Algenzucht sucht Anleger

Die Industrialisierung der Algenproduktion ist Ziel von ecoduna. Das Unternehmen aus Niederösterreich hat mit einem Kauf-Miet-Modell für Private aber auch eine innovative Finanzierung entwickelt.

Ob einem Algen schmecken oder nicht – aus der Industrie sind sie nicht mehr wegzudenken. In der Lebensmittelproduktion ebenso wie im Pharmabereich und in der Futtermittel- sowie der Nahrungsmittelindustrie gelten Mikroalgen wenn nicht als Allheilmittel, dann zumindest als eierlegende Wollmilchsau, die für fast alles zu verwenden ist. Einziger Haken: Die Produktion von Algen erfolgt immer noch nach der guten alten Bauernregel: säen, düngen, warten, ernten. Aufgrund der steigenden Nachfrage würde sehr viel für eine industrielle Produktion sprechen. Doch so einfach sind Algen dann doch nicht zu kultivieren, wie selbst internationale Größen aus der Energieindustrie feststellen müssen, für die Algen auch als möglicher Treibstofflieferant für Bio-Fuels interessant wären.
Als global erstem Unternehmen ist es der ecoduna AG aus Bruck an der Leitha in Niederösterreich gelungen, ein weltweit patentiertes Verfahren zu entwickeln, dass eine industrielle Produktion von qualitativ hochwertigen Mikroalgen ermöglicht. (GEWINN berichtete darüber in der Jänner-Ausgabe 2013 – der Bericht ist für Abonnenten im Artikel-Archiv unter gewinn.com abrufbar.) Mit drei Pilotanlagen wurde das Verfahren mittlerweile auch zur industriellen Reife gebracht. Nun soll eine erste Großanlage errichtet werden, an deren Finanzierung ecoduna Privatinves­toren die Möglichkeit bietet, sich zu durchaus attraktiven Konditionen zu beteiligen.

Es geht um Omega-Fettsäuren

Algen sind der Rohstoff der Zukunft, heißt es. Nicht ohne Grund. Denn alle 400.000 Arten, die es gibt, bestehen aus Stoffen, die man gut gebrauchen kann: ungesättigte Fettsäuren, andere hochwertige Öle, natürliche Farbstoffe und wertvolle Proteine. Vor allem die ungesättigten Fettsäuren Omega 3 und Omega 6 stehen bei der Kosmetik- und Pharmaindustrie ebenso hoch im Kurs wie bei der Futter- und Nahrungsmittelindustrie, weiß Johann Mörwald, Vorstandsvorsitzender der ecoduna AG: „Kein Säugetier kann diese Fettsäuren erzeugen, Fisch als Ressource wird aber immer knapper – qualitativ und quantitativ. Derzeit kommen noch 90 Prozent des Omega-3-Öls aus dem Fischfang, nur zehn Prozent aus veganen Quellen.“
Der ehemalige CEO von Hofer Österreich, der zudem als Mitglied des Koordinationsrats der ALDI-SÜD-Gruppe deren Expansionsoffensive in den USA und in Kanada maßgeblich verantwortete, nahm 2012 aus gesundheitlichen Gründen ein Jahr Auszeit und ist seit 2013 als Managing Partner bei der ecoduna AG: „ecoduna ist durch einen Gesellschafter auf mich aufmerksam geworden, also habe ich mir das angesehen und sehr schnell Feuer gefangen.“
Entzündet hat er sich an dem enormen Marktpotenzial für ein Verfahren, das mit sogenannten Glas-Photobioreaktoren eine kontinuierliche Produktion von Mikroalgen ermöglicht, sprich: es kann laufend geerntet werden. Die Algen reifen dabei in einem geschlossenen Kreislauf von miteinander verbundenen Kunststoffröhren, die, hängend, der Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden und mit einer speziellen Nährlösung gefüllt sind. Zusätzlich wird CO2 eingeleitet, um die Wachstumsbedingungen für die Algen zu verbessern. ecoduna setzt dabei vor allem auf die Sorten Chlorella vulgaris und Spirulina, die auch in unseren Breiten das ganze Jahr über einfach zu kultivieren sind und im Idealfall einmal pro Tag ihre Biomasse verdoppeln. Zudem sind diese in der EU als Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel zertifiziert. Mörwald: „Die Chorella vulgaris ist daher die Mikroalge mit den geringsten Produktions- und Absatzrisken.“
Das ermöglicht ecoduna, gleichbleibend hochwertige Biowertstoffe in großen Mengen für die weiterverarbeitende Industrie anbieten zu können. Dabei konzentriert sich ecoduna auf die Wertstoffe, die Geld bringen. Allen voran sind das ungesättigte Fettsäuren, deren Algen als Trockenmasse Großhandelspreise von 40 bis 80 Euro erzielen, ganz spezielle Inhaltsstoffe kommen sogar auf bis zu 6.000 Euro pro Kilo. Umsätze, die ecoduna ebenfalls ernten möchte. Mörwald: „Wir wollen nicht die Technologie verkaufen, sondern diese Wertschöpfung im Unternehmen behalten.“

