristig wirtschaftlich erfolgreich sein.

6. Vergessen Sie Status, Vorrang und Machtgehabe. Überzeugen Sie durch Ihr Verhalten. Stärken Sie Ihren Leuten den Rücken. Insbesondere in herausfordernden Situationen. Wenn Sie das nicht tun, ruinieren Sie Ihre Autorität und Reputation.

Wie misst ein Unternehmen gute Führung?

Das kann man an zwei „KPIs“ (Key Performance Indicator) ablesen: der wirtschaftlichen Performance des Unternehmens und der Mitarbeiterfluktuation. Beide Kennzahlen bewegen sich im grünen Bereich, wenn mittelfristig erstere hoch und zweitere niedrig ist (kurzfristige Ausschläge sind auch bei guter Führung nicht zu vermeiden, da sich auch die wirtschaftliche Gesamtentwicklung niederschlägt).

Tipps:

7. Besprechen Sie Ihre Performance-Kennzahlen regelmäßig mit Ihren Mitarbeitern. Ermutigen Sie sie zu kont­roversen Diskussionen und zum Querdenken – und das stets mit dem Ziel, die Performance zu erhalten und auszubauen.

8. Managen Sie auch deren Work-Life-Balance mit. Machen Sie klar, was Sie unter digitaler/telefonischer Erreichbarkeit verstehen. Wenn Sie gut auf die Balance Ihrer Leute achten, können Sie sich umso besser auf die Performance des Unternehmens/Ihrer Abteilung konzentrieren.

Schwächen bei Führungskräften

Führungskräfte sind schwach, wenn

  • sie sich zu sehr auf ihre hierarchische Position verlassen,
  • sie sich zu wenig für entscheidende Sachfragen interessieren,
  • sie sich unpassendes Verhalten und menschlich unzureichende Kommunikation erlauben und
  • lie zu lange zögern und zaudern.

Qualität von (Online-)Meetings

Online fällt viel stärker auf, wie schlecht viele Meetings gestaltet sind und wie wenig Meeting-Kompetenz viele Führungskräfte haben. All das wird nun sichtbar. Viele reagieren auf diese Erkenntnis aktuell mit einer Verlagerung ihrer Aufmerksamkeit: Kamera und Mikro werden abgedreht, während der Chef oder ein Kollege online Monologe hält, beschäftigt man sich mit anderen Dingen. Diese Toleranz wird allerdings sukzessive abnehmen. Daher muss die Qualität von Meetings insgesamt besser werden. Hier sind die Führungskräfte gefordert. Denn Inkompetenz in der Gestaltung von Meetings lässt sich online nicht mehr verbergen.

Tipps:

9. Sorgen Sie für bewusstes Agenda-Management: Jeder Agenda-Punkt braucht ein Ziel. Dient er der Information, dem Meinungsaustausch oder soll eine Entscheidung getroffen werden?

10. Sorgen Sie für bewusstes Einladungsmanagement: Am Meeting nehmen nur Menschen teil, die gebraucht und die wissen, wofür sie gebraucht werden. Seien Sie mutig: Verabschieden Sie Menschen aus dem Meeting, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Sie werden es Ihnen danken.

11. Legen Sie das Zeitfenster für jeden Punkt auf der Agenda fest und halten Sie sich daran. Menschen schätzen einen respektvollen Umgang mit ihrer Arbeits- und Lebenszeit.

12. Sorgen Sie in Online-Meetings dafür, dass zumindest am Beginn und am Ende jeder Anwesende sicht- und hörbar wird. Das erhöht das Commitment.

13. Sorgen Sie online für methodische Abwechslung. Die Faustregel lautet: Spätestens alle zehn Minuten ein neuer Impuls bzw. ein Methodenwechsel. Das ist für alle Beteiligten interessant und angenehm.

14. Sachfragen kann man sehr gut online lösen. Das Vertiefen persönlicher Beziehungen ist aber nur in Präsenzsituationen gut möglich. Nutzen Sie daher Präsenzmeetings zur bewussten Beziehungspflege zwischen den Anwesenden. Aber zwingen Sie die Mitarbeiter nicht extra dazu, und setzen Sie die Zeit nicht bloß nach Ihrem eigenen Nutzen und Kalender fest.

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