Besohlte Alternativlinge

Die heimischen Öko-Schuhmarken Think! und Waldviertler zeigen, dass Schuhproduktion auch zu fairen Bedingungen klappt; noch dazu in Europa.

Foto: GEA Waldviertler

Design ist Geschmackssache – nicht aber die Passform. Die Schattenseiten billig hergestellter Schuhe sind schlechter Sitz, geringe Stützfunktion, zu steife oder dicke Sohlen. Dazu gesellen sich bei Massenware aus Asien die oft schrecklichen Produktionsbedingungen. Zwischen dem Schuster ums Eck und den besagten Asia-Schuhen gibt es noch eine Alternative: nationale Hersteller, die weitaus „grüner“ produzieren. So wie hierzulande etwa die Think Schuhwerk GmbH, einer der größten Schuhhersteller Österreichs mit Sitz in Kopfing (OÖ).

Unter dem Markennamen „Think!“ verlassen pro Jahr 650.000 Paar Schuhe die Werke. Auf den letzten modischen Schrei hat man es nicht abgesehen, auf die Gesundheit der Träger schon. Chromfrei gegerbtes Leder aus europäischen Gerbereien kommt bei den meis­ten Modellen zum Einsatz. Pflanzliche Mittel ersetzen bei der Gerbung die üblichen giftigen Chromsalze.

Nischenprodukt im Mainstream-Handel

Produziert werden die Schuhe an der ungarisch-rumänischen Grenze und in Bosnien. Für Geschäftsführer Walter Breuer ist das aber dennoch nicht die erste Wahl, sondern eine Kompromisslösung: „Die Schuhproduktion in Österreich ist aus Kostengründen schwierig. So fehlen etwa die Arbeitskräfte dafür im Land.“ In Osteuropa fand er, was er suchte: Fachkräfte für leistbare und faire Produktion. Dazu kommt die geografische Nähe des Firmensitzes zu den Produktionsstätten. Breuer kann schnell reagieren, wenn etwas schiefläuft. Für ein mittelständisches Unternehmen ein wesentlicher Faktor.

Im internationalen Vergleich ist die Produktionsmenge bei Think! winzig (der Weltmarkt umfasst zwölf Milliarden Paar bei 385 Milliarden Euro Umsatzvolumen). Das „Nischenprodukt Think!“ vertreibt Breuer zu 85 Prozent über den stationären Handel, darunter bei den Schuhhändlern Humanic und Salamander sowie über die 25 Think-Shops via Franchise. Der Rest läuft über den eigenen Online-Shop. Ein Paar Schuhe kostet zwischen 90 und 260 Euro. Das Unternehmen generiert mit 60 Mitarbeitern einen Umsatz von 35 Millionen Euro. Einer der nächsten Schritte ist der Ausbau des Geschäftes in Skandinavien. Greta Thunberg habe den Weg dafür geebnet und das Nachhaltigkeitsbewusstsein europaweit gestärkt.

Gutes Gewissen und höherer Preis

Prominent ist der Gründer des österreichischen Schuhherstellers Gea Waldviertler. Heinrich Staudinger machte 2012 internationale Schlagzeilen mit seinen ersten Gehversuchen, Kapital per „Crowdfunding“ zu luk­rieren. Gemeinsam mit Co-Geschäftsführer Paul Tritscher verfolgt er wie Think! den grünen Gedanken bei den Schuhen. Mit der Materialauswahl haben sich die Manager intensiv beschäftigt. Gea Waldviertler verarbeitet Rindsleder aus Europa, ein Nebenprodukt der Fleischindustrie. Die Produktionsstandorte liegen in Schrems (NÖ) und in Tschechien mit 200.000 Paar Schuhen pro Jahr. Die Preise liegen bei bis zu 245 Euro. Die höheren Produktionskosten gibt man dem Kunden weiter. Ebenso das gute Gewissen.

Nicht in Asien zu produzieren ist Teil der Firmenphilosophie: „Es gibt Menschen, die denselben Waldviertler schon über 20 Jahre haben“, erklärt Tritscher. Auch nach Jahren können die Kunden den Schuh reparieren lassen. Das Motto lautet: „Wenn Waldviertler Waldviertler kaufen, schaffen Waldviertler für Waldviertler Arbeit.“

In 55 Gea-Läden und bei 150 Händlern im deutschsprachigen Raum gibt es die Schuhe zu kaufen. Daneben produziert das Unternehmen auch Möbel, Matratzen sowie Taschen und erwirtschaftet mit 300 Mitarbeitern 32 Millionen Euro im Jahr.

Der Umsatzanteil über den eigenen Online-Shop liegt bei unter zehn Prozent. Da die Nachfrage – so sind sich die Öko-Schuhhersteller einig – steigt, denkt man über die Erweiterung der Produktion „in der Region“ nach. Angesichts der aktuellen Corona-Virus-Epidemie in China klingt das strategisch vernünftig.

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