Vier Prozent und „Prospekt light“

Dazu errichtet die eparella GmbH, eine Tochtergesellschaft der ecoduna AG, eine ein Hek­tar große Anlage, die im Vollbetrieb eine Kapazität von 100 Tonnen Algenbiomasse pro Jahr ausweist, was wiederum einem Umsatz von mehr als vier Millionen Euro entspricht.
Die baurechtlichen und technischen Vorarbeiten sind bereits im Gange, sodass nach Abschluss der Finanzierung rasch mit dem Bau begonnen werden kann. Und auch dabei geht ecoduna mit einem Sale&Lease-back-Modell neue Wege. Privatpersonen (mit Wohnsitz in Österreich) können ein Modul (dieses entspricht einer Einheit von Glas-Photobioreaktoren) der Algenzuchtanlage kaufen und an das Unternehmen zurückvermieten.
2.500 Euro kostet ein Modul, bis zu zehn kann man erwerben und insgesamt sind es 154 Module, wobei rund ein Drittel bereits verkauft wurde. Pro Modul zahlt eparella 100 Euro Miete pro Jahr, was einer Verzinsung von vier Prozent entspricht. Da diese Mieteinnahmen als Nebeneinkünfte bewertet werden, sind sie für Privatpersonen erst ab 730 Euro pro Jahr steuerpflichtig.
Die Rückvermietungszeit beträgt fünf Jahre, danach wird der Kaufpreis zurückerstattet und die Module gehen wieder in das Eigentum von eparella zurück. Laufende Kosten gibt es keine, nur bei einem vorzeitigen Ausstieg wird eine Verwaltungskostenpauschale von 75 Euro (unabhängig von der Anzahl der Module) fällig. Sollte ecoduna vorzeitig „ausscheiden“, sprich: insolvent werden, bleibt man zumindest Eigentümer des Moduls.
Da mit den maximal 154 erwerbbaren Modulen die Grenze von 150 Personen, die theoretisch angesprochen werden, überschritten wird, ist ecoduna auch nach dem neuen Kapitalmarktgesetz prospektpflichtig. Als ers­tes Privatunternehmen hat ecoduna dafür den erst im Dezember von der EU geschaffenen „Prospekt light“ aufgelegt, der vor allem Klein- und Mittelunternehmen den Weg auf den Kapitalmarkt erleichtern soll.
Ein Weg, der für ecoduna dann doch nicht ganz so leicht war. Denn die beizubringenden Inhalte sind zwar im Umfang reduziert, nicht aber im Tiefgang, so Mörwald, der den Aufwand mit „vier Wochen für zwei Mitarbeiter, die damit beschäftigt waren“, beziffert. Seine Hoffnung, dass „light“ auch schnell bedeutet, wurde nicht ganz erfüllt. Man wisse zwar, dass man durch sei, die offizielle Bestätigung ist aber noch ausständig. Mörwald: „Wir waren die Ersten, die bei der FMA (Finanzmarktaufsicht) diese Light-Version eingereicht haben. Daher hat die FMA das ganz genau angesehen, um auch für sich entsprechende Kompetenz aufzubauen.“ Da muss also auch noch was wachsen . . .
Weitere Informationen zum Unternehmen und zum Kauf-Miet-Angebot finden Interessierte unter ecoduna.com.

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