Ein Flugtaxi, bitte

Ob autonom fliegende Taxidrohnen, 300 km/h schnelle, elektrische Jets, senkrecht startende und landende Miniflieger – der Wettlauf um die Lufthoheit fliegender Taxis hat rasant an Fahrt aufgenommen.

(FACC/Robert Gortana)

„Weltweit wird fieberhaft an der Entwicklung autonomer Flugtaxis bzw. an Flugdrohnen für den Transport von Menschen bzw. Waren gearbeitet, FACC in Österreich ist dabei einer der Vorreiter“, erklärt Günther Ofner, Vorstand der Flughafen Wien AG, die globale Entwicklung beim Wettrennen um die Poleposition bei Flugtaxis.

„Der größte Vorteil für Österreich könnte unmittelbar darin liegen, derartige Geräte hier für den Weltmarkt zu entwickeln und zu produzieren. Vor allem in den immer zahlreicher werdenden Megastädten der Welt könnten pilotenlose, flexible Fluggeräte in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, z. B. um von den Flughäfen ohne nervtötende Staus rasch ins Zentrum zu kommen oder besonders sensible Güter rasch an die Bestimmungsorte zu bringen“, stellt Ofner weiters fest.

Ob FACC mit und ohne Zusammenarbeit mit dem chinesischen EHang, die deutschen Unternehmen Lilium und Volocopter, die US-Firmen Kitty Hawk und Joby Aviation oder das im Aufbau befindliche österreichische Start-up Volare GmbH etc. – wer die Flugnase in den nächsten Jahren vorne haben möchte, muss jetzt Gas geben.

Oder noch besser, Strom. Denn Flugtaxis sollen wie das autonom fliegende Drohnentaxi EHang 216 umweltfreundlich unterwegs sein. Ofner: „In Zukunft könnten damit nachhaltige und den Bodenverkehr ergänzende Verkehrssysteme in der Luft entstehen. Auf Kurzstrecken hoffentlich auf Basis von Elektroantrieben. Wichtig wäre auch die rasche Weiterentwicklung synthetischer, CO2 freier Treibstoffe, sowohl für die konventionelle Luftfahrt als auch für neue Flugtaxis.“

Alles noch Zukunftsmusik? FACC-CEO Robert Machtlinger: „In China kann man bereits Personen transportieren, dort sind schon Flugstrecken in Städten zugelassen worden“. Und auf dem guten alten Kontinent? Austro-Control-Geschäftsführerin Valerie Hackl. „Realistischerweise können wir aus heutiger Sicht frühes­tens ab 2025 mit einem Einsatz dieser Fluggeräte in Europa rechnen“, schätzt sie die Entwicklung ein. Bis Ende 2022 soll seitens der Europäischen Agentur für Flugsicherheit ein rechtlicher Entwurf präsentiert werden.

Die Flugtaxiproduzenten haben unterschiedliche Konzepte. Lilium etwa will Personen mit bis zu 300 km/h zwischen Städten pilotieren, EHang wiederum Passagiere ohne Piloten in einem Umkreis von 50 bis 70 Kilometern transportieren. Volocopter startet aus dem Stand etc. – die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Ofner: „Interessant wäre bei uns etwa eine derartige Verbindung Bratislava–Wien-Zentrum bzw. Bratislava–Flughafen Wien für zahlungskräftige, zeitsensible Kunden, denn die vielen Staus auf der Ostautobahn machen den konventionellen Transfer oft mühselig. Realisiert werden könnte das sehr rasch, vorausgesetzt es gibt den erforderlichen rechtlichen und technischen Rahmen, durchaus auch als Modellversuch. Billig wird diese Transportart aber sicher nicht sein, was die Einsatzmöglichkeiten in der Praxis eher limitieren wird.“ Machtlinger sieht den Flugpreis vom Flughafen JFK in New York bis Manhattan in der Größenordnung von 50 Dollar.

Einige Investoren und Fonds wollen nicht mehr länger warten und steigen gerade der Reihe nach in die jeweiligen Unternehmen ein. So will Lilium beispielsweise durch die Fusion mit Qell Acquisition an die Technologiebörse Nasdaq. Die Münchner entwickeln einen siebensitzigen, elektrisch startenden und landenden Jet für Passagiere und Fracht. Laut Lilium beträgt der Wert des kombinierten Unternehmens 3,3 Milliarden Dollar. Mit dem Erlös aus der Transaktion soll der Start des kommerziellen Betriebs finanziert werden, der für 2024 vorgesehen ist.

Auch die im deutschen Bruchsal beheimatete Volocopter gab vor Kurzem eine erfolgreich überzeichnete Serie-D-Finanzierungsrunde in Höhe von 200 Millionen Euro bekannt. Das Unternehmen entwickelt elekt­risch angetriebene Multikopter, die als VoloCity-Flugtaxi Menschen an ihr Ziel fliegen oder als VoloDrone Güter in der Stadt transportieren werden.

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