Eduard Zehetner: „Ich will nicht mehr arbeiten“

Eduard Zehetner (64) zählt zu den schillernden Figuren der heimischen Managerszene. Zuletzt CEO der Immofinanz AG ist er seit April eigentlich Pensionist. Im GEWINN-Interview erzählt er, warum er das Startup Assistocor gegründet hat, was er von Businessplänen und der Medizinbranche hält und warum er nicht mehr arbeiten will.

Eduard Zehetner, Gründer des Startups Assistocor (Foto: Immofinanz Group)

GEWINN: Bis April waren Sie CEO der Immofinanz, seit April sind Sie als Gründer der Assistocor GmbH & Co KG Jungunternehmer. Wie kam es dazu?

Zehetner: Über einen guten Freund und Geschäftspartner, Walter Egle. Er hat mich gebeten Professor Mohl dabei zu helfen, dessen Erfindung aus dem universitären Bereich herauszulösen. Walter Egle ist Gründer der A.M.I. (Agency for Medical Innovations GmbH), an der ich auch beteiligt bin und für die ich in der Vergangenheit auch in verschiedenen Funktionen tätig war.

GEWINN: Werden Sie sich nunmehr als Business Angel betätigen?

Zehetner: Überhaupt nicht. Ich will nichts mehr arbeiten. Ich habe jemanden versprochen, zu helfen. Und wenn ich was verspreche, halte ich das. Ich muss nicht immer was verdienen dabei. Ich will da auch nicht Unsummen Geld investieren.

GEWINN: Trotzdem stecken Sie nicht nur Zeit, sondern auch Geld in die Idee. Wie bewertet man als Nicht-Fachmann eine derartige Erfindung?

Zehetner: Es gibt Ideen, die sind unmittelbar einleuchtend, dann ist es einfach: Sie schaun´, ob die Strukturen passen, ob der Unternehmer von seinen persönlichen Fähigkeiten her in der Lage ist, das umzusetzen, ob er charakterlich in Ordnung ist. Was man sich immer anschaut, ist das Umfeld: Was ist der Markt, was muss passieren, das die Zahlen erreicht werden... Und dann muss man sich mit Leuten unterhalten, die in der Branche sind und etwas davon verstehen. Auch mit Leuten, die dagegen sind oder von der Idee nichts halten. Mit diesen Einwänden muss man den Erfinder dann challengen und beurteilen, wie er damit umgeht. Das sind letztlich die Bestandteile, wie man solche Startup-Ideen beurteilt.

GEWINN: Was sind die Themen, die bei Assistocor jetzt anstehen?

Zehetner: Professor Mohl hat die Erfinderidee und jetzt muss man das ganze technisch umsetzen. Dazu muss man einen Schritt nach dem anderen machen und das Ganze an bestimmten Punkten bewerten. Und dann wird es Punkte geben, an denen man ein Ergebnis erzielt hat und auch überlegen muss, wie verwertet man das, wer kann das produzieren... Oder, gäbe es nicht jemanden, der das alles hat, das übernimmt und alle sind glücklich. Ich weiß wie schwierig es ist, ein internationales Vertriebsnetz aufzubauen. Die A.M.I. exportiert in viele Länder, hat eigene Tochtergesellschaften in mehreren Ländern.

GEWINN: Was braucht es, um eine Medizin-Erfindung aus Österreich international erfolgreich zu machen?

Zehetner: Aufgrund der ursprünglichen Gesellschafterstruktur hatten wir bei der A.M.I. sehr gute Voraussetzungen, um insbesondere im Euro-Raum mit einem Vertrieb zu starten. Trotzdem ist es fast unmöglich, in einem Umfeld, in dem Riesenunternehmen tätig sind, gegen diese anzutreten und zu reüssieren. Was alles überlagert, ist das Geld. Wenn der Arzt nicht genug verdient mit einer Therapie, wird er sie nicht anwenden – Punkt.

GEWINN: Was ist mit dem Hippokratischen Eid?

Zehetner: Die A.M.I. hat das beste Produkt zur Hämorrhoiden-Behandlung der Welt, aber Ärzte verdienen mit anderen Produkten mehr Geld. Das sind Widerstände gegen die sie antreten müssen. Hippokratischer Eid hin oder her. Insbesondere in den USA, dem größten Medizinmarkt der Welt. Dort gibt es die FDA*, die nur dazu da ist, inländische Unternehmen zu schützen. Und nicht die Sicherheit von Patienten. Wären wir mit der A.M.I. in Boston zu Hause, wo wir eine Beteiligungsgesellschaft haben, hätten wir diese schon längst um das Zwanzigfache des Jahresumsatzes verkaufen können. Aber wenn man nicht innerhalb des geschützten Gebietes ist, ist es extrem schwierig, dort Fuß zu fassen.

(* Die Food and Drug Administration ist u.a. für die Zulassung von Arzneimittel und Medizinprodukten in den USA zuständig)

GEWINN: Wäre die Entwicklung der Herzpumpe nicht auch für A.M.I. interessant?

Zehetner: A.M.I. ist ein Medizintechnikunternehmen und hat viel Erfahrung mit solchen Dingen und auch die Infrastruktur, es wäre also vorstellbar. Aber zur Zeit fehlt uns dort die spezifische Herz-Kompetenz und zudem ist die A.M.I. derart ausgelastet, dass dort momentan auch die Kapazitäten fehlen.

GEWINN: Und wie lange werden Sie an Bord der Assistocor bleiben?

Zehetner: Ich bin solange dabei, solange das für mich Sinn macht, solange das Thema vernünftig und realisierbar ausschaut. Wenn es aber jemanden gibt, der das Ganze anders machen will, schneller - bitte, danke… Ich will nicht mehr arbeiten.

GEWINN: Angst vor einem Pensionsschock haben Sie also keine?

Zehetner: Nein, Angst, dass mir langweilig wird, habe ich nicht. Ich kann mich mit so vielen Dingen beschäftigen. Ich bin gerne dabei, solange sich das gut entwickelt und ich schau auch gern drauf, aber ich will nicht mehr täglich arbeiten und überlegen, ob das richtig ist, was ich tue. Ich muss mir in meinem Leben und niemandem mehr etwas beweisen.


Über Eduard Zehetner

Seine Karriere startete der gebürtige Niederösterreicher (aus St. Pölten) 1979 als Controller bei Steyr Daimler Puch und bringt es dort zum Prokuristen und Leiter der Zentralen Betriebswirtschaft. 1985 wird er Geschäftsführer der SIS Datenverarbeitung, die er bereits zu Studienzeiten mitgegründet hatte. 1993 lässt er sich auszahlen und wechselt als Sanierer zu DANA Türen. 1997 wird er CFO des Mobilfunkers Connect Austria, später ONE (heute Drei). 2000 wechselt er zur Telekom Austria und wird CEO der neu gegründeten Jet2Web InternetServices GmbH. 2001 holt man ihn erneut als Sanierer zur RHI, wo er bis 2007 die Finanzen verantwortet. Als Konsequenz des Einstiegs von Martin Schlaff bei der RHI wechselt er 2008 (2000 erfolgte sein Engagement bei A.M.I., von 2007 – 2008 auch eine operative Tätigkeit als CFO) zur Immofinanz, ebenfalls um diese wieder auf Vordermann zu bringen. Was dem mehrfach ausgezeichneten Manager (etwa als CEO des Jahres 2013) auch gelingt. Zum Abschied in die Pension bringt er noch deren Wohnimmobiliensparten, die BUWOG, an die Börse.

